Donnersbergkreis „Weißt du noch?“

„Weißt du noch?“ In Erinnerungen aus der Kindheit und der Jugendzeit schwelgen können Senioren derzeit beim Besuch der aktuellen Sonderausstellung im Motorrad- und Technikmuseum Leiningerland. Der betreibende Verein hat Hunderte Exponate aus den „Golden Fifties“ zusammen- und in seinen Räumlichkeiten in Quirnheim liebevoll ausgestellt. Da gibt es eine Menge zu entdecken – noch bis zum 1. März.
Das geladene Eröffnungspublikum am Samstagnachmittag, darunter Bürgermeister Hubert Deubert, kann sich zudem an einem Buffet laben – angefüllt mit Köstlichkeiten, die gerade in der Phase des Wirtschaftswunders „in“ waren: reich belegte Canapés auf Pumpernickel oder Crackern, Kalter Hund, verschiedenfarbiger Wackelpudding, auch standen ein Käse-Igel auf dem Tisch und ein großes Glasgefäß mit Ananasbowle. Der Erste Vorsitzende Franz Bernsteiner betont schmunzelnd: „Das ist zwar alles nach Rezepten aus den 50er Jahren zubereitet, aber die Zutaten sind frisch.“ Ein Team aus einem halben Dutzend Leuten habe etwa 80 bis 100 halbe Arbeitstage in die Vorbereitung der Ausstellung investiert, schätzt der 66-Jährige. Er selbst hat sich unter anderem verdient gemacht bei der Herrichtung einer Wohnstube mit Röhrenradio und Musikschrank, Schwarz-Weiß-Fernseher, Wählscheiben-Telefon und Nierentisch. Eine der drei weißen Zimmerwände hat er mithilfe einer damals zu Gestaltungszwecken oft zum Einsatz gekommenen Musterwalze, einer Tapetenrolle mit erhabener Struktur, verziert. Die Dekostreifen habe er frei Hand gezogen, erzählt er und deutet auf beachtlich gerade Linien von der „Decke“ bis zum Boden. Die Einrichtungsgegenstände der „guten Stube“ stammen – wie sämtliche präsentierten Dinge – zu mindestens 80 Prozent von Beisitzer Günter Schneider aus Wattenheim. „Am Springbrunnen, der als Raumbefeuchter diente, ist leider die Pumpe kaputt“, zeigt der 78-Jährige auf eine hellgrün durchsichtige Plastikschale auf einem dreibeinigen Beistell-Tischchen. Die beiden schlichten Eisdielen-Sessel in rotem Kunstleder hat Manfred Guth zur Verfügung gestellt. Weiter hinten befindet sich ein kleiner kugeliger Puppenwagen aus Korbgeflecht. Darin sitzen eine „normale“ Puppe und ein Sarotti-Mohr. Zwischen den beiden Puppen liegt ein Foto von 1955, auf dem die Frau des Vorsitzenden, Ilka Bernsteiner, als Achtjährige unterm Christbaum zu sehen ist. „Das war das erste Weihnachten in Düren“, erinnert sich die Grünstadterin an die Zeit nach ihrem Umzug von Berlin nach Nordrhein-Westfalen. Außer dem Puppenwagen hat sie einige Kleidungsstücke, Schallplattenhüllen und Bücher zur Ausstellung beigetragen. Und eine Stellwand mit vier Badennixen. „So eine stand beim Modehaus Zahn im Schaufenster“, erzählt Bernsteiner. Die vier gemalten Damen lächeln über einen Holz-Liegestuhl mit geblümtem Bezug hinweg, der neben einem Goggomobil steht. Diesen muss man sich nun im Grünen vorstellen, denn davor sind Klappstühle, ein Tisch, ein rot-weiß gepunkteter Sonnenschirm und Picknickgeschirr. Vorbei an Vitrinen mit Puppenmöbeln, Küchenutensilien und Geräten abenteuerlich wirkender Unterhaltungselektronik sowie einer babyblauen mechanischen Waschmaschine mit Handkurbel gelangt man zu einem Friseursalon. „Ich hab noch ein Vorkriegsmodell von so einer Trockenhaube daheim“, sagt Schneider. Auf einem riesigen Steingutwaschbecken, dessen Transport aufgrund des Gewichts eine Herausforderung war, liegen Utensilien, wie man sie damals verwendet hat, um das Bart- und Haupthaar in Form zu bringen.