Donnersbergkreis „Wir schrumpfen uns gesund“
Oft wird die Zukunft des traditionellen Chorgesangs auch im Donnersbergkreis in eher düsteren Farben gezeichnet. Überalterung, wenig Nachwuchs, Chor-Zusammenschlüsse, auch das Schwinden der Vereine prägen das Bild. Wir haben uns dazu bei Verbandsvorsitzenden umgehört.
Die Kreismusikverbände - zuständig für die örtlichen Laienorchester - orientieren sich weitgehend an den Grenzen ihrer Landkreise. So vertritt der Musikkreis Donnersberg bis auf wenige Ausnahmen hauptsächlich Orchester des Donnersbergkreises. Ausnahmen wie Sembach erklären sich aus früheren Landkreis-Zuschnitten, in diesem Fall des vor 1969 bestehenden Landkreises Rockenhausen. Komplizierter ist heute das Laienchorwesen organisiert, das im Chorverband der Pfalz seine Dachorganisation hat und sich früher in 16 und jetzt nur noch sechs Untergliederungen (Kreischorverbände) aufteilt. Für eine statistische Auswertung im Hinblick auf Trends und einen Wandel des traditionellen Chorgesangs wird erschwert, dass im Kreischorverband Nordpfalz die ehemaligen Verbände Kirchheimbolanden und Frankenthal-Grünstadt (letztere gehören nicht zum Donnersbergkreis) enthalten sind. Der Vorsitzende dieses Kreischorverbandes Nordpfalz, Wilfried Bierhenkel, konnte dennoch einige Eckdaten als Trend ermitteln: Demnach hat in den letzten zehn Jahren die Zahl der gemeldeten und angeschlossenen Vereine von 55 auf 46 abgenommen. Auch sei die Zahl der Gesamtmitglieder in diesem Zeitraum um etwa 300 Vokalisten gesunken. Besonders bedauerlich findet Bierhenkel den Rückgang von Kinder- und Jugendchören (von acht auf fünf) und klagt, dass die Musikschulen für sich, aber nicht kooperativ mit dem Chorverband arbeiteten, so seine Erfahrung. Auf der anderen, westlichen Seite des Donnersbergkreises, wird die Chorszene vom Nordwestpfälzischen Sängerbund repräsentiert: Der hat in Irene Poller seine geschäftsführende Vorsitzende, die ebenfalls eine statistische Auswertung der RHEINPFALZ vorlegte: Hier sind von Alsenz bis Gehr- und Gundersweiler, um den Donnersberg mit Falkenstein und Marienthal und im Süden bis einschließlich Lohnsfeld und im Osten noch Münchweiler Chöre des früheren Nordpfälzer Sängerbundes vertreten. Darunter auch solche wie Sembach, die zum Landkreis Kaiserslautern gehören. Mittlerweile ist dieser ehemalige Chorverband im Zusammenschluss zum Kreis- und Chorverband Nordwest-Pfalz aufgegangen. Dennoch ergibt sich durch Pollers gesondert gefertigte Statistik eine deutlich ersichtlich rückläufige Tendenz: Waren es im Vergleichsjahr 2010 in diesem alten Sängerbund 45 Vereine, so im letzten Jahr noch 32. Stabil sind die Zahlen der konventionellen Chöre (Männerchor, gemischter Chor), rückläufig die Zahl der Kinder- und Jugendchöre von sieben auf vier. Was zu einem Schwund von ehemals 200 Nachwuchssängern auf jetzt 61 führte. Insgesamt fiel die Gesamtzahl der gemeldeten Mitglieder um 1000 Vokalisten. Irene Poller ist zuständig für diesen Zusammenschluss zum Nordwestpfälzischen Sängerbund, der mit den Kreischorverbänden Brücken (Kreis Kusel), Glan-Lauter und Kaiserslautern einen großen Bezirk bildet. Sie und ihr benachbarter Amtskollege Bierhenkel sehen beide unisono die gemeinsamen Trends: Einerseits eine Überalterung der Chöre bei fehlendem Nachwuchs und rückläufiger Kinder- und Jugendchorszene. Beide sehen dafür ein verstärktes Aufkommen alternativer Chöre, die entweder andere Stilistiken wie Pop, Rock, Musical oder Gospel pflegen oder auch in der Probenarbeit - hin zu sogenannten Projektchören - andere Wege gehen. Poller gibt zu bedenken, dass viele Neugründungen der letzten Jahre nicht statistisch erfasst sind, weil sie sich beispielsweise keinem Verband anschließen. Trotz rückläufiger Zahlen sehen beide aber (noch!) eine Stabilisierung auf niedrigerem Zahlenniveau und künstlerisch einen in den letzten Jahrzehnten stetig gestiegenen Standard, bei dem sich die Fortbildungsmöglichkeiten für Choristen und Chorleiter auszahlen. Auch die Konzerte hätten sich – so die Beobachtungen beider, die ja viele Ehrungen vornehmen und damit stark präsent sind bei Konzerten – zu niveauvollen Veranstaltungen entwickelt: Weg von Massenveranstaltungen mit einer Vielzahl von Gastchören und hin zu einer intensiv erarbeiteten Konzertfolge eines durchführenden Chors. Beide - Poller und Bierhenkel - berichten auch von erfreulich positiver Resonanz und guter Platzauslastung bei den Konzerten. Das zeige, dass immer noch ein interessiertes Publikum vorhanden sei. „Professioneller, effektiver, gereifter“ ist Pollers Lob im Dreiklang für diese örtliche Chorarbeit, die durch multimediale Bewerbung und Workshops – angefangen von Seminaren für Kindergärtnerinnen – viele Impulse bekommt. „Wir sterben nicht, schrumpfen uns gesund“, verbreitet auch Bierhenkel Optimismus und betont zudem die Akzentverschiebung im Repertoire, die teilweise zu sensationellen Ergebnissen führte. Da nennt er aufgeschlossen einige Popchöre.