Donnersberger Echo RHEINPFALZ Plus Artikel Wochenendkolumne: Der Stadtrat Kirchheimbolanden in der Online-Welt

virtuelle sitzung

Noch vor wenigen Wochen hieß es bei der Kreisverwaltung auf Nachfrage, dass die Kommunen im Donnersbergkreis nicht planen, auf virtuelle Sitzungen umzustellen. Das hat sich schnell geändert, es soll ja nicht wieder alles stillstehen, wie das Anfang des Jahres in Teilen der Fall war. Einige Ortsgemeinden haben vorgelegt, am Mittwoch nun ist auch der Kirchheimbolander Stadtrat zu einer Sitzung zusammengekommen. Nicht. Sondern hat sich per Videokonferenz zusammengeschlossen.

Das hat trotz der hohen Teilnehmerzahl erstaunlich gut funktioniert. Klar, einige Startproblemchen gab’s, denn so eine virtuelle Sitzung hat ihre eigenen Gesetze. Und die wollen erstmal geschrieben werden ...

Biss’l Verwirrung zu Beginn

Beispiel gefällig? „Ich bitte um Abstimmung“, sagte Siegfried Groß, nachdem er den ersten Tagesordnungspunkt, den Jahresabschluss 2017, vorgestellt hatte. Und ergänzte: „Keine Ahnung, wie das online funktioniert – ihr könnt mir da gerne helfen.“ Beigeordneter Michael Ruther riet: „Ich würde erstmal fragen, wer sich zu dem Punkt noch äußern will.“

Ein guter Hinweis, denn: „Thomas Edinger hat sich gemeldet.“ Stimmt, sah so aus. Hatte er aber gar nicht. „Ich wollte die Hand heben, um zuzustimmen“, stellte Edinger klar. Also keine Wortmeldung, dann eben doch auf zur Abstimmung. Groß: „Wer zustimmen kann, den bitte ich jetzt um ...“ – ja, um was eigentlich? „Handzeichen“, schlug Ruther nach kurzer allgemeiner Nachdenkpause vor. Na also, wie in der echten Welt. Und die Zustimmung per Handzeichen, die gab’s von allen. Bei den folgenden Tagesordnungspunkten lief es dann so glatt, als wäre nie anders als auf virtuellem Weg abgestimmt worden.

Plus oder Minus?

Dem Gros der Ratsmitglieder jedenfalls schien es nicht wirklich unangenehm, die Sitzung auf selbstgewählten Sitzmöbeln zu verbringen – die meisten davon sicherlich bequemer als jene in Rathaus oder Stadthalle, von wo aus sich Verwaltung und Stadtvorstand zugeschaltet hatten. Die Medienprofis Joachim Didier und Patrick Sommer wiederum hatten keine Schränke, Regale oder Holzdecken zu bieten, sondern sich einen Hintergrund geschaffen, der durchaus auch für Experteninterviews auf n-tv hätte herhalten können.

Nicht dabei war allerdings Thomas Bock. Der hatte die Rechtmäßigkeit der Sitzung angezweifelt und auch die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) eingeschaltet. Vor allem geht es ihm darum, dass die Bürger der Sitzung bei einer Übertragung in der Stadthalle beiwohnen konnten, aber keine Möglichkeit gehabt hätten, online teilzunehmen. Die ADD hatte Bock zunächst signalisiert, dass sie mit dem Ablauf der Sitzung keine Probleme hat. Ob noch was nachkommt?

Eines lässt sich in jedem Fall festhalten: Der Rat huschte deutlich zügiger von Tagesordnungspunkt zu Tagesordnungspunkt als bei der vorhergehenden Sitzung. Es gab deutlich weniger Redebeiträge und Gegenreden als in der Offline-Welt. Handheben in der Stadthalle geht halt doch etwas unkomplizierter als den Redebeitrag in der Webex-App anzumelden und das Mikro zu aktivieren. Das bliebe als Pluspunkt für die Online-Konferenzen zu notieren, was den Zeitaufwand für die Beteiligten angeht. Ein Minuspunkt wäre es, wenn wegen des erhöhten Aufwands konstruktive Beiträge auf der Strecke geblieben sein sollten.

Aus gegebenem Anlass: AHA+L

Ich wage nun mal etwas, was kein Medium dieser Welt gerne tut. Es ist sozusagen – so weit lehne ich mich mal aus dem Fenster – ein Novum in unserer Branche. Ich schreibe nun einige Zeilen und gebe dabei offen zu: Jetzt kommt überhaupt nichts Neues. Das wissen schon alle. Eigentlich können Sie an dieser Stelle aufhören zu lesen.

Weil aber der Gang mit offenen Augen durch die Straßen noch immer ab und an den Eindruck vermittelt, als sei es – warum auch immer – noch nicht überall angekommen: Halten Sie Abstand. Beachten Sie die Hygieneregeln. Tragen Sie eine Alltagsmaske (über Mund und Nase). Lüften Sie regelmäßig. Und wenn Sie mögen, laden Sie sich die Corona-Warn-App herunter. Das ist gar nicht so langweilig, wie es auf Anhieb klingt: Der tägliche Blick aufs Handy, ob man Risikokontakte hatte, ist spannender als die Suche nach einem seltenen Pokémon. Und ein ganzes Stück hilfreicher. Bleiben Sie gesund!

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