Börrstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Weshalb die Gemeinde auf einen Schlag 117 Jahre älter werden könnte

Börrstadt mit dem Donnersberg im Hintergrund: Bislang galt als gesichert, dass die Gemeinde erstmals 891 als „Birensceidt“ urkun
Börrstadt mit dem Donnersberg im Hintergrund: Bislang galt als gesichert, dass die Gemeinde erstmals 891 als »Birensceidt« urkundlich erwähnt worden ist.

Bislang galt 891 als Börrstadter „Geburtsjahr“. Doch ein Frankfurter Historiker ist überzeugt, dass die Ortsgemeinde deutlich älter ist. Was einen schönen Nebeneffekt hätte.

Von heute auf morgen einfach mal stolze 117 Jahre älter zu werden – das kommt nicht alle Tage vor. Die Ortsgemeinde Börrstadt durchlebt aber gerade einen solch rapiden Alterungsprozess. Denn bisher wurde allgemein angenommen, dass die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes aus dem Jahr 891 stammt – dieses galt somit als offizielles Gründungsdatum.

Nun hat sich jedoch ein Historiker zu Wort gemeldet, der offenbar berechtigte Zweifel anmeldet – und den Ursprung des im südlichen Kreisteil in der Verbandsgemeinde Winnweiler gelegenen Ortes auf das Jahr 774 zurückdatiert. Was zugleich bedeuten würde: Börrstadt stünde 2024 ein großer Geburtstag bevor.

Entdeckung im „Lorscher Codex“

Michael Hoenemann ist sichtlich stolz auf seinen Fund. „Das Wichtigste ist aber, dass diese Geschichte garantiert richtig ist“, sagt der Historiker aus Frankfurt. Im „Lorscher Codex“ ist er über die frühzeitigere Nennung der Gemeinde Börrstadt gestolpert. „Und an den Eintragungen im ,Lorscher Codex’ hat noch nie jemand Zweifel geäußert. Was dort steht, ist allgemein anerkannt“, fährt er fort.

Tatsächlich dient das historische Werk als Grundlage für etliche Gemeinden, wenn es um die Festlegung des jeweiligen Gründungsjahres geht. Der Codex wurde Ende des zwölften Jahrhunderts verfasst, sollte – davon gehen Historiker aus – die Rechte und Besitztümer des Klosters Lorsch dokumentieren und damit der Abtei langfristig sichern. Fast 4000 Eintragungen finden sich darin.

Ist „Herstat“ Börrstadt?

Eine davon hat Hoenemann stutzig gemacht: Aus den Jahren 774 und 775 wird berichtet, das Kloster habe Güter aus einem Ort namens „Herstat“ erhalten. Und Vertreter der Universität Heidelberg – die Herausgeber der digitalen Variante des Codex ist – hätten „Herstat“ bereits mit Börrstadt gleichgesetzt, erklärt Hoenemann, der bereits den Eintrag zu der Gemeinde in der digitalen Enzyklopädie „Wikipedia“ entsprechend angepasst hat.

Bislang ging man davon aus, dass die Erwähnung Börrstadts als „Birensceidt“ im „Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte“ die gesicherte Erstnennung ist. Als „angebliche Urkunde“ bezeichnet allerdings Hoenemann diese Referenz aus dem Jahr 891 – denn von dieser existiere kein Original mehr. Nach seiner Auffassung sei damit klar, dass die knapp 1000-Einwohner-Gemeinde im kommenden Jahr ihren 1250. Geburtstag feiern darf.

Ortschef Windecker will nichts überstürzen

Noch knallen aber in der dortigen Gemeindehalle nicht die Korken. Ortsbürgermeister Torsten Windecker hat Hoenemanns Entdeckung interessiert zur Kenntnis genommen – überstürzen will er jedoch nichts. Schließlich sei die Gemeinde bis dato von der frühesten Nennung im Jahr 891 ausgegangen, habe entsprechend auch 1991 das 1100. Jubiläum groß gefeiert. „Sollten sich die neuen Erkenntnisse bewahrheiten, müsste in Börrstadt über eine neue Datierung der Ersterwähnung – auch im Gemeinderat – nachgedacht werden“, so Windecker.

Der Ortsbürgermeister erachtet es dabei aber auch für wichtig, weitere Historiker hinzuziehen, um wirklich Klarheit zu erlangen. Innerhalb der Gemeinde werde das Thema bereits diskutiert: Der Dorfförderverein ist informiert, hat selbst bereits Nachforschungen in Gang gesetzt. Torsten Windecker ist sich indes sicher, dass es auf Börrstadter Gebiet bereits deutlich früher eine Besiedlung gegeben hat. Allerdings existierten diesbezüglich keine schriftlichen Überlieferungen und Beweise.

2024 große Feier zum 1250. Jubiläum?

Zumindest rückwirkend bis zum Jahr 774 könnte sich das nun ändern. Sollten weitere Historiker Hoenemanns Theorie zustimmen, müsste auch die Ortschronik überarbeitet werden. In diesem Fall bliebe aber noch die Frage nach einer möglichen Feier zum 1250-jährigen Bestehen. „Darüber haben wir bislang noch nicht nachgedacht“, sagt Windecker, fügt aber an: „Sollten sich die neuen Erkenntnisse bestätigen, müssten wir über die weitere Vorgehensweise entscheiden.“ Ausgeschlossen ist also nichts – auch keine unverhoffte Geburtstagssause.

Hat jedoch der Historiker Michael Hoenemann Recht, existierte das Dorf bereits 774 unter dem Namen „Herstat“ – dann könnten die
Hat jedoch der Historiker Michael Hoenemann Recht, existierte das Dorf bereits 774 unter dem Namen »Herstat« – dann könnten die Börrstadter 2024 das 1250. Jubiläum feiern.
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