Donnersbergkreis
Winnweiler: Der Geschäftsführer der Spedition Schnug schätzt die Pfalz. – Ein Firmenportrait
Die Lastwagen der Spedition Schnug sind ein gewohntes Bild auf den Straßen rund um Winnweiler. Das Unternehmen, das verschiedene Branchen beliefert, hat in der Pfalz nur diesen einen Standort. Der Hauptsitz ist in Solingen. Geschäftsführer Norbert Leven weiß um die Wichtigkeit der Niederlassung in Winnweiler und sieht Parallelen zwischen den Menschen hier und denen im Bergischen Land.
Von den 300 Mitarbeitern, welche die Spedition Schnug insgesamt beschäftigt, arbeiten 13 in Winnweiler. Drei Fahrzeuge sind dort fest stationiert. Über 100 Fahrzeuge verfügt die Spedition insgesamt. „Das hier ist sozusagen unser Konsolidierungspunkt für die Pfalz“, sagt Norbert Leven beim Besuch der RHEINPFALZ in der Spedition. Den Standort gibt es seit nunmehr 20 Jahren, und er sei aus einer logistischen Überlegung heraus entstanden: „Das Material kommt in großen Mengen hier an und wird dann in kleinen Mengen weitergereicht, sozusagen mundgerecht aufbereitet“, erklärt er. Die Kunden bekämen das, was sie gerade bräuchten.
Die Ware komme aus ganz Europa nach Winnweiler. Von dort werde dann zum Beispiel ein Automobilzulieferer in Rockenhausen und Kaiserslautern bedient. „Doch wir liefern von hier aus beispielsweise auch Verschlusskappen von Zahnpastatuben nach Weiterstadt in Hessen“, veranschaulicht der Schnug-Chef. „Der Standort hat uns einfach eine größere Flexibilität ermöglicht.“ Und die unmittelbar angrenzende Autobahn 63, deren letztes Teilstück zwischen Sembach und dem Dreieck Kaiserslautern 2004 fertiggestellt wurde, habe sich als geschäftsbringend erwiesen. Etwa zweimal im Monat ist Leven selbst vor Ort in Winnweiler.
Viele Raketen, viele Azubis
Am Pfälzer Standort der Spedition gibt es eine große Lagerhalle mit einer Aufnahmekapazität von 4500 Paletten. Nebenan befindet sich ein Gefahrgutlager. Dort lagern derzeit Feuerwerkskörper für Silvester, die an Märkte in der Region ausgeliefert werden. „Am 1. Dezember hat die Auslieferung begonnen“, erklärt Leven.
In der Firma gibt es aktuell zwölf Auszubildende. Schnug bildet allerdings nicht nur Fahrer aus, sondern auch Lageristen, Kfz-Schlosser und Speditionskaufleute. Auch Plätze für Duale Studiengänge werden angeboten. „Ein mittelständischer Speditionsbetrieb wie wir muss auch jungen Leuten eine Perspektive bieten können“, ist sich Leven sicher.
Ein Fahrer sitzt nicht bloß hinterm Lenkrad
Ursprünglich nur als strategischer Punkt für den Transport gedacht, werden in Winnweiler heute eine ganze Reihe weiterer Aufgaben abgewickelt: Umverpacken von größeren in kleinere Einheiten, etikettieren, Kontrollen oder Ergänzungen, die am Produkt vorgenommen werden müssen. „Damit übergibt man natürlich auch eine gewisse Verantwortlichkeit an den Mitarbeiter“, macht Leven deutlich. „Aus dem reinen Fahrer wird dann der logistische Mitarbeiter mit Fachkenntnissen. Das Berufsbild ändert sich.“ Eine typische Aufgabe, die die Fahrer mit erledigten, sei die Buchung der Paletten. Nach Levens Auffassung ist es wichtig, dass ein Speditionsunternehmen ein umfangreiches Sortiment an Aufgabenstellungen erfüllen kann. Deswegen investiere die Firma auch einiges in Schulungen für ihre Mitarbeiter.
„Jeder Lkw ist anders“
Nicht selten seien die Lkw-Fahrer mit ihren Fahrzeugen mehrere Tage in Europa unterwegs. „Der Beruf ist insbesondere wegen der Arbeitszeiten nur schwer mit unseren gesellschaftlichen Vorstellungen vereinbar“, weiß der Geschäftsführer. Auf die Anerkennung des Lastwagenfahrers und seines Gefährts im Straßenverkehr kommt er auch zu sprechen: „Die Leute denken sich ja oft: ,Boah, wieder so ein nerviger Lkw da auf der Autobahn direkt vor mir.’“ Doch die Menschen in diesen Lkw erledigten eben auch nur ihre Arbeit. „Wer außerdem mal einen genauen Blick auf die Fahrzeuge wirft, die da draußen unterwegs sind, der wird feststellen, dass jeder Lkw anders ist“, betont Leven. Das individuell auf den Kunden zugeschnitte Transportwesen spiegele sich auch im jeweiligen Vehikel wider.
Viel logistisches Planungsgeschick
Die Spedition Schnug bedient unterschiedliche Branchen, hat unter anderem Automobil-, Chemie- und Konsumgüterkunden in ihrem Portfolio. Es erfordere jeden Tag viel logistisches Planungsgeschick, die einzelnen Sendungen aufeinander abzustimmen: „Wenn ich an einem Tag einen Transport von hier nach Stuttgart durchführen möchte und dann noch einen weiteren nach Ulm, kann ich wahrscheinlich nicht noch eine dritte Sendung nach München abwickeln.“ Das sei zum einen schlecht für die Arbeitszeit des Fahrers, zum anderen für die Rendite. „Und der Kunde hat zur Ankunftszeit womöglich schon geschlossen“, ergänzt Leven. „Dann steht der Fahrer da mit seiner Lieferung.“
Bei Sendungen, die in den täglichen Ablaufmechanismus nicht hineinpassen, müsse man stets schauen, wie man sie trotzdem bewerkstelligen kann. „Eine Lösung ist da zum Beispiel der Systemverkehr.“ Konkret nennt Leven den Verbund „E.L.V.I.S.“, zu dem ein Umschlagplatz in der Nähe von Kassel gehört. Leven selbst ist Gründungsmitglied dieser Speditionskooperation, in der mehrere Unternehmen ihre Transporte gemeinsam organisieren. „Es fahren täglich 200 Lastwagen zu diesem Umschlagplatz und auch 200 wieder weg“, erläutert er. „Die Sendungen werden an diesem Ort neu aufgeteilt, sodass sie ihren Bestimmungsort doch noch erreichen können.“
Daten müssen absolut korrekt sein
In den vergangenen Jahren musste im Betrieb viel getan werden, um dem digitalen Zeitalter gerecht zu werden. „Einst gab es noch die Kanban-Karten“, blickt Leven zurück. Die Kanban-Methode dient der Produktionsorganisation: Jede Organisationseinheit soll genau so viel produzieren, wie zu einem bestimmten Zeitpunkt tatsächlich gebraucht wird. „Heute sind natürlich alle Aufträge digital und werden direkt ins Fahrzeug gescannt“, fährt der Fachmann fort. Die Datensätze müssten immer korrekt sein, die Prozesse alle ineinander greifen, verdeutlicht er: „Wenn irgendwo ein falsches Etikett auf einer Palette klebt, kann das schon zu einem Datensalat führen.“
Analogien zwischen Pfalz und Bergischem Land
Im Gespräch mit der RHEINPFALZ lässt der Geschäftsführer verlauten, dass eine Generationennachfolge in seiner Firma gewährleistet sei. Schnug hat weitere Standorte in Köln, Dormagen und im polnischen Świebodzin. Im Charakter der Region um seinen Standort in Winnweiler erkennt Leven viele Parallelen zum Bergischen Land: „Die Leute gehen auf Volksfeste und wirken beim Feuerwehrverein mit. Das ist wie zu Hause.“