Kirchheimbolanden
Geburten am Westpfalz-Klinikum – es geht auch ohne Arzt
Etwas mehr als 20 Hebammenkreißsäle gibt es derzeit deutschlandweit. Im Westpfalz-Klinikum in Kirchheimbolanden wird in etwa zwei Jahren in der Geburtshilfe ein weiterer beherbergt sein. Das ist in erster Linie dem Einsatz der leitenden Hebamme Cindy Paulus und dem von Chefärztin Astrid Hedicke zu verdanken, die schon seit einigen Jahren mit diesem Modell liebäugeln. „Als die Ausschreibung des Landes kam, waren wir bereits bestens vorbereitet“, sagt Paulus. Jetzt ist es amtlich: Einer der sieben Hebammenkreißsäle landesweit wird am Standort Kirchheimbolanden vom Land gefördert zu finden sein. Auch am Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern soll das Konzept umgesetzt werden.
„Der Hebammenkreißsaal ist kein spezieller Raum, es ist vielmehr ein Entbindungsmodell“, sagt Paulus. Dabei stünden der Frau zwei Hebammen bei der Geburt zu Seite, so Paulus. Chefärztin Hedicke und ihr vierköpfiges ärztliches Team kommen nur dann hinzu, wenn eine „ärztliche Intervention“ nötig wird. Was genau das bedeuten kann, wird werdenden Müttern auf Wunsch in Vorgesprächen genau erläutert. Intervention meint nicht nur den Kaiserschnitt oder den Einsatz von Zangen oder Saugglocken. „Es zählt auch schon die Gabe von Schmerzmitteln dazu“, so Paulus. Das, sowie eine Periduralanästhesie ins Rückenmark oder auch die Gabe von wehenfördernden Mitteln, muss weiterhin von einem Arzt übernommen oder angeordnet und überwacht werden.
Schulungen laufen bereits
Läuft eine Geburt dagegen ohne diese Intervention, kann die Frau sogar noch von der Hebamme versorgt werden, wenn eine Naht nötig wird. „Wir haben hier im Haus bereits Schulungstermine dafür mit den Hebammen abgehalten“, so Hedicke. Das sei allerdings nur ein Baustein von vielen auf dem Weg zu dem neuen Konzept. „Die Umstellung ist aufwendig und braucht Zeit, aber es lohnt sich“, sind sich Hedicke und Paulus einig.
Wenn sich während einer Geburt zeigt, dass die Frau es ohne Schmerzmittel nicht schafft, oder wenn es zu Komplikationen kommt, ist der Arzt nicht weit und wird dazugerufen. „Dann sprechen wir zwar nicht mehr von einem Hebammenkreißsaal, aber die werdende Mama merkt von diesem Übergang kaum etwas“, so Paulus. Sie muss nicht die Umgebung wechseln, und auch die betreuenden Hebammen bleiben bei ihr. „Wir können den Frauen so eine Umgebung wie bei einer Hausgeburt bieten, aber mit größtmöglicher Sicherheit“, sagt Hedicke. „Und genau das ist es, was sich werdende Mütter heute wünschen“, ergänzt Paulus.
Schneller Draht zur Kinderklinik
Als großen Vorteil sieht die Chefärztin auch die enge Anbindung an den Maximalversorger in Kaiserslautern. „Wenn ein Kind zu früh kommt oder anderweitig Probleme auftreten, sind die Kinderärzte aus Kaiserslautern schnell hier in Kirchheimbolanden, versorgen das Kind und nehmen es mit ins Perinatalzentrum“, so Hedicke. Das Sicherheitsnetz für Mutter und Kind sei also eng gewebt.
Gleichwohl halte man es für wichtig, auch dem Bedürfnis nach einer familiären Atmosphäre und Nähe während einer Geburt genügend Raum zu bieten. „Unsere Erfahrung ist, dass es für den Ablauf einer Geburt eine große Rolle spielt, ob die Frau sich wohl und gut aufgehoben fühlt“, sagt Paulus. So können die Frauen bereits heute ihre Lieblingsmusik mitbringen und während der Geburt hören, sie können Duftöle ausbringen, ihre eigene Kleidung tragen und es sich auf einem breiten Bett mit dem Partner bequem machen. Als natürliche Schmerztherapie setzen die Hebammen Massagen ein oder Akupunktur, oder sie nutzen ein Tensgerät, das durch elektrische Wellen zu Entspannung verhilft. „Wir haben an uns selbst den Anspruch, dass die Mutter eine möglichst stressfreie Geburt erlebt“, sagt sie. „Hektik oder Schreien im Kreißsaal, das gibt es bei uns nicht.“
Auf die neuen Räume im Neubau freue sich die gesamte Abteilung bereits sehr, so Chefärztin Hedicke. Denn sie böten nicht nur sehr viel mehr Platz, sie dürfen von dem Team der Geburtshilfe auch nach eigenen Wünschen gestaltet werden. „Da wird dann nichts mehr übrig sein von einer Krankenhausatmosphäre“, verspricht die Chefärztin, die aber auch gleichzeitig zu schätzen weiß: „Die Intensivstation ist direkt gegenüber.“ Wenn nötig, sei Hilfe für Mutter und Kind nicht weit.
Info
Wer sich über die Geburtshilfe in Kirchheimbolanden informieren möchte, kann das beim Familientag am Samstag von 11 bis 17 Uhr tun. „Wir haben auch für die Geschwisterkinder ein schönes Programm zusammengestellt, damit die Eltern Gelegenheit haben, unsere Klinik und unser Angebot in Ruhe kennenzulernen“, sagt Hedicke. Wer Fragen hat, kann das Team dazu jederzeit ansprechen, zu erkennen am pinkfarbigen T-Shirt.