Kirchheimbolanden RHEINPFALZ Plus Artikel Wohlfühloase Kreißsaal: Der Fokus liegt auf der schönen Geburt

Beim hebammengeführten Kreißsaal ist die Hebamme die ganze Zeit bei der Schwangeren.
Beim hebammengeführten Kreißsaal ist die Hebamme die ganze Zeit bei der Schwangeren.

Seit Anfang September gibt es im Westpfalz-Klinikum in Kirchheimbolanden einen hebammengeführten Kreißsaal. Am Freitag wird er mit einem Familienfest offiziell eingeweiht.

Einen Fernseher für Fußballübertragungen gibt es (noch) nicht – auch wenn sich der eine oder andere Mann bereits danach erkundigt hat. Denn in diesen neuen Räumen soll die Frau im Mittelpunkt stehen, genauer gesagt, die schwangere und gebärende Frau. Ansonsten ist es im Kreißsaal in Kirchheimbolanden ziemlich gemütlich. Sogar ohne Fernseher.

Cindy Paulus ist die Leitende Hebamme der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe.
Cindy Paulus ist die Leitende Hebamme der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe.

Seit Anfang des Monats gibt es hier einen hebammengeführten Kreißsaal, und der wird an diesem Freitag mit einem Fest für die ganze Familie feierlich eingeweiht. „Wir möchten an diesem Tag nicht nur schwangere Frauen einladen, sondern freuen uns auf die ganze Familie. Kinder können Schnullerketten basteln oder Badesalz herstellen“, sagt Cindy Paulus, Leitende Hebamme der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe.

600 Kinder werden hier 2025 auf die Welt kommen

Im Jahr 2024 betreuten Paulus und ihr Hebammen-Team 640 Geburten, am 7. September 2025 begrüßte der Kreißsaal das 400ste Kind in 2025, bis Ende des Jahres werden sie wohl um die 600 Kinder zur Welt gebracht haben. Auch sie merken den Rückgang der Geburten: Im Jahr 2021 lag die Geburtenrate in Deutschland bei 1,5 Kindern pro Frau, im Jahr 2024 waren es noch 1,3 Kinder. Trotzdem wird hier am Standort Kirchheimbolanden der Kreißsaal nicht verkleinert, sondern die Geburtshilfe hat weiterhin ihren festen Platz. „Die Geburt ist der erste Moment des Lebens und wir legen hier den Fokus auf das Schöne der Geburt. Wir möchten dazu beitragen, dass Frauen ein positives Geburtserlebnis haben“, erzählt Paulus.

Auch eine Wassergeburt ist in der Klinik möglich.
Auch eine Wassergeburt ist in der Klinik möglich.

Das Westpfalz-Klinikum in Kirchheimbolanden ist damit die fünfte rheinland-pfälzische Geburtsklinik, die vom Land eine Förderung für die Einrichtung eines hebammengeleiteten Kreißsaals erhalten hat. Insgesamt arbeiten 25 Hebammen an dem Standort, viele davon in Teilzeit. Diese hohe Anzahl der Hebammen sei wichtig, denn bei einem hebammengeleiteten Kreißsaal liegt der Fokus während der Geburt auf der Betreuung durch die Hebammen.

Die Hebamme begleitet die gesamte Geburt

Gesunde Frauen gebären in einem hebammengeleiteten Kreißsaal genauso sicher, wie in einem konventionellen Kreißsaal, die Hebamme ist während der gesamten Geburt anwesend und begleitet den Geburtsverlauf. Dadurch kommt es seltener zu Dammschnitten, Zangengeburten oder Kaiserschnitten. Das Klinikum hat eine Kaiserschnittrate von 25 Prozent, was unter den Durchschnitt liegt – viele Kliniken haben eine Rate von über 30 Prozent. Im Notfall sind rund um die Uhr Ärzte da, sie können jederzeit zur Geburt dazu kommen, Frau und Baby können bei Komplikationen zügig in andere Kliniken verlegt werden.

Insgesamt gibt es drei Kreißsäle, die alle farblich unterschiedlich gestaltet sind.
Insgesamt gibt es drei Kreißsäle, die alle farblich unterschiedlich gestaltet sind.

„Beim Hebammenkreißsaal handelt es sich um ein zusätzliches Betreuungskonzept, neben der ärztlich geleiteten Geburt“, sagt Paulus. Werdende Eltern können weiterhin zwischen einem hebammen- und einem ärztlich geleiteten Kreißsaal wählen. Auch sei es natürlich noch immer möglich, einen geplanten Kaiserschnitt durchführen zu lassen – oder auch einen Notkaiserschnitt während der Geburt. Der hebammengeleitete Kreißsaal sei ein Angebot für gesunde Frauen, mit normalem Schwangerschaftsverlauf, die eine selbstbestimmte Geburt erleben möchten – mit der Sicherheit eines Krankenhauses im Hintergrund.

Vor der Geburt gibt es zwei Gespräche

Deswegen gibt es für interessierte Schwangere auch zwei Anmeldegespräche: das erste Gespräch sollte ab der 20. Woche und bis zur 24. Schwangerschaftswoche stattfinden, ein zweites Gespräch ist dann zwischen der 32. und 36. Woche geplant. „Wir nehmen uns für die Gespräche jeweils eine Stunde Zeit“, erzählt Paulus. Es gibt mehrer gesundheitliche Gründe, die gegen eine Geburt im hebammengeführten Kreißsaal sprechen. Dazu gehören unter anderem mehr als zwei Kaiserschnitte bei vorherigen Geburten, eine Typ 1 Diabetes Erkrankung, Quer- oder Schräglage des Babys oder Epilepsien der Frau.

Auch das Baby im Bauch sollte keine Fehlbildungen haben, die bereits in der Schwangerschaft festgestellt wurden. Die Schwangeren würden im Fall der Fälle an einen anderen Kreißsaal vermittelt, in der Regel nach Kaiserslautern. Dort gibt es ein Perinatalzentrum Level 1, was für das Baby wichtig wäre, sollte es nach der Geburt Unterstützung brauchen. Doch Cindy Paulus möchte sich auf das Schöne konzentrieren und nicht auf Probleme und Komplikationen, die in einer Schwangerschaft oder während der Geburt auftreten können: „Wir haben hier in unserem Kreißsaal das Privileg, dass wir den Fokus auf eine natürliche und schöne Geburt legen können und das tun wir auch“, sagt sie.

x