Donnersbergkreis Wo der Nachbar auf dem Balkon hängt
Eine Frau im Schlabberhemd spaziert nachts aus dem Haus – statt des Haustürschlüssels hat sie einen Kochlöffel in der Hand. Wie es zu dieser bizarren Situation kam, und warum der gutwillige Nachbar kurze Zeit später auf dem Balkon festhing, das erfuhren die Zuhörer der „Schdoabacher Kerwered“ am Wochenende.
Soviel sei verraten: Dass Hausbewohnerin und Nachbar später in der Nacht wieder in ihren Betten landeten, das hatten sie dem Schreiner des Ortes zu verdanken. Vorgetragen wurde die Kerwered, die neun Stücke umfasste, von Lena Bauer: in lässiger, unbekümmerter und cooler Manier. Mundschenk war Florian Bauer. Die Kerwestücke waren höchst amüsant, was nicht zuletzt an der mitreißenden Vortragsart von Lena Bauer lag. So wurde auch noch ein „Dauergaschd“ in der Rede bedacht. Oder, um es zu konkretisieren: „De Nägscht in de Red’ is quasi en Dauergaschd, und hot vererbt soim Sohn soi Laschd.“ Juniors Ziel: Das Festival Wacken. Problem nur: Am Abend vor der Abfahrt ging dieser noch auf eine Party. Die Zeit verging... „ zehn Fraue, zehn Schoppe, zehn Bier: ach wie schnell war es halb vier.“ Als Junior das bemerkte, rannte er nach Hause. Im Treppenhaus erklomm er Stufe für Stufe, und dann das Malheur. „ Uff’s Knie gefall, die Kapsel ist geriss, hätsch du dich mol liewer uff doi Dasch geschmiss…“ Doch bevor Lena Bauer über die lustigen Geschehnisse des vergangenen Jahres in Steinbach plauderte, stand der Umzug an. Bei schönem Wetter startete er an der Jugendherberge. Zum Inventar des Umzugs gehörten fünf Mottowagen, die „Schdoabacher Kerwekids“, die Straußjugend aus Dannenfels, Breunigweiler und Börrstadt sowie Bierkönig und Biergerstenkönigin aus Kirchheimbolanden. Der Umzug wurde musikalisch auf zweierlei Art begleitet: einmal in klassischer Manier durch den Musikverein Steinbach, der auch Wein austrug. Fetzig dagegen die „Wildsaufetzer“ aus Dannenfels. Thematisiert wurde beispielsweise die Einbruchsserie, mit einer überraschend positiven Quintessenz „Verstecken Bier und Fleschworschd besser als Kohle, deswegen war für Einbrecher aach nix zu hole!“ Des weiteren wurde auch das fünfjährige Bestehen des Jugend- und Kerwevereins in den „Dorflauf“ integriert. Auch das Reinheitsgebot wurde thematisiert. Mit den Kerwespielen wurde der Sonntagmittag traditionell abgeschlossen. Hier triumphierte der „Rivale“ aus Börrstadt. Auch am Sonntag heizte eine Liveband – diesmal die Partyband Googs – ein. Drei Bands an drei Tagen: Chapeau! Die „Kerb“ wurde am Donnerstag obligatorisch im Cafe Akazie mit dem „Ladernscheowend“ eingeleitet. Der Ouvertüre folgte am Freitag, nach dem Ausgraben der Kerwe durch die Straußjugend, das erste Stelldichein auf dem Kerweplatz am Bürgerhaus. Musikalisch begleitete das Treiben die Kultband „Seasons“. Der Samstag stand ganz im Zeichen der Fußball-Europameisterschaft. Über eine große Leinwand konnten die Besucher das Spiel verfolgen. Ein minimaler Wermutstropfen: die qualitativ ausbaufähige Bildqualität. Dass die deutsche Mannschaft das Elfmeterschießen gewann, war der Stimmung auf dem Kerweplatz überaus zuträglich. Bis mitten in die Nacht wurde gefeiert, angeheizt vom „Schwarzwald Quintett“. Der Montag stand ganz im Zeichen des Frühshoppens. Am dienstags wurde die Kerwe – auch mit etwas Nostalgie – begraben. |smz