ROCKENHAUSEN / MEISENHEIM RHEINPFALZ Plus Artikel Widerstand gegen drohende Lücke in medizinischer Versorgung

Die Öffnungszeiten der Ärztlichen Bereitschaftspraxis im Gesundheitszentrum Glantal in Meisenheim sollen reduziert werden. Dageg
Die Öffnungszeiten der Ärztlichen Bereitschaftspraxis im Gesundheitszentrum Glantal in Meisenheim sollen reduziert werden. Dagegen richtet sich eine Resolution des VG-Rates.

Die Zukunft der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum treibt die Mitglieder des Verbandsgemeinde-Rates Nordpfälzer Land um – und ebenso ihre Kollegen in der Nachbarschaft. Nachdem bereits Ende Juli in Rockenhausen die Kassenärztliche Vereinigung (KV) die Bereitschaftspraxis geschlossen hat, plant sie jetzt, auch in Meisenheim das Angebot zu reduzieren. Dagegen verabschiedete der Rat Nordpfälzer Land einstimmig eine Resolution und schließt sich damit ähnlichen Reaktionen im Umland an.

Mit der Resolution fordert der VG-Rat nun, diese Einschnitte so lange zu unterlassen, bis dies nicht mit allen Beteiligten, unter anderem dem Gesundheitsministerium, der Stadt Meisenheim und den betroffenen Verbandsgemeinden, einvernehmlich abgestimmt sei. Konkret geht es darum, dass die KV die Öffnungszeiten der Ärztlichen Bereitschaftspraxis in der Meisenheimer Glantalklinik von 112 auf 37 Stunden reduzieren will. Es wird erwartet, dass dadurch eine Lücke in die medizinische Versorgung des ländlichen Raums gerissen wird, hieß es im VG-Rat. Gerade für ältere Leute sei die Erreichbarkeit der nächstgelegenen Praxen nicht gewährleistet, da diese mit dem öffentlichen Nahverkehr nicht oder nur unter schwierigsten Bedingungen zu erreichen seien, heißt es.

Einigen Ratsmitgliedern ging die Resolution, die auch in Nachbar-Verbandsgemeinden auf dem Weg gebracht wurde, nicht weit genug, sie forderten, deutlich mehr Inhalte aufzunehmen. Unter anderem solle die KV aufgefordert werden, ihr Angebot auszuweiten, anstatt es einzuschränken, hieß es. Nach kontroverser Debatte machte Bürgermeister Michael Cullmann deutlich, dass die Resolution in jedem Fall verabschiedet werden könne, da von ihr keine rechtliche Bindung ausgehe. Die VG werden die Entwicklung in jedem Fall begleiten, sicherte Cullmann zu.

Neuregelung ab Februar

Greifen soll das Vorhaben der KV ab Februar, wie KV-Sprecher Rainer Saurwein Ende November gegenüber der RHEINPFALZ sagte. Insbesondere in der Nacht soll die Bereitschaftspraxis nicht mehr besetzt sein. Die KV will so den Mangel an Ärzten ausgleichen. Daher sei man gezwungen, umzustellen. Die medizinische Versorgung der Bevölkerung soll ab Februar über die zentrale Servicenummer 116117 sichergestellt werden. Anrufer werden nach Vorstellung der KV nach einer ersten Einschätzung, die medizinisch geschultes Personal – nicht ein Arzt – vornimmt, in eine für den Patienten geeignete Versorgungsebene geleitet, wie es heißt. Betroffen von der Reduzierung der Öffnungszeiten sind vor allem Bürger aus den Verbandsgemeinden Nahe-Glan, Lauterecken-Wolfstein und auch Nordpfälzer Land.

Warteschleife und dann?

Der hauptamtliche Beigeordnete der VG Nahe-Glan und frühere Bürgermeister der VG Meisenheim, Dietmar Kron, weiß jedoch von älteren Patienten, die nicht verstünden, dass sie bei einem Anruf zunächst mit einer Computerstimme verbunden seien. „Die hängen dann in einer Warteschleife und wissen nicht, wie es weitergeht und legen auf“, so habe man es ihm schon berichtet, erzählt er. Kritik an den Plänen der KV äußerte auch der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein, Andreas Müller, der darin eine weitere Schwächung des ländlichen Raumes sieht.

Genauso sieht man es auch in der benachbarten Verbandsgemeinde Nahe-Glan. Deren VG-Rat hat seinerseits einstimmig eine Resolution verfasst, die im Internet abrufbar ist und deren Wortlaut man sich anschließen kann. Mittlerweile gibt es schon mehr als 1000 Unterstützer.

Schlechtere Versorgung

Entgegen der Zielsetzung der übergeordneten Raumplanung und ihrer Vorgaben zur Daseinsvorsorge rufe die KV mit ihrer aktuellen Entscheidung eine Versorgungslücke hervor, die vom Soonwald bis zum Nordwestpfälzer Bergland und von der Alsenz bis zur Lauter reiche. Da bereits die Bereitschaftspraxen in Kirn und Rockenhausen geschlossen worden seien, müsse die ÄBP in Meisenheim ein Gebiet betreuen, das verbands- und kreisübergreifend 86 Ortsgemeinden umfasse. Das sei eine deutliche Schwächung der Patientenversorgung, die außerdem mit längeren Wegen für die hiesige Bevölkerung verbunden sei, heißt es in dieser Resolution.

Der Verbandsgemeinderat Nahe-Glan fordert eine Überprüfung des Auslastungsgrades der Meisenheimer Bereitschaftspraxis, bevor die Planung der KV umgesetzt wird. Die KV wird aufgefordert, ihre Pläne auf Eis zu legen, da zunächst mit allen Beteiligten ausführliche Gespräche geführt werden sollen, um eine einvernehmliche Lösung zu erreichen.

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