Winnweiler
Weihnachtsmarkt: Steigende Kosten für Buden erhitzt Gemüter
Knapp 40 Tage, dann beginnt mit dem 1. Advent die Vorweihnachtszeit. Während der eine oder der andere angesichts der bereits seit Wochen angepriesenen Schoko-Nikoläuse und Lebkuchen in den Geschäften eher genervt vom verfrühten Festtagstrubel ist, stehen in den Ortsgemeinden derzeit die Planungen für die Weihnachtsmärkte an. Doch ganz so reibungslos läuft das nicht. In Börrstadt beispielsweise überlegt Ortsbürgermeister Torsten Windecker, den diesjährigen Weihnachtsmarkt in die Gemeindehalle zu verlegen. Grund dafür soll eine erhöhte Ausleihgebühr für die Weihnachtsbuden sein, die Eigentum der Ortsgemeinde Winnweiler sind.
Ein Weihnachtsmarkt in einer Halle? So wirklich vorstellen können sich das viele Menschen nicht. Es werde etwas fehlen, wenn der Weihnachtsmarkt von seinem bisherigen Standort auf dem alten Schulhof im Ortskern künftig in die Halle ziehen werde, zeigt ein anonymer Nutzer in einer Börrstadter Facebook-Gruppe wenig Verständnis für Windeckers Vorstoß. Wo bleibe denn da der Weihnachtsflair? Die Kommentatoren unter dem Post hingegen sind hin- und hergerissen. „Wenn ihr für eine Bude 150 Euro zahlen müsstet, würdet ihr auch in die Halle gehen. Was muss man denn da verkaufen, wenn man auch was verdienen will?“, appelliert eine andere Nutzerin.
Hütten bisher zu günstig
Winnweilers Ortsbürgermeister Rudolf Jacob kennt den Frust, den die Nachricht über die erhöhte Ausleihgebühr hervorgerufen hat. Seit einigen Tagen erreichen ihn deswegen Anrufe und E-Mails. „Dabei hat die Ortsgemeinde die Erhöhung auf 150 Euro schon vor einiger Zeit beschlossen“, berichtet er auf Nachfrage der RHEINPFALZ. Hintergrund sei die Forderung der Kommunalaufsicht an die Ortsgemeinde Winnweiler gewesen, alle Einnahmen außer der Grundsteuer B wenn möglich zu erhöhen, um nicht erneut die Winnweilerer Steuerzahler belasten zu müssen.
Entsprechend dieser Forderung habe die Ortsgemeinde ihre Einnahmen genauer in den Blick genommen. „Dabei hat sich gezeigt, dass wir die Holzbuden bislang zu günstig vermietet haben“, erklärt Jacob. So lag bislang die Ausleihgebühr für Selbstabholer pro Bude bei 20 Euro. Wurde diese hingegen von Gemeindearbeitern angeliefert, kamen 10 Euro und für den Aufbau weitere 20 Euro hinzu. Jacob rechnet vor: „Etwa zwei bis drei Gemeindearbeiter sind nötig, um die Buden zu verladen und anschließend in die jeweilige Pächtergemeinde zu bringen.“ Ein Gemeindearbeiter kostet die Ortsgemeinde Winnweiler allerdings 50 Euro brutto die Stunde. Inklusive Abbau nach den Weihnachtsmärkten seien die Männer durchschnittlich anderthalb Stunden beschäftigt. Für diese Leistung ergebe sich so die neue Ausleihgebühr inklusive Anlieferung und Aufbau. Wer allerdings seine Buden selbst abholt, dem kommt die Verleiherin entgegen: 50 Euro kostet ein Holzverschlag dann.
„Tradition hat genug gelitten“
„Angesichts der derzeitigen Haushaltslage können die Winnweilerer Steuerzahler nicht die Weihnachtsmärkte der Nachbargemeinden finanzieren“, sagt Jacob und hofft auf Verständnis aus Börrstadt, Falkenstein und Gonbach. Die drei Gemeinden hatten bisher die Buden von Winnweiler ausgeliehen.
„Es geht doch vor allem um die soziale Komponente. Es gibt doch kaum noch Möglichkeiten, um zusammenzukommen“, entgegnet Windecker. „Es muss doch nicht immer alles aufgerechnet werden. Es wurde doch schon genug Tradition in den vergangenen Monaten kaputt gemacht.“ Mit der beschlossenen Preissteigerung könne sich kaum noch eine Gemeinde einen Weihnachtsmarkt leisten, befürchtet der Ortschef. Im Fall von Börrstadt würden auf die 16 Beschicker insgesamt etwa 2400 Euro Standgebühren für vier Stunden Weihnachtsmarkt zukommen. „Die jeweils 150 Euro Standgebühr können vielleicht die Buden mit Essen und Trinken aufbringen, wenn jemand aber beispielsweise am Abend handgemachte Seifen für 20 Euro verkauft, wird der Weihnachtsmarkt schnell zum Minusgeschäft“, plädiert Windecker. Auch die Möglichkeit, selbst Buden anzuschaffen oder zumindest die Verschläge abzuholen, hält er für kaum umsetzbar: „Wir haben keinen Platz um eigene Buden zu lagern.“ Auch ein Transport gestalte sich schwierig.
Weihnachtsflair in Turnhalle?
Um nicht nur Kosten zu sparen, habe er bereits im vergangenen Jahr den Beschickern vorgeschlagen, den Weihnachtsmarkt in die Gemeindehalle zu verlegen. In Stein gemeißelt sei die Umsetzung noch nicht. Am Mittwoch wolle er allen Interessierten ab 18 Uhr im Vereinsraum der Gemeindehalle Börrstadt die Idee vorstellen. Am 12. November entscheide dann der Gemeinderat. „In der Vergangenheit hatten wir schon wenige Besucher, weil das Wetter so schlecht war. In der Halle wären wir wetterunabhängig“, führt Windecker einen Vorteil an. Außerdem würde die Gemeinde die Halle kostenlos zur Verfügung stellen, „es wäre – wenn überhaupt – ein kleiner Obolus für Strom und Wasser fällig“. Auch sei es so leichter, den Weihnachtsmarkt auf einen weiteren Tag auszudehnen. „Die Buden sind nicht abschließbar, bleibt der Markt auf dem Schulhof, müssten die Buden über Nacht ausgeräumt oder eine Nachtwache aufgestellt werden“, argumentiert Windecker.
Auch um das Ambiente mache er sich wenig Sorgen: „In der Halle können wir schön dekorierte Pavillons und Weihnachtsbäume aufstellen und in der Mitte Tische und Sitzgelegenheiten so anordnen, dass die Marktbesucher im Mittelpunkt stehen.“ Auch das Licht könnte für die Stimmung gedimmt werden, eine Bühne für Musiker und Aufführungen wäre denkbar und der obligatorische Besuch des Nikolaus soll in der Halle erhalten bleiben. Windecker will es auf einen Versuch ankommen lassen: „Wenn es nichts ist, können wir es im nächsten Jahr wieder ändern.“
Gemeinden suchen Alternativen
Und wie sieht es in Gonbach und Falkenstein aus? Bernd Schiebel, Ortsbürgermeister in Gonbach, hat sich bereits seine Gedanken zu der Ausgangslage gemacht. Im vergangenen Jahr hatten die Gonbacher zum ersten Mal einen eigenen Weihnachtsmarkt ausgerichtet und dafür vier Buden angemietet. „Weil wir so guten Zuspruch erhalten haben, planen wir auch in diesem Jahr einen Weihnachtsmarkt.“ Die Winnweilerer Hütten kämen dafür aber nicht zum Einsatz, versichert Schiebel. Mit der Kostenerhöhung habe das in erster Linie aber weniger zu tun. „Sie sind einfach sehr unhandlich. Zwar kann ein Seitenteil vom Gewicht her von zwei Personen getragen werden, aber das Verladen ist einfach zu unpraktikabel. Dafür braucht man dann mehr Leute.“ Stattdessen wolle sich die Ortsgemeinde in dieser Weihnachtssaison mit Pavillons behelfen, die an drei Seiten mit Planen bespannt werden. „Längerfristig wollen wir uns aber Buden selbst bauen. Nur dafür ist es in diesem Jahr zu kurzfristig“, so Schiebel weiter.
In Falkenstein hingegen gibt es erst einmal keine Alternative zur Ausleihoption, versichert Ortsbürgermeister Christoph Heuschkel. „Das Problem ist, dass wir keine Möglichkeit haben, eigene Buden zu lagern.“ Auch fehle es der Gemeinde an einem Fahrzeug, um die 14 für den Markt benötigten Hütten aus Winnweiler abzuholen, um so Kosten zu sparen. Wie es in Zukunft mit dem Weihnachtsmarkt weitergehen soll, dazu hätten sich die Falkensteiner aktuell noch keine Gedanken gemacht. „Ich kann mir aber gut vorstellen, dass einigen Beschickern eine Standgebühr von 100 Euro oder mehr, die wir dann verlangen müssten, zu viel wird. “ Heuschkel vermutet, dass sich dann möglicherweise einige der bisherigen Buden-Betreiber aus Falkenstein zurückziehen könnten. Stattdessen bleibt nichts als zu hoffen, falls ein Teil der Falkensteiner Beschicker tatsächlich abspringen sollten: „Möglicherweise gibt es dann wiederum andere, die die Gebühr nicht abschreckt und die gerne in Falkenstein am Weihnachtsmarkt teilnehmen würden.“