Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Winnweiler/Mainz: Mobotix präsentiert neue High-End-Kamera

Technikvorstand Hartmut Sprave, der Vorstandsvorsitzende Thomas Lausten und Finanzchef Klaus Kiener auf der GPC 2019 (von links)
Technikvorstand Hartmut Sprave, der Vorstandsvorsitzende Thomas Lausten und Finanzchef Klaus Kiener auf der GPC 2019 (von links). Foto: Mobotix

Als die Führungsriege von Mobotix die Bühne in der Mainzer Halle 45 betritt, warten mehr als 500 Geschäftspartner gespannt darauf, was kommt. Denn der Videosystem-Hersteller aus Winnweiler-Langmeil hat am Dienstag nicht nur zum Netzwerken eingeladen, sondern auch sein neues Flaggschiff vorgestellt.

Klatschend laufen die Mobotix-Mitarbeiter auf die Bühne der Global Partner Conference 2019 (GPC) in der Halle 45, um die Anwesenden mit „Willkommen“-Schildern in zahlreichen Sprachen zu begrüßen. Mehr als 500 Technologie- und Vertriebspartner von 380 Firmen sind aus der ganzen Welt angereist. Dieser Auftakt steht symbolisch dafür, was dem Vorstandsvorsitzenden von Mobotix, Thomas Lausten, ein großes Anliegen ist: „Es ist Zeit für eine stärkere Kooperation und Kommunikation mit unseren Partnern – weltweit.“

Das ist laut Lausten erforderlich, um die eigenen Ziele zu erreichen. „Wir wollen die Firma mit konstanten Innovationen voranbringen.“ Das gelinge nur mit Partnern, die die eigene Strategie unterstützen, um die Entwicklung zu beschleunigen. Mobotix selbst hat in den vergangenen zwei Jahren viel in neue IT- und Kommunikationssysteme, aber auch in Personal investiert, wie Finanzvorstand Klaus Kiener berichtet.

Das Technikunternehmen aus Langmeil hat ehrgeizige Ziele. Bis 2022/23 soll der Umsatz mindestens 100 Millionen Euro betragen. Und die Ebit-Marge laut Kiener von derzeit zwei auf zwölf Prozent gesteigert werden. Erste Früchte tragen die Investitionen bereits. So teilte Mobotix am Mittwoch in einer Ad-hoc-Mitteilung mit, dass der Umsatz im Geschäftsjahr 2018/19 im Vergleich zum Vorjahr um 5,3 Prozent von 66,4 auf 69,9 Millionen Euro gestiegen ist. Zudem wurde ein Ebit – Gewinn vor Zinsen und Steuern – von 2,0 Millionen Euro erzielt (Vorjahr: 1,1 Millionen Euro). Die Ebit-Marge stieg von 1,6 auf 2,8 Prozent, der Jahresüberschuss beläuft sich auf 900.000 Euro (Vorjahr: 400.000 Euro).

Ein wichtiger Baustein für das Erreichen der Ziele sollen die am Dienstag in Mainz präsentierte Kameraplattform „Mobotix 7“ und die darauf basierende High-End-Kamera M73 sein, die ab November ausgeliefert werden. „Eine solche Kamera wurde noch nie gebaut“, betont Technikvorstand Hartmut Sprave, als er das „new baby“ (neue Baby) vorstellt.

Grenzenlose Funktionsvielfalt

Zu den Kernstärken der neuen Kameraplattform, die Mobotix mit dem Technikpartner Konica Minolta entwickelt hat, zählen Internet-Sicherheit, Video-Analyse und ein offenes App-Konzept. Die Kamera ermögliche dank Künstlicher Intelligenz eine grenzenlose Funktionsvielfalt. Grundlage dafür ist ein FPGA-Chip, also ein leistungsstarker Prozessor. „Damit kann man vom Kleinwagen bis hin zur Rakete alles anbieten“, führt Sprave den Zuhörern bildlich vor Augen. So könne der FPGA durch Neuprogrammierung für einfache Anwendungen wie das Erkennen von Bewegung, aber auch für tiefgreifende Video-Analysen genutzt werden.

In diesem Zusammenhang sieht Sprave das offene App-Konzept als entscheidenden Erfolgsfaktor. Damit geht Mobotix neue Wege, „früher hatten wir ein geschlossenes System“. Im Detail bedeutet das, dass „Mobotix 7“ mittels maßgeschneiderten Apps um grenzenlose Funktionen erweiterbar ist. Einige sind zum Marktstart bereits vorinstalliert. Dazu zählt eine Anwendung, die Mobotix in Kooperation mit Any-Vision und Konica Minolta entwickelt hat. Sie ermöglicht eine Gesichtserkennung, die die Kamera selbst ausführt. Dadurch müssen keine sensible Daten an einen Server geteilt werden. Eine weitere App erkennt beispielsweise, wenn in einem Gebäude Überfüllung droht – und löst automatisch eine Umleitung weiterer Personen ein.

Darüber hinaus kann jeder mit entsprechendem Know-how Apps entwickeln. Dafür steht ein Softwareentwicklungskit (SDK) zum Download bereit. „Damit wächst das Angebot mit den Kundenbedürfnissen“, erläuterte Sprave. Eine Rolle spielten hierbei auch sogenannte Custom-Apps, sprich benutzerorientierte Anwendungen. „In den USA gibt es die bekannten Briefkästen mit der roten Fahne. Hier kann es für den Nutzer interessant sein, automatisch eine E-Mail zu erhalten, wenn die Fahne nach oben geht und neue Post da ist“, erläutert Sprave ein Beispiel. Mit branchenüblichen App-Preisen zwischen 300 und 1000 Euro sieht er durchaus Umsatzpotenzial. Schließlich möchte Mobotix unabhängiger von Hardwareverkäufen werden.

Höchste Datensicherheit

Wie Sprave betont, werden im App-Store nur geprüfte und zertifizierte Apps angeboten. „Damit garantieren wir Datenschutz und Cyber-Sicherheit.“ Das sind sodann auch die passenden Stichworte für eine weitere zentrale Stärke der neuen Plattform. „Bei bisherigen Kameramodellen wurden die Daten zur Analyse an einen Server geschickt“, erklärt Sprave. Dort könnten die Daten jedoch gehackt werden. „Nun laufen alle Berechnungen direkt in der Kamera ab.“ Diese teile am Ende nur eine Art Fingerabdruck, der schließlich die entsprechende Aktion einleitet. Soll die Kamera beispielsweise mittels Gesichtserkennung eine Tür öffnen lassen, analysiert sie das Gesicht, schickt einen verschlüsselten Code an den Server, der wiederum den Vorgang bestätigt oder ablehnt.

Mit der neuen Errungenschaft sieht Sprave auch alte Versäumnisse ad acta gelegt. „Wir waren in den vergangenen Jahren in Sachen Technologie etwas abgeschlagen. Das ist jetzt vorbei.“ Mit „Mobotix 7“ hätten sie einen „Computer mit Augen“ geschaffen, der fit für die Zukunft sei. „Unsere Aufgabe ist jetzt, die Partner zu schulen, ihnen die neuen Möglichkeiten aufzuzeigen und die Technik sowie den Kundenbedarf zu vereinen.“

Das Feuer in Notre Dame

Welche Funktionen letztlich genutzt werden, hängt laut Finanzchef Kiener stark von den regionalen Märkten ab. Im Industriestaat Deutschland gebe es einen großen Bedarf an Produktionsüberwachung und der Mittlere Osten interessiere sich für die Analyse des Einkaufverhaltens. „In den USA ist das Interesse an der Uni- und Schulüberwachung mit Blick auf Amokläufe groß“, ergänzt Sprave. Eingesetzt werden könnte die Technik auch in Notre Dame, blickt Kiener auf die im April zerstörte Pariser Kathedrale. „Mit Hilfe der Kamera hätte man einen Schwelbrand erkennen und das Feuer verhindern oder zumindest die Schäden eindämmen können.“

Von einem Teil der Einsatzmöglichkeiten konnten sich die Besucher der GPC am zweiten Konferenztag live ein Bild machen. Wohin die Reise für sie, aber auch für Mobotix geht, wird sich zeigen. „Es geht natürlich immer auch um big data, big value and big money (große Datenmengen, großer Wert, großes Geld)“, gibt Kiener zu.

Die neue M73.
Die neue M73. Foto: Mobotix
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