Donnersberger Echo RHEINPFALZ Plus Artikel „Weihnachtsstimmung kommt nicht auf“ – warum das kein neues Problem ist

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Die ersten Schneeflocken sind schon durch den Donnersbergkreis getanzt, zahlreiche Häuser sind bereits festlich dekoriert, Lichterketten erhellen die Nächte. In vielen Orten hat am Freitagabend das erste Adventsfenster geöffnet Die Auslagen der Geschäfte – und die Newsletter der Online-Versandhändler – sind vollgestopft mit mehr oder minder brauchbaren Geschenkideen. Die meisten Adventskränze stehen für den Sonntag bereit, und zumindest eine vage Vorstellung davon, wo wir unseren Weihnachtsbaum herbekommen, haben wir doch auch alle schon.

Also alles so wie immer in der Vorweihnachtszeit? Trotz der gähnenden Leere in vielen Geldbeuteln, bedingt durch die kaum noch zu überschauenden Preiserhöhungen der jüngeren Vergangenheit, vor allem auch bei Gütern des täglichen Bedarfs? Trotz des deprimierenden Entwicklungen in der Welt mit ihren kriegerischen Auseinandersetzungen? Trotz des sorgenerregenden Blicks vor unsere Haustür: Zum fortwährenden Stellenabbau bei Borg Warner in Kibo ist nun die akute Krise bei Gienanth in Eisenberg hinzugekommen. Ganz zu schweigen von jener beim Westpfalz-Klinikum, die der ohnehin angeschlagenen Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum unter dramaturgischer Gesichtspunkten nochmal einen drauf gesetzt hat.

Ist es wie immer – oder nicht?

Also wirklich alles so wie immer in der Vorweihnachtszeit? Nun ja, könnte man sagen, zumindest hat man sich bei den jüngsten Auflagen des Festes doch daran gewöhnt, dass es nicht genau so läuft, wie es das zu dieser Jahreszeit eigentlich tun sollte. Im vergangenen Jahr haben wir uns alle im dickem Kuschelpulli (die Fortgeschrittenen im Ugly-Christmas-Pullover) im Kerzenschein des Weihnachtsbaumes versammelt, weil wir wegen der Energiesituation gar nicht das Herz hatten, unsere Zimmer hochzuheizen. Und in den Jahren zuvor hatten wir der Einfachheit halber auf größere Zusammenkünfte mit unseren Liebsten verzichtet – die Pandemie, die gab’s ja auch mal. Wir sind also daran gewöhnt, und vermutlich werden wir uns auch damit abfinden, dass viele diesmal aus finanziellen Zwängen heraus kleinere Brötchen werden backen müssen.

Also alles so wie immer in der Vorweihnachtszeit? Zumindest ähnelt es den vergangenen Jahren. Früher allerdings, da war alles besser. Sagt man zumindest so. Aber mal ehrlich: War es denn in diesem Fall so viel besser? Kriege in der Welt, Krisen um uns herum, notleidende Menschen weit weg und vor der eigenen Haustür, all das begleitet uns ständig – und auch in der Adventszeit.

Warum aber vernimmt man allenthalben – ob im Lokal, auf dem Sportplatz, beim Plausch auf der Straße – die Klagen, dass „in diesem Jahr“ wohl keine Weihnachtsstimmung aufkommen könne? Oder es geht sogar bis zum nahezu fatalistischen, oft gehörten Satz: „Weihnachten fällt dieses Jahr wohl ins Wasser.“ Aber mal ehrlich: muss es doch gar nicht.

Ruhig bleiben: Das wird noch mit der Stimmung

Klar, es sind keine unbeschwerten Zeiten: In einigen Bereichen verlieren Menschen ihre angestammten Jobs, in anderen finden sich nicht genug Arbeitskräfte, um für die Gesellschaft Dinge sicherzustellen, an die sich längst gewöhnt hatte und nie und nimmer damit gerechnet hätte, dass es da jemals zu Problemen kommen könnte: medizinische Betreuung, wenn sie benötigt wird, Briefe und Pakete, die täglich geliefert werden, Flugzeuge und Züge, die tatsächlich auch verkehren, wenn sie angekündigt sind. Die technische Entwicklung geht so rasend schnell, dass der Experte von heute in zehn Jahren schon zu den Abgehängten gehören kann. Und in Folge dessen sind die Burn-out-Kliniken überlastet, Menschen werden krank.

Aber mit seinen großen Problemen hatte bislang fast jedes Jahrzehnt zu kämpfen. Und viele Generationen vor uns hatten immer mal wieder Probleme, sich so richtig in Weihnachtsstimmung zu versetzen. Und viele weitere werden diese Sorgen tragen. Am Ende aber wird’s dann doch irgendwie weihnachtlich, ruhig, besinnlich. Vielleicht gehört ein wenig Melancholie, ein wenig gemeinsames Jammern, ja auch einfach in diese Jahreszeit. Vielleicht ist sie ja sogar der Schlüssel für die Emotionen, die Empathie, für all das, was Weihnachtsstimmung ausmacht. Nutzen wir die Adventszeit, um uns ganz langsam darauf einzulassen – und nicht nervös werden, wenn’s ein wenig länger dauert.

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