Tennis
„Wir haben ihn im Blickfeld“
„Wir haben ihn im Blickfeld“, erklärte Nachwuchs-Bundestrainer Peter Pfannkoch. Denn trotz der Einstufung in die Leistungsklasse 17, der niedrigsten aller Teilnehmer der männlichen U13-Konkurrenz, überzeugte Haage in dieser Saison schon, siegte in der Vorwoche in Neckargemünd beim einem Turnier der Junior Wilson-Serie, bewies sich im Corona-Sommer schon bei Turnieren in den Jahrgangsstufen U14 und sogar U16. „Er ist schon deutlich weiter als ich. Und er hat wahrscheinlich auch ein bisschen mehr Talent“, sagte sein älterer Bruder Maximilian lachend, der ebenfalls schon an den Meisterschaften teilgenommen hat. Mit überschaubarem Erfolg. „Er hat hier die Chance, auch einmal den Titel zu holen“, glaubt der große Bruder, der in diesem Sommer immerhin in der Aufstellung der Regionalliga-Mannschaft des BASF TC stand und auch im Zweitrundenmatch die Daumen drückte.
Meist hatte Alexander die besseren Antworten
Das hat zumindest in Runde eins gegen Lovis Bertermann vom TC Großhesselohe aus München geholfen. Wieselflink und mit toller Beinarbeit erlief Alexander auch noch die unmöglichsten Bälle, die ihm sein höher eingestufter Gegner über das Netz schoss. Und immer wieder hatte Haage die besseren Antworten. Aber er kam nicht nur über den Kampfgeist und großes Raumverständnis, sondern auch über die Emotionen, feuerte sich immer wieder selbst an. Alles zusammen schien zu helfen. Nach einem hart umkämpften 7:5 im ersten Durchgang durchbrach er gleich zwei Mal das Aufschlagsspiel seines Gegners aus Bayern, führte schon mit 3:0 und musste im Anschluss seine einzige kleine Schwächephase überstehen, nachdem Denis Gremlmayr aus dem BASF-Trainerteam noch gewarnt hatte: „Jetzt bloß nicht überdrehen. Konzentriert weitermachen!“ Die Anweisung verhallte scheinbar ungehört. Anstatt selbst Druck zu machen, wurde Haage ein wenig zu passiv, überließ die Initiative seinem Gegenüber. Der bedankte sich, glich zum 3:3 aus. Ein Bruch im Spiel? Mitnichten. Erstaunlich abgeklärt riss das Talent aus der BASF-Tennisschule das Spiel wieder an sich, schlug nun wieder härter, platzierter und ballte die Faust nach dem verwandelten Matchball.
Wichtiger als der Titel ist die Entwicklung
Gegen den an vier gesetzten Tom Sickenberger war er beim 3:6, 0:6 aber noch chancenlos. Noch, glaubt auch Trainer Steffen Neutert. „Alexander ist ein echter kleiner Kämpfer.“ Und der hat nun erstmals Erfahrung bei den deutschen Meisterschaften gesammelt. „Diese Erfahrung mitnehmen, daraus lernen, weitertrainieren und besser werden“, zählte Neutert das Programm für die kommenden Monate. Denn wichtiger als der Titel sei die Entwicklung des Zwölfjährigen. Das sieht auch Bundestrainer Pfannkoch so: „Einzelne Ergebnisse sind uns gar nicht so wichtig.“ Viel wichtiger sei, wie ein Spieler mit einer Niederlage umgehe. Ob er daraus Kraft und Motivation für kommende Auftritte schöpfen kann. „Gerade das ist unsere Botschaft an die Junioren in diesem Alter.“ Aus dem Blickfeld wird er Alexander Haage deshalb sicher nicht verlieren.