Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Winnweiler: Ein Minihubschrauber, der ein Schmetterling ist

Wir öfter mit einem Kolibri verwechselt: das Taubenschwänzchen.
Wir öfter mit einem Kolibri verwechselt: das Taubenschwänzchen. Foto: dell

Es wandert über Sommer aus Italien bei uns ein, vermehrt sich, hat aber wenig Chancen, den Winter bei uns zu überleben. Es ist ein sehr ausdauernder Wanderfalter, wird aber häufig gar nicht als Schmetterling erkannt. In diesem schönen Sommer kommt es bei uns häufiger vor als in der Vergangenheit. Die Rede ist vom Taubenschwänzchen.

107 Mal wurde das Taubenschwänzchen in diesem Sommer bereits im Winnweilerer Neubaugebiet gezählt. Oft ist der Falter an Blumen zu beobachten, steht im Schwirrflug vor einer Blüte und steckt seinen langen Rüssel hinein. Augenzeugen wundern sich dann schon mal und fragen: „Gibt es denn Kolibris bei uns?“ Staunend erfahren sie dann, dass es sich bei diesem „Mini-Hubschrauber“ um einen Schmetterling handelt.

Dessen Vorderflügel sind unscheinbar braun gefärbt, während die Hinterflügel gelb-orange leuchten. Mit etwa fünf Zentimetern Spannweite ist der unruhige Nektarsauger ein mittelgroßer Falter. Sein gedrungener Hinterleib ist an den Seiten schwarz-weiß gezeichnet, sieht durch die verlängerten Schuppen aus wie ein Schwanz. Damit kann er beim Schwirren vor den Blüten ausgezeichnet steuern.

80 Flügelschläge pro Sekunde

Dieser Kolibri-Schwirrflug mit 80 Flügelschlägen pro Sekunde verbraucht viel Energie. Deshalb flitzt das Taubenschwänzchen schnell und wendig zwischen den Blüten hin und her – bis zu 1500 von ihnen besucht es am Tag. Dabei gönnt es sich keine Pause, weder in der Mittagshitze, noch bei Regen.

Mit seinem drei Zentimeter langen Rüssel kann der Falter aus tiefen, trichterförmigen Blüten Nektar saugen. Mit seiner enormen Flugfähigkeit erreicht der nur wenige Gramm schwere Winzling auf seinen Wanderflügen eine Geschwindigkeit von bis zu 50 Stundenkilometern. Noch faszinierender ist seine Ausdauer als Langstreckenflieger: So ist er schon in Nordschweden gesichtet worden – rund 3000 Kilometer vom heimischen Mittelmeer entfernt.

Für einen Nachtschwärmer ziemlich aus der Art geschlagen

Der ungewöhnliche Schmetterling gehört zur Familie der Schwärmer, ist also ein Nachtfalter. Er ist aber auch in dieser Hinsicht aus der Art geschlagen und schwärmt lieber bei Sonnenschein. Zwischen Mai und Juli schwirrt das Taubenschwänzchen in Süddeutschland ein und sorgt sogleich für Nachkommen. Die Raupen fressen an Labkraut und verpuppen sich unter Laubstreu in einem Kokon am Boden.

Die geschlüpften Falter sind bei uns von Juni bis Oktober unterwegs. Im Herbst fliegen sie dann nach Italien, obwohl sie dieses Land gar nicht kennen. Doch in unseren Breitengraden haben sie eigentlich nur wenig Chancen, einen „normalen“ Winter zu überleben. In den vergangenen Jahren ist es einzelnen Exemplaren aber tatsächlich gelungen. So hat ein Schmetterlingsfreund der Nabu-Kreisgruppe Donnersberg beispielsweise am 31. März drei Taubenschwänzchen unter dem Hochsteiner Kreuz gesehen. Sie saugten an den Blüten des Lerchensporns.

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