Donnersbergkreis Winnweiler: Gespräche mit Interessenten für Bahnhofsgebäude
Das Modernisierungsgutachten für das Bahnhofsgebäude in Winnweiler liegt zwar noch nicht vor. Ein Vorabergebnis gibt es aber: Während das weiße Gebäude als sanierungswürdig erachtet wird, wird empfohlen, den gelben Anbau abzureißen. Die Frage ist aber, was mit dem Gebäude künftig passiert?
Genau darüber will sich Rudolf Jacob mit dem Ortsgemeinderat unterhalten. Diesem soll auch das Gutachten vorgestellt werden. „Wir sind mit verschiedenen Interessenten im Gespräch“, sagt der Ortschef. Derzeit zeichne sich eine langfristige Vermietung der Räumlichkeiten im Bereich freie Trägerschaft ab. Die Ortsgemeinde hatte Anfang 2018 das Gebäude von einem Privateigentümer erworben.
Vermieten oder Verkaufen?
Bereits zu dieser Zeit gab es Interesse von einem freien Träger sich einzumieten und darin eine Tagespflege für Senioren sowie Angebote der Jugend- und Familienhilfe unterzubringen. Das bestehe auch weiterhin, wie der Ortschef der RHEINPFALZ mitteilt. In der Zwischenzeit gebe es auch einen weiteren Interessenten. Eine Variante ist, dass die Ortsgemeinde den Schuppen abreißen lässt, das Hauptgebäude saniert und dann vermietet. Jacob kann sich vorstellen, dass die entstehenden Freiflächen gestaltet werden. Seit geraumer Zeit geschlossen sind die öffentlichen Toiletten am Bahnhof. Hier sollen neue entstehen, entweder als eigener Bau oder in dem Bahnhofsgebäude. Das wiederum hänge davon ab, wie die künftige Nutzung des Gebäudes aussehen wird. Eine Sanierung könnte im Rahmen des Förderprogramms „Stadtumbau“, in das die Ortsgemeinde aufgenommen worden ist, mit einem 75-prozentigen Zuschuss gefördert werden.
Für Jacob ist aber auch denkbar, dass das Gebäude oder Teile davon an einen Investor verkauft wird, dieser saniert und vermietet es an künftige Nutzer – als Wertanlage. „Das hängt aber davon ab, ob es hier einen privaten Interessenten gibt und wie der Ortsgemeinderat darüber entscheidet. Ich sehe es nicht als erste Aufgabe einer Gemeinde an, Immobilien zu unterhalten“, so der Bürgermeister.
Visitenkarte der Ortsgemeinde
Leerstehen jedenfalls soll das Gebäude nicht weiter auf Dauer. Zumal das Gebäude, das im Gegensatz zu dem gelben Anbau unter Denkmalschutz steht, eine Visitenkarte der Ortsgemeinde ist. Es ist nicht nur von der Bahn, sondern auch von der Bundesstraße aus sichtbar.
1870/71 wurde die Alsenzbahn zwischen Hochspeyer und Bad Münster am Stein in Betrieb genommen. Bei der Eröffnung des ersten Teilstücks im Oktober 1870 war der Bahnhof in Winnweiler wohl komplett oder zumindest weitgehend fertiggestellt. Er bestand, wie in Kurzhinweisen zum Bau der Alsenzbahn von Werner Rasche zu lesen ist, aus einem zweigeschossigen Kopfbau als Empfangsgebäude und einem ebenfalls zweistöckigen Längsbau für die Güterabfertigung. Im Erdgeschoss des Hauptgebäudes befanden sich der Wartesaal mit Schaltern für die Fahrkarten und Gepäckaufgabe sowie Diensträume. Im Ober- sowie im schrägen Dachgeschoss waren ebenso wie im oberen Stockwerk der Güterabfertigung Wohnungen für Bedienstete untergebracht. 1987 wurden die Schalter im Bahnhofsgebäude geschlossen, dieses bald in private Hände verkauft.