Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Wespen sind in diesem Sommer besonders früh dran – was der Experte rät

Experte für Wespen und Hornissen: Frank Steinacher, der zweite Vorsitzende des Imkervereins Donnersberg.
Experte für Wespen und Hornissen: Frank Steinacher, der zweite Vorsitzende des Imkervereins Donnersberg.

Normalerweise ist erst Ende August die Hochphase der Wespenzeit. Aufgrund der lang anhaltenden hohen Temperaturen und der Trockenheit sind die Plagegeister in diesem Jahr früher dran – und lösen bei vielen Menschen Hektik oder Panik aus. Ein Expertentipp für ruhigere Grillabende fußt auf dem guten Erinnerungsvermögen der Insekten.

Wer kennt die Szene nicht: Im Eiscafé steht der leckere Eisbecher auf dem Tisch, die herbeigesehnte Abkühlung bei den derzeitigen Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke – doch noch bevor der erste Löffel die Lippen erreicht hat, sind sie da und fordern ihre Portion ein: die Wespen. In diesem Sommer scheinen es ganz besonders viele zu sein, und extrem aufdringlich sind sie auch noch. Die meisten Menschen empfinden die Plagegeister als äußerst lästig. Schlimmer noch: Die Angst vor Stichen löst oftmals hektische Reaktionen aus.

Eisdielen setzen auf Kaffee

Doch es sei ganz wichtig, dass man die Ruhe behält, sagt Frank Steinacher. Er ist Hornissen- und Wespenberater und zweiter Vorsitzender des Imkervereins Donnersberg. Wildes Herumfuchteln verschlimmere die Situation, denn die Wespen würden dadurch nur gereizt. Die Tiere nähmen schnelle Bewegungen als Bedrohung wahr, weiß er. Sein Tipp daher: Man sollte die Tiere besser mit sachten Handbewegungen wegschieben. Auch von der vielfach zu beobachtenden Strategie, die Wespen wegzupusten, rät Steinacher ab: Das im Atem enthaltene Kohlenstoffdioxid mache die Wespen zusätzlich aggressiv. Wer sich ernsthaft bedroht fühlt und Panik bekommt, der solle sich dann besser zurückziehen.

Anna Barone vom Eiscafé Venezia in Kirchheimbolanden hat einen Geheimtipp: Sie stellt ein kleines Schälchen frisch gemahlenen Kaffee auf den Tisch zwischen die Eisbecher. Etliche Kunden schwören darauf, dass dies die Wespen vertreibt, wie Barone berichtet. Ähnliches schildert auch Matthias Lebek vom Eiscafé Cortina in Eisenberg. Einige Kunden bringen sogar trockenen Kaffeesatz mit und lassen diesen dann in einem Schälchen glimmen. Darüber hinaus besprüht Lebek die Tische an mehreren Stellen mit Lavendel. Wenn alles nicht hilft – man könne fast die Uhr danach stellen, sagt er – zögen die Gäste spätestens nach zehn Minuten um in den Innenraum des Cafés.

In diesen Tagen ein gewohntes Bild in der Eisdiele: Kaum steht das Eis auf dem Tisch, kommen die Wespen an.
In diesen Tagen ein gewohntes Bild in der Eisdiele: Kaum steht das Eis auf dem Tisch, kommen die Wespen an.

Auch entspannte Wespenarten

Wo die Plagegeister ihr Nest haben, das ist schwer zu ergründen. Wespen haben einen Aktionsradius von bis zu fünf Kilometern. Sie sind auf der Suche nach Nahrung für ihre Königin, die täglich 200 bis 300 Eier legt. In unseren Breitengraden gibt es unterschiedliche Arten von Wespen. Darunter auch Arten, die überhaupt kein Aggressionspotenzial haben, sofern man sie in Ruhe lässt, wie Steinacher zu berichten weiß. Vor allem die Landwespe, die an den etwas längeren Hinterbeinen zu erkennen sei, lebe „in Eintracht mit den Menschen“.

Die gemeine Wespe hingegen nutze jede Gelegenheit, die Nahrung der Menschen für sich zu vereinnahmen. Sie ernähre sich überwiegend von pflanzlicher und zuckerhaltiger Kost wie Blütennektar oder auch überreifem Obst. Auch Fleisch und Aas stünden auf ihrer Speisekarte. Mit seinem Schnabel schneide das Insekt kleine Stückchen heraus und bringe diese zur Königin. Auch Bienen sind vor der gemeinen Wespe nicht sicher: Sie werden von ihr angegriffen und – wenn es schlecht für sie läuft – danach fein säuberlich zerlegt. Denn nur am gehaltvollen Torso, ohne Kopf und Hinterleib, ist die Wespe interessiert.

Vorsicht bei Wespennestern

Auch beim sommerlichen Grillen im Garten gibt es kaum ein Entrinnen vor den gelben Plagegeistern. Der Experte empfiehlt daher, „fünf Tage vorher an einer etwas abgelegenen Stelle einen Futterplatz für die Wespen einzurichten“. Süßes Obst, Käse und Wurst sollten dort angeboten werden. Denn: Wespen erkunden ständig, wo sich ihnen gute Nahrungsplätze bieten. Und diese merken sie sich. Somit sei es mit diesem Tipp möglich, die Flugbahn gezielt vom heimischen Tisch wegzulenken.

Problematisch wird es, wenn die Wespen auf dem Dachboden, am Haus oder in Bäumen bauen. Ein solches Nest eigenständig zu entfernen ist nicht nur verboten, sondern auch extrem gefährlich. Sobald nämlich unmittelbar am Nest Hand angelegt wird, weiß der Experte zu berichten, schlägt die Stimmung bei den Insekten ohne Vorankündigung um, schalten sie den Verteidigungsmodus ein. Sie greifen unvermittelt an, stechen zu und injizieren ein Gift. Im Gegensatz zu einer Biene, die nach dem Stich stirbt, zieht die Wespe ihren Stachel wieder heraus und lebt weiter.

Ausgeprägter Orientierungssinn

Wespen sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Sie dürfen nicht mutwillig beunruhigt, gefangen, verletzt oder getötet werden. Für die Nestentfernung muss in jedem Fall fachkundiger Rat eingeholt werden, sagt Steinacher. Der zweite Vorsitzende des Imkervereins ist einer der wenigen Experten in unserer Region, die Wespennester umsiedeln dürfen. Dabei trägt er grundsätzlich ausreichende Schutzkleidung. Je nach Örtlichkeit entfernt er zumeist das komplette Nest und legt es in einem geschlossenen Kasten ab. Dann fährt er mehrere Kilometer in einen Wald und entlässt dort die Insekten samt Bauwerk. Der neue Platz müsse in jedem Fall weit entfernt sein vom Ursprungsort, weiß Steinacher, denn die Wespen besäßen einen ausgeprägten Orientierungssinn.

Sobald der erste Frost eintritt, verenden die Wespen. Lediglich die Königinnen sind dann noch unterwegs und suchen Unterschlupf für den Winterschlaf. Diesen finden sie in alten Bäumen, Ritzen an der Hausfassade oder unter Dachziegeln. Sie machen sich ganz klein und warten, bis im Folgejahr die Temperaturen wieder steigen.

Info

Wer beim Thema Wespen Hilfe braucht, kann sich beim Imkerverein Donnersberg an Frank Steinacher wenden, Telefon 0157 74600870.

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