Donnersberger Echo
Wochenendkolumne: Friseure in Münchweiler und Wählen zu Hause
Ruft ein Kunde mit pandemiebedingter Un-Frisur im Friseursalon an. „Ich bräuchte dringend einen Termin.“ – „Sie haben Glück“, sagt die Friseurin, „wir haben gerade noch einen frei. Sie müssen aber in fünf Minuten da sein.“ – „Kein Problem, ich komm schnell rübergelaufen“, meint der Kunde, gibt zur Sicherheit die Zieladresse in seinen digitalen Routenplaner ein – und sieht: Der schnellste Fußweg dauert gut zehn Stunden.
Zugegeben, die Geschichte klingt ein wenig konstruiert. Sie speist sich aber aus einem kleinen Versehen, das uns bei der Berichterstattung vor einigen Tagen unterlaufen ist. Um es vorweg zu nehmen: Es stand überhaupt nichts Falsches in dem Artikel zur Öffnung der Salons vor 14 Tagen. Aber nun, da wir darauf hingewiesen wurden, dass sich bei unserer Umfrage zwei Namen eingeschlichen hatten, die wohl niemandem etwas sagen in hiesigen Gefilden, wollen war das natürlich nicht unter den Tisch fallen lassen.
19,5 Stunden zum Schloss
Vor allem wollen wir Irritationen in Münchweiler vermeiden. Denn ohne nun eine aufwendige Recherche anzustreben, welche der rund 1200 Einwohner denn wohl schon einen Termin ergattern konnten, wollen wir denjenigen, bei denen es noch nicht so weit war, mit auf den Weg geben: Der Fußmarsch – und selbst die Anfahrt – zu den im Artikel befragten Salons Fröhlich und Ehrstein gestalten sich halt doch ein wenig schwieriger. Denn sowohl Cornelia Ehrstein als auch Timo Fröhlich schneiden den Menschen in Münchweiler an der Rodalb im Landkreis Südwestpfalz die Haare. Daher dürften nur verschwindend geringe Teile (wenn überhaupt) ihrer Stammkundschaft, auf die sich Cornelia Ehrstein laut eigener Aussage sehr freut, aus unserem Münchweiler stammen.
Haarfee Elena Kling übrigens, die ihren Salon tatsächlich in Münchweiler an der Alsenz betreibt, die kann sich über zu viel Freizeit derzeit nicht beklagen. Gleich am ersten Tag nach der Öffnung ging’s morgens um 7.30 Uhr los, abends war erst gegen 20 Uhr Schluss. Ganz ähnlich lief es weiter, und bis in den April hinein sei sie gut ausgebucht, sagt sie. Also immerhin: Es scheint ihr keine Kunde den Rücken gekehrt zu haben, um sich künftig in der Südwestpfalz die Haare schneiden zu lassen.
Klings Geschäft ist auch sehr gut fußläufig erreichbar aus ganz Münchweiler – zumindest geht’s deutlich schneller als zu den Salons von Cornelia Ehrstein und Timo Fröhlich. Mit schicker neuer Frisur lässt sich dann so manches mit neuem Elan angehen: zum Beispiel mal ein schneller Besuch im barocken Schloss Münchweiler (im saarländischen Wadern, einfacher Fußweg 19,5 Stunden).
Wer kommt noch in die Wahllokale?
Am Sonntag ist es wieder soweit: Es wird gewählt. Die Landtagswahl steht an, außerdem wird in der Verbandsgemeinde Kirchheimbolanden ein(e) Bürgermeister(in) gesucht, und in Kalkofen braucht’s einen neuen Ortsbürgermeister. Aber ist das überhaupt die richtige Formulierung – „am Sonntag wird gewählt“?
Vielmehr müssten es doch heißen: Am Sonntag werden die Wahlergebnisse verkündet. Denn so wirklich viel dürfte in den Wahllokalen gar nicht mehr los sein. Im Verbreitungsgebiet der Donnersberger Rundschau haben von den rund 50.000 Wahlberechtigten etwa 22.500 Briefwahl beantragt. Und die meisten von ihnen haben ihre Stimmen längst abgegeben.
Spannende Frage nach der Wahlbeteiligung
Eine Wahlbeteiligung von etwa 70 Prozent – wie bei der Landtagswahl vor fünf Jahren – vorausgesetzt, dürften sich also nur noch um die 12.000 bis 13.000 Menschen in den vielen Wahllokalen verlieren. Oder erleben wir eine Überraschung? Kommen doch noch viel mehr Wähler, um ihre Kreuzchen zu machen? Ist die Wahlbeteiligung am Ende viel höher als erwartet, weil die Briefwahl pandemiebedingt so viel mehr Aufmerksamkeit erfahren hat? Es wird spannend sein zu sehen, wie sich Corona letzten Endes auf die Wahlbeteiligung auswirkt.
Und obwohl schon so viele Bürger im Donnersbergkreis ihr Votum abgegeben haben, geben wir Ihnen auch diesmal das mit auf den Weg, zu dem wir am Tag vor einer Wahl immer raten: Gehen Sie wählen. Die, die es noch nicht getan haben.