Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Winnweiler: Die ASV-Mädels fiebern mit Nationalstürmerin Lea Schüller

Das Trikot von Lea Schüller und das Bild des Treffens in Frankfurt hat einen Ehrenplatz in der Winnweilerer Kabine bekommen.
Das Trikot von Lea Schüller und das Bild des Treffens in Frankfurt hat einen Ehrenplatz in der Winnweilerer Kabine bekommen.

Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft hat eine neue Begeisterungswelle ausgelöst. Mittendrin Lea Schüller, Stürmerin des FC Bayern München. Und die hat eine ganz besondere Verbindung zu den Mädels des ASV Winnweiler.

Lea Schüllers Spielerpass liegt leider noch nicht beim ASV. Dabei haben es Melanie Geißler und ihre Mitspielerinnen redlich versucht, die Nationalspielerin vom deutschen Vizemeister FC Bayern München loszueisen. Scherzhaft versteht sich. „Wir waren vergangenes Jahr im September in Elversberg. Dort spielte eine unserer Freundinnen und sie hatten damals das Pokalspiel gegen Bayern München. Wir waren eigentlich dort, um unsere Bekannte anzufeuern“, berichtet ASV-Spielerin Melanie Geißler. Die Partie gewannen die Münchnerinnen mit 6:0, nach dem Spiel machten die Mädels „Fan-Fotos“ mit ihrer Freundin Kathrin Weiß. Da lief Lea Schüller in der Nähe vorbei: „Wir haben sie gerufen, um auch mit ihr ein Bild zu machen.“ Und es wurde geplaudert, gescherzt: „Ich habe dann zu ihr gesagt, den Passantrag haben wir auch schon dabei, sollte sie nach Winnweiler wechseln wollen“, berichtet Geißler. Und Schüller machte die Späße mit, frotzelte mit den ASV-Spielerinnen.

Der Kontakt blieb über Instagram bestehen, weil Geißler und Co. immer wieder in ihren Beiträgen darauf anspielten: „Wir haben zum Beispiel ein Bild kurz nach dem Treffen mit dem Satz kommentiert, ,Erstes Training ohne Lea Schüller’“, die reagierte, „machte alle Späße mit, hat uns geschrieben, ,beim nächsten Training bin ich dabei’“. Natürlich blieb die heute 24-Jährige in München, doch die Winnweilerer Mädels blieben hartnäckig. Als Schüller mit ihrer Mannschaft in Frankfurt gefordert war, machte sich ein kleiner ASV-Tross auf den Weg ins Stadion, nicht ohne der Torjägerin vorher Bescheid zu geben.

Wiedersehen in Frankfurt

„Und sie hat uns ein kurzes Treffen nach dem Spiel versprochen. Obwohl es für sie nicht gut lief und sie verloren hatte, kam sie aber zu uns und hat sich viel Zeit genommen“, erzählt Geißler. Die 29-Jährige ist beeindruckt davon, wie „sympathisch und bodenständig Lea ist“. Die ASV Mädels überreichten ihr ein selbst gedrucktes Einlaufshirt – nur der erwünschte Trikottausch blieb aus, weil Schüller ihr Bayern-Trikot nicht herausgeben durfte. „Wir waren schon auf dem Weg aus dem Stadion, da hat sie uns eine Nachricht geschrieben, dass sie gerade noch ein Nationalmannschaftstrikot in ihrer Tasche gefunden hat, das sie uns geben kann“, berichtet Geißler, die selbst im Mittelfeld, gerne auf dem Flügel als Rechtsaußen, zum Einsatz kommt. Und so fand das Shirt mit dem Adler auf der Brust, „natürlich signiert“, den Weg nach Winnweiler. Dort hängt es zusammen mit einem Foto von der Begegnung in einem Rahmen in der Kabine. „Wir haben bis heute noch losen Kontakt, wünschen ihr immer wieder mal alles Gute und viel Erfolg“. So zum Beispiel auch vor dem Halbfinale gegen Frankreich. Es hat gewirkt – auch wenn Schüller selbst nicht zum Einsatz kam.

Ein Tor hat sie bei dieser Europameisterschaft erzielt. Die Stürmerin traf gleich im ersten Spiel der Frauen gegen Dänemark zum zwischenzeitlichen 2:0. Doch für die darauffolgende Partie, das Gruppenspiel gegen Spanien, fiel sie coronapositiv getestet aus, seitdem gab es keinen Einsatz mehr für die 24-Jährige. „Wir fiebern da natürlich mit und drücken der ganzen deutschen Mannschaft die Daumen, dass sie am Sonntag gewinnen. Und wir wollen, dass es wieder schüllert“, sagt Geißler. Sie schätzt an der Stürmerin vor allem auch den Teamgeist, den diese immer wieder zum Ausdruck bringt. „Sie nimmt sich selbst nicht so wichtig.“ Der Teamgeist ist auch beim ASV eine der Haupttugenden.

Zusammenhalt und Teamgeist

„Wir haben einen tollen Zusammenhalt, ein tolles Team, unsere Vorbereitung läuft auch richtig gut seit einer Woche und die Stimmung ist klasse“, berichtet Geißler. Sie hofft, dass die erfolgreiche Europameisterschaft auch generell das Interesse für den Frauenfußball steigern kann. „Wir verfolgen natürlich den Frauenfußball, weil wir es auch wichtig finden, dass er unterstützt wird und es schade ist, dass er immer noch von vielen so abgetan wird. Man hat auch im Amateurfußball 2011 nach der WM in Deutschland gemerkt, dass viele Mädchen und Frauen Interesse hatten. Das hat dann aber wieder etwas nachgelassen.“ Vielleicht, so hofft Geißler, bleiben dieses Mal noch mehr Mädels hängen – auch der ASV sei jederzeit auf der Suche nach interessierten Kickerinnen.

Für die ASV-Spielerinnen steht nun erst einmal ein gemeinsamer Fernsehabend auf dem Terminplan. Nach einer Trainingseinheit am Sonntag werden sie sich alle im Sportheim versammeln und das EM-Finale Deutschland gegen Gastgeber England im ehrwürdigen Wembley-Stadion anschauen. Dass es dabei nur einen Sieger geben kann, steht für Geißler außer Frage: „Natürlich Deutschland.“ Und wer weiß, vielleicht gibt es dann demnächst auch ein Wiedersehen mit einer echten Europameisterin.

Ein Jersey mit einer besonderen Geschichte: Lea Schüller
Ein Jersey mit einer besonderen Geschichte: Lea Schüller
Wegen Kathrin Weiß (links) reisten Melanie Geißler (Zweite von rechts) und die Winnweilerer Mädels nach Elversberg.
Wegen Kathrin Weiß (links) reisten Melanie Geißler (Zweite von rechts) und die Winnweilerer Mädels nach Elversberg.
Hatte bei der EM schon Grund zu jubeln: Lea Schüller.
Hatte bei der EM schon Grund zu jubeln: Lea Schüller.
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