Donnersbergkreis
Was macht eigentlich Sprinter Dr. Gerd Wucherer?
Die beiden größten Erfolge von Gerd Wucherer: 1971 bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Helsinki wurde er Zweiter und damit Vize-Europameister im 100-Meter-Lauf hinter dem Russen Walerij Borsow; 1972 bei den Olympischen Sommerspielen in München erreichte er mit der 4x100-Meter-Staffel den dritten Platz und konnte sich die Bronzemedaille umhängen.
Dass er sehr schnelle Beine hatte, wurde bereits in der Schule im Sportunterricht und im Rahmen der Bundesjugendspiele klar, da er auch deutlich schneller als ältere Mitschüler war und ihnen regelmäßig „davon lief“. Sein erster Verein war der TV 1856 Kempten, dort lief er als A-Jugendlicher oft bessere Zeiten als die Sprinter aus dem Männerbereich. So wurde er bald zu Bayerischen und Deutschen Jugendmeisterschaften geschickt – seine Bestzeit betrug damals 10,7 Sekunden.
Mit Silbernem Lorbeerblatt ausgezeichnet
1967 wechselte er zum TSV München-Ost, ein Jahr später zum TSV 1860 München. National machte er 1968 auf sich aufmerksam: Nach einem zweiten Platz über 60 Meter in der Halle und einem weiteren zweiten Platz über 100 Meter bei den Deutschen Meisterschaften in der sehr guten Zeit von 10,3 Sekunden wurde er vom DLV in die Nationalmannschaft berufen, der er bis 1972 angehörte. In dieser Zeit nahm er an 19 Länderkämpfen sowie 1969 an einem „Erdteilkampf“ zwischen Europa und Amerika teil. Im Jahr davor, bei den Olympischen Spielen in Mexiko-City, belegte er mit der 4x100-Meter-Staffel den sechsten Platz.
In seiner Juniorenzeit, mit 20 und 21 Jahren, wurde er dreimal Deutscher Meister über 100 Meter; drei weitere Titel holte er über 200 Meter und mit der Staffel. Von 1971 bis 1974 war er deutscher Rekordhalter mit 10,23 Sekunden über 100 Meter – elektronisch gemessen. Mehrere Jahre lang war er Rekordhalter über Sprintstrecken in der Halle. Seit 1970 gehörte er dem USC Mainz an. 1972 erhielt er die höchste sportliche Auszeichnung, die in der Bundesrepublik Deutschland verliehen werden kann: das „Silberne Lorbeerblatt“ aus den Händen des damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann. Seinen letzten offiziellen Wettkampf bestritt er im Sommer 1974 bei einem Internationalen Sportfest in Stuttgart. Damit beendete er anschließend seine Laufbahn als Leistungssportler mit 26 Jahren.
Ausbildung im „Kreiskrankenhaus“ Kirchheimbolanden
Zu seiner Vita: Wucherer wurde am 11. Februar 1948 in Kempten im Allgäu geboren. Nachdem er die Volksschule in Mosbach abgeschlossen hatte, besuchte er die Realschule in Kempten, die er mit der Mittleren Reife verließ. Daran schloss sich eine Ausbildung zum Industriekaufmann in München an. Nachdem er sein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg erworben hatte, begann er in Mainz ein Studium auf Sport Diplom, das er im August 1974 als Jahrgangsbester abschloss. Er blieb an der Mainzer Universität und nahm 1975 ein Studium der Medizin auf, parallel dazu unterrichtete er Sport an einigen Schulen in Mainz. Der Studienabschluss 1980 war wieder ein Prädikatsexamen, nämlich „cum laude“.
Seine Zeit als Assistenzarzt absolvierte er drei Jahre in Kirchheimbolanden. Das heutige Westpfalz-Klinikum hieß damals noch Kreiskrankenhaus Kirchheimbolanden, ausgebildet wurde er schwerpunktmäßig in Innerer Medizin. Am 1. Dezember 1983 machte er sich als praktischer Arzt selbstständig, indem er in Göllheim eine Praxis eröffnete. Mit Hilfe von Fortbildungen konnte er sich auch für Sportmedizin spezialisieren; zum Facharzt für Allgemeinmedizin wurde er Mitte der 90er-Jahre berufen. Zu Beginn dieses Jahres hat er seine Praxis an Dr. Denis Adam übergeben. Er unterstützt ihn zunächst weiter als angestellter Arzt, bis dessen Frau ihre Facharztausbildung abgeschlossen hat.
„Ich war schneller als er, ich habe ihn gekriegt!“
In seinem Privatleben spielte bereits während des Sportstudiums eine junge Dame namens Gabriele Nielsen aus Kirchheimbolanden, Lehramtsstudentin für die Fächer Biologie und Sport und später Lehrerin am Nordpfalzgymnasium, eine große Rolle. Am 8. März 1974 fand schließlich die Hochzeit statt. Humorvoller Originalton seiner Frau: „Ich war schneller als er, ich habe ihn gekriegt!“ Aus der Ehe gingen drei Töchter hervor, die ihre Eltern bis heute mit sieben Enkelkindern – vier Jungen und drei Mädchen – erfreuen.
Was waren nun die Schwerpunkte nach dem Leistungssport im Leben von Gerd Wucherer? Zunächst natürlich der Aufbau und das Führen der eigenen Praxis, die in Göllheim und Umgebung einen guten Ruf hat. Aber auch wieder sportliche Aktivitäten wie Tennis, Golf, Ski fahren, Radfahren und Schwimmen. Ohne geht es dann doch nicht im Leben eines ehemaligen Profis. Bezüglich Golf engagiert sich Wucherer seit Jahren in der Organisation „KIO Wolfermann und Freunde“. KIO ist die Abkürzung für „Kinderhilfe Organtransplantationen“, sie wurde von Klaus Wolfermann – 1972 Olympiasieger im Speerwurf – gegründet. Er veranstaltet im Jahr sechs bis acht Golfturniere, bei denen ehemalige bekannte Sportler, wie beispielsweise Wucherer, mit Interessierten spielen. Letztere müssen Startgebühren entrichten und werden auch um Spenden gebeten; die Einnahmen kommen dann transplantierten Kindern zu Gute.
Mit 73 Jahren in den verdienten Ruhestand
Zwei Jahre nach der Praxiseröffnung zog die Familie nach Göllheim in ein Haus mit großem Garten in die Königskreuzstraße, wo sie bis heute lebt. Damit steht auch gemeinsame Gartenarbeit auf dem „Dienstplan“. Ein ganz wichtiges und auch angenehmeres Hobby der beiden sind aber Urlaubsreisen – gerne auch in andere Kontinente.
Auch in der Politik hat sich Wucherer engagiert: Als Mitglied der Wählergruppe Appel saß er 16 Jahre im Gemeinderat Göllheim, zwölf Jahre im Rat der VG Göllheim sowie zwei Wahlperioden im Kreistag. Im nächsten Jahr, wenn die Ehefrau des neuen Praxisinhabers Adam ihre Facharztausbildung abgeschlossen hat, wird er sich mit 73 Jahren endgültig in den verdienten Ruhestand begeben.