Donnersbergkreis Wie zur Weltmeisterschaft?
Tatsächlich entpuppte sich die Planung zu einem großen Projekt, das es in knapp sieben Wochen zu bewältigen galt. „Vor allem die Finanzierung der Reise wird spannend werden“, hatte Mathe- und Physiklehrer Heiko Baumann, der zusammen mit Markus Jehl die Robotik AG leitet, bereits kurz nach dem Sieg der Deutschen Meisterschaft geahnt. Allein die Startgebühr, um in der Gaststadt Louisville überhaupt beim Wettbewerb antreten zu dürfen, beträgt laut Baumann 1000 Dollar (etwa 900 Euro) pro Team. Unterkunft, Transport und Verpflegung sind da für die sieben Schüler und fünf Betreuer, für die das Abenteuer an Ostermontag beginnt, noch lange nicht einbegriffen. Suche nach Unterkunft Um den Schülern nach ihren bisherigen Erfolgen nun auch die finale Etappe um den WM-Titel zu ermöglichen, suchte die AG aktiv nach Sponsoren. Die Firmen Rema aus Rockenhausen, Leipold aus Kirchheimbolanden und Creative Chips aus Bingen, der Schulförderverein sowie das Bildungsministerium sicherten für die insgesamt 20.000 Euro teure Reise ihre Unterstützung zu. Fast die Hälfte des Budgets verschlingen dabei die Flüge. „Weil wir erst so kurzfristig buchen konnten, ist die Anreise natürlich nicht ganz so günstig. Außerdem gab es weder Direktflüge nach Louisville noch im Anschlussflieger genug freie Plätze für alle. Das heißt, wir müssen uns auf zwei verschiedene Flüge verteilen“, berichtet Baumann trotz allem gelassen. Auch die Suche nach einer Unterkunft für den knapp einwöchigen Aufenthalt stellte die AG-Leitung vor eine kleine Herausforderung. „Der Veranstalter hat zwar extra Hotelzimmer für das Event reserviert. Allerdings sind die Zimmer wettbewerbsgebunden. Da wir mit zwei Altersgruppen antreten, die nicht an denselben Tagen spielen, hätte das nicht funktioniert“, sagt Baumann. Stattdessen hat sich die Gruppe nun in ein Ferienhaus einquartiert. „Zusätzlich haben wir noch einen Bus gemietet. Dann können wir einkaufen und uns selbst versorgen. Im Haus gibt es übrigens auch einen Gasgrill“, freut sich der Lehrer zusammen mit seinen Schützlingen auf ein typisch amerikanisches Barbecue nach den anstrengenden Wettkampftagen. Geschenke für Gegner Während sich die Lehrer um die Visa-Anträge kümmerten, die unzählige Daten über die Reisenden erfordern, musste außerdem noch der finale Entwurf für die Teamshirts abgesegnet und ein Gastgeschenk für die rund 1100 Gegnermannschaften aus aller Welt gefunden werden. „Erst wollten wir noch eine Elwetritsche mit unseren 3D-Druckern für die anderen drucken. Aber wir können aktuell noch nicht mehrfarbig drucken“, so Baumann. Deswegen bleibt es wohl eher bei Schlüsselbändern und Buttons. Doch nicht nur die Anreise der Teammitglieder ist aufwendig, auch die vier Roboter müssen mit. Jedoch kann die 60 Kilogramm schwere Ausrüstung nicht einfach im Koffer in die USA eingeführt, sondern muss beim Zoll angemeldet werden. Hilfe erhält die AG dabei von der Industrie- und Handelskammer Kaiserslautern. Verbesserungen am Roboter Damit die Gruppe keine Zollgebühren bei der Einreise zahlen muss, bürgt sie sogar dafür, dass nach dem Wettkampf jedes importierte Teil auch wieder mit nach Deutschland genommen wird. „Dafür muss jedes Teil fotografiert und mit seinem Preis angegeben werden. Dann werden die Roboter teilweise auseinandergenommen in Aluminiumboxen verpackt und versiegelt“, zählt Baumann die einzelnen Schritte des Einfuhrverfahrens auf. Doch bevor die Roboter für die große Reise endgültig verstaut werden müssen, nutzen die Schüler jede sich bietende Gelegenheit, um noch einige Verbesserungen an ihren Modellen vorzunehmen. Immer wieder werden die Roboter auseinandergenommen, um beispielsweise stabilisierende Winkel einzusetzen. Diese sollen in der Wettbewerbssituation dafür sorgen, dass die Punkte bringenden Spielelemente noch sicherer auf den Greifarmen liegen. Dafür opfern die Schüler gerne ihre Freizeit. Zuerst in den Baumarkt Denn eigentlich waren die Jüngeren gerade in einem Schulpraktikum und die Abiturienten haben offiziell bereits Ende März die Schule verlassen. Um in der verbleibenden Zeit auch zu Hause üben zu können, durften die „Rocky Juniors“ sogar ein Spielfeld mit nach Hause nehmen. „Für die Vorbereitung muss im Wohnzimmer dann schon mal das Sofa weichen“, schmunzelt Baumann. Ihre Chancen einzuschätzen wagen die Teams allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht. In einem sind sich aber alle gleichermaßen einig: Drüben angekommen, geht’s erst einmal in den Baumarkt – amerikanische Inbusschlüssel kaufen. Heiko Baumann weiß auch warum: „Wir müssen die Roboter für den Wettbewerb ja wieder zusammenbauen. Da die Bausätze aus den USA stammen, passt unser deutsches Werkzeug mit dem metrischen System nicht ganz so gut.“