Donnersbergkreis Wilma packt präzise zu
In einer blitzsauberen Neubau-Halle im Sembacher Gewerbepark werden vom Papierrollenhalter bis zu kompletten Operations-Waschtischen Edelstahlprodukte aller Art hergestellt. Firmengründerin Sabine Dreilich und Geschäftsführer Benjamin Dreilich beschäftigen 18 Mitarbeiter und zwei Auszubildende. Das Team bewältigt die Auftragsflut auf 1250 Quadratmetern Produktions- und Lagerfläche sowie 200 Quadratmetern Büro- und Sozialräumen.
Wilma arbeitet sehr präzise. Das ihr vorgelegte Stahlblech-Quadrat zieht sie in einer kurzen Bewegung zu sich heran. Mit einem metallisch harten Schlag wird über die gesamte Seite ganz eng vor dem Rand eine eckige Kerbe eingeprägt. Mit einer kaum wahrnehmbaren Bewegung zieht Wilma die Stahlplatte weiter zu sich heran. Ein leises metallisches Surren begleitet das blitzschnelle Auffalten entlang der Prägekerbe, bis das Endstück der Platte in einem spitzen Winkel zur Ruhe kommt. Die stählerne Kollegin namens Wilma beendet die Bearbeitung des Werkstücks, indem sie wie auf einem Tablett die gekantete Platte dem vor ihr sitzenden Mitarbeiter präsentiert. Der nimmt sie ihr ab und ergänzt den Stapel neben sich, auf dem sich bereits Dutzende dieser hochpräzise bearbeiteten Stahlplatten angesammelt haben. „Bei uns haben alle diese Maschinen einen Namen“, sagt Sabine Dreilich, die Gründerin des Unternehmens, „da weiß jeder unserer Mitarbeiter sofort, welcher Arbeitsplatz gemeint ist.“ Wilma ist ein digital gesteuerter Automat, ein Metallkubus von einigen Metern Kantenlänge. An einem Monitor kann der jeweilige Mitarbeiter beobachten, ob der Arbeitsablauf nach Plan abgewickelt wird. Im Anschluss an eine Programmierung bearbeitet „sie“ Werkstücke aller Art mit einer gleichbleibenden Präzision, wie sie von Menschenhand kaum möglich ist. „Edelstahl ist ein toller Werkstoff, aus dem man praktisch alles herstellen kann“, schwärmt die Firmengründerin zur Begrüßung einer Gästedelegation aus der Kommunalpolitik unter Führung von Landrat Ralf Leßmeister (CDU). In allen seinen Facetten kennengelernt habe die aus Berlin stammende Geschäftsfrau das Material in Werkstätten in Südafrika und in Kalifornien. „Die Edelstahlbearbeitung ist mein Baby“, meint sie augenzwinkernd und betont: „Mit dem Handel wollte ich mich nie beschäftigen, mein Ziel war immer eine eigene Marke.“ Im Jahr 1994 gelang der ausgebildeten Bürokauffrau Dreilich die Gründung des eigenen Unternehmens. Begonnen habe die Produktion in einer Garage mit einer Maschine, die das schonende Biegen von Edelstahl-Stäben ermöglicht habe, erinnert sich die Firmengründerin. Im Oktober 2013 habe sie die Firma an ihren Sohn Benjamin übergeben. Sie sei aber weiterhin im Betrieb tätig. Herr Dreilich, so nennt sie ihren Sohn konsequent, wenn Mitarbeiter oder Fremde zugegen sind, bringe die konstruktiven Fähigkeiten in die Firma ein. „Bei der Firma Gienanth in Eisenberg habe ich eine gründliche Ausbildung als Modellbauer erfahren dürfen“, erzählt der Geschäftsführer. „Von dieser soliden Schulung profitiere ich bei meiner jetzigen Tätigkeit ganz außerordentlich“, betont der Firmenchef. Außerdem habe er noch zusätzlich die Meisterprüfung als Metallbauer abgelegt. „Am alten Standort der Firma in Alzey haben wir auf 500 Quadratmetern Fläche nur noch ,Tetris gespielt’, wenn es um die Aufteilung der Räume ging.“ Es sei zu eng gewesen, und die Laufwege hätten auch kaum mehr gepasst, erklärt Sabine Dreilich den Entschluss, im Sembacher Gewerbepark eine eigene Halle zu bauen. Dabei lobt sie ausdrücklich die optimalen Bedingungen in Sembach: den Grundstückspreis, die Anbindung an die Breitbandversorgung, die Unterstützung durch die Kommunalpolitik sowie durch die Wirtschaftsförderung Kaiserslautern. „Wegen der guten Auftragslage haben wir auch noch das Nachbargrundstück zugekauft“, ergänzt der Geschäftsführer. Mit der Erweiterung sei man gerüstet für das zukünftige Wachstum der Firma. Leßmeister zeigt sich beeindruckt vom Unternehmen. Dass die Dreilichs mit der Breitbandversorgung zufrieden sind, freut den Landrat. Das sei ja auch ein bedeutender Faktor für die Standortentscheidung gewesen. „Außerdem ist die Konversion des ehemaligen Militärgeländes so gut gelaufen, wie sich das die Gründer gedacht haben“, betont der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn, Andreas Alter (SPD). Neben Wilma gibt es noch weitere Beispiele für den digitalisierten Produktionsablauf in der Firma. „Das zeigt, dass auch kleinere mittelständische Unternehmen nach dem Muster von Industrie 4.0 in der Konkurrenz durchaus Erfolg haben können“, erläutert Geschäftsführer Dreilich während des Rundgangs durch die moderne Produktionshalle. Ein Beispiel sei der eine halbe Million Euro teure, stählerne Klotz namens Diva, mit dessen Lasertechnik große Stahlblechplatten computergesteuert mit äußerst geringer Fertigungstoleranz zugeschnitten werden könnten, ergänzt die Firmengründerin. Dabei zeigt sie auf eine meterlange stählerne Waschtischanlage für einen Operationssaal, die in der Nähe der Diva gelagert ist. Außerdem sei dieser Tisch ein Beispiel dafür, dass die computergesteuerte Produktion auch immer wieder durch Handarbeit ergänzt werden müsse, so Dreilich. Von Hand müsse dem Waschtisch-Boden des Stahlbeckens nämlich ein Gefälle eingearbeitet werden. Diva sei diese Maschine deshalb getauft worden, weil sie extrem darauf angewiesen sei, ausschließlich mit einer ganz bestimmten Betriebstemperatur zu arbeiten.