Rockenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Wie Ante Turalija aus Bosnien zur Bundespolizei kam

Ante Turalija macht ab 1. September eine Ausbildung bei der Bundespolizei.
Ante Turalija macht ab 1. September eine Ausbildung bei der Bundespolizei.

Vor fünf Jahren kam Ante Turalija von Bosnien-Herzegowina nach Deutschland. Nun hat er an der Realschule plus in Rockenhausen seinen Abschluss gemacht und fängt eine Ausbildung bei der Bundespolizei an. Dabei wollte er zuerst gar nicht in Deutschland sein, weigerte sich sogar, die Sprache zu lernen.

Einen sehr ruhigen und besonnenen Eindruck macht Ante Turalija. In einem Monat beginnt er seine Ausbildung bei der deutschen Bundespolizei. Diesen Beruf hatte er lange nicht auf dem Schirm, aber in den vergangenen Jahren ist in ihm dieser Entschluss gereift. Denn er möchte dem deutschen Staat, in dem er seit fünf Jahren wohnt, gerne etwas zurückgeben. Seine Anfänge in der neuen Heimat sahen allerdings noch ganz anders aus.

Eines Tages kurz vor den Ferien kam Ante, der damals 13 Jahre alt war, nach Hause und seine Mutter eröffnete ihm, dass die ganze Familie vier Tage später nach Deutschland fliegen und dort bleiben wird. Der Vater hatte dort Arbeit und eine Wohnung gefunden. Denn: „In Bosnien kann man nicht wirklich leben, nur überleben“, berichtet er von seinem Heimatland. Sein Vater sei zum Arbeiten in vielen verschiedenen Ländern unterwegs gewesen, um die Familie zu ernähren. Seine Mutter hat auch gearbeitet, war zudem zu diesem Zeitpunkt mit Antes Schwester schwanger. Deswegen musste er auch viel mithelfen, was dem Teenager natürlich nicht gefiel. Trotzdem wollte er seine Heimat in Bosnien nicht verlassen. Aber an dem Entschluss seiner Eltern konnte er nichts mehr ändern. Und so kam Ante Turalija 2018 nach Rockenhausen.

„Froh, in Deutschland zu sein“

Der Abschied zuvor von seinen Freunden war hart. Auch seine Fußballmannschaft, mit der er in der Regionalliga spielte, musste Turalija zurücklassen. „Ich fand das alles nicht so toll, aber es ging nicht anders“, sagt er. Vor allem die Frage, ob er neue Freunde finden würde, trieb ihn um. Und das war zunächst nicht einfach für ihn – auch weil Ante Turalija beschlossen hatte, die neue Sprache nicht zu lernen. „Ich wollte kein Deutsch reden, weil ich zurück nach Bosnien wollte. Ich dachte, wenn meine Eltern sehen, dass ich das nicht will, gehen wir wieder.“ Als er dann gesagt bekam, dass „wir sicher nicht zurückgehen“, änderte Ante seine Einstellung. Er fand neue Freunde und fing auch wieder mit Fußballspielen an.

Rückblickend sagt er, dass es ein Vorteil gewesen sei, niemanden gehabt zu haben, mit dem er Kroatisch sprechen konnte – denn so habe er schneller Deutsch gelernt. „Ich will jetzt auch gar nicht mehr zurück, außer wenn ich im Lotto gewinne“, erklärt Ante. Im Urlaub könne man das Leben dort genießen, aber zum Wohnen, Leben, Arbeiten sei es zu schwierig. Als Vergleich berichtet er, dass Lehrer dort etwa 400 Euro im Monat verdienen würden. „Ich bin froh, dass ich jetzt in Deutschland bin“, ist sein Fazit.

Preis für Engagement

Wie der Weg nach dem Schulabschluss weitergeht, steht für Ante schon fest. Auch wenn er als Kind eigentlich Feuerwehrmann werden wollte, zieht es ihn jetzt zur Bundespolizei. Wo genau die zweieinhalbjährige Ausbildung ab September sein wird, weiß Ante noch nicht. Aber anschließend hat er sogar schon ein Arbeitsangebot. „Ich kann dann am Flughafen Frankfurt arbeiten“, freut sich der 18-Jährige, der direkt zugesagt hatte. „Ich bin dankbar, dass ich hier wohnen darf. Ich will Menschen helfen, das kann ich und mache es gerne.“

Schulleiter Harald Scheve erzählt, dass Ante immer vorbildlich gewesen sei und sich sehr gut integriert habe. Der Schüler habe viele schulische Events mitorganisiert und sich eingebracht. Zum Schulabschluss hat Ante den Preis vom Landrat für ehrenamtliches Engagement bekommen.

x