Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Schulen im digitalen Zeitalter noch immer Kopiergeld verlangen

Auch wenn es meist Kopier- oder Papiergeld genannt wird – von den Beiträgen der Eltern werden an vielen Schulen beispielsweise a
Auch wenn es meist Kopier- oder Papiergeld genannt wird – von den Beiträgen der Eltern werden an vielen Schulen beispielsweise auch Bastelmaterialien gekauft.

Im digitalen Zeitalter wird überall gefordert, den Verbrauch von Papier weitestgehend zu reduzieren. Dennoch kassieren viele Schulen nach wie vor Kopiergeld. Warum eigentlich?

„Mama, ich brauche 15 Euro für Kopien“, ertönt zwischen den Hausaufgaben der Ruf aus dem Kinderzimmer. Und kaum ist die erste Schulwoche vorbei, da taucht zwischen Brotdose und Heften schon die nächste Erinnerung auf: Bitte an das Kopiergeld für die Klassenkasse denken. Aber passt dieses überhaupt noch in die Zeit der Digitalisierung – und wofür wird es eingesetzt? Zwar ist der Besuch staatlicher Schulen kostenfrei, doch Familien müssen weiterhin für Schultaschen, Hefte und vor allem Schulbücher bezahlen. In Rheinland-Pfalz werden sozial schwächere Familien durch Lernmittelfreiheit entlastet und erhalten auf Antrag Bücher sowie bestimmte Materialien kostenlos. Unterstützung für Kopierkosten und andere Verbrauchsmaterialien gibt es allerdings nicht – sie werden vielerorts weiterhin erhoben.

Die Landesschülervertretung Rheinland-Pfalz (LSV RLP) fordert daher die landesweite Abschaffung von Kopier- und Druckgeld. „Bildung darf kein Privileg sein – und das beginnt bereits bei vermeintlich geringen Kosten“, sagt Vorstandsmitglied Emma Lucke. Einen Rechtsverstoß sieht sie zwar nicht, fordert aber, dass „im Sinne der Lernmittelfreiheit an Schulen überhaupt kein zusätzliches Geld für Kopien erhoben werden sollte“. Laut LSV RLP wird dieses Thema mit fortschreitender Digitalisierung an Bedeutung verlieren.

Was das Bildungsministerium sagt

„Das Kopiergeld deckt bei uns vor allem die Kosten für Arbeitsblätter, Portfolios und Bastelpapier ab“, berichtet Schulleiterin Gabriele Steurer von der Integrierten Gesamtschule (IGS) Eisenberg. Zwar spielten Tablets inzwischen eine größere Rolle, aber auf Papier könne man nicht verzichten. „Gerade bei Tests, Zeugnissen oder Bastelarbeiten kommen wir um Papier nicht herum.“ Zehn Euro pro Schuljahr werden erhoben, inklusive eines Euros für die Schulbibliothek. Die Abwicklung erfolgt bisher bar, soll aber künftig digital über das „Klassengeld“ laufen. „Das wird die Abläufe für alle Beteiligten deutlich erleichtern“, ist sich Steurer sicher.

Mit „Klassengeld“ stellt Rheinland-Pfalz als erstes Bundesland ein digitales Werkzeug bereit, um finanzielle Beiträge der Eltern – etwa für Klassenfahrten oder Arbeitsmaterialien – effizient zu verwalten. „,Klassengeld’ ermöglicht Lehrkräften und Eltern eine komfortable, bargeldlose und transparente Abwicklung der Zahlungen“, erläutert Pressesprecher Marius Roll vom Bildungsministerium. Eine generelle Kostenerhebung für Kopien habe keine rechtliche Grundlage, sei aber nicht grundsätzlich unzulässig und widerspreche nicht der Lernmittelfreiheit. Die Höhe und Umsetzung regelten die Schulträger individuell. Wichtig seien eine angemessene Pauschale, transparente Abrechnung und Missbrauchsschutz, so das Bildungsministerium.

Nicht überall hat das klassische Sparschwein ausgedient: Manche Schulen nutzen zwar zum Abrechnen des Kopiergelds die digitalen
Nicht überall hat das klassische Sparschwein ausgedient: Manche Schulen nutzen zwar zum Abrechnen des Kopiergelds die digitalen Möglichkeiten, andere bevorzugen aber nach wie vor die analoge Variante und sammeln die Beiträge in bar ein.

So ist die Lage im Donnersbergkreis

In der Praxis gehen die Schulen und Kommunen im Donnersbergkreis unterschiedlich mit dem Thema um. Die Verbandsgemeinde Eisenberg erhebt als Trägerin für ihre drei Grundschulen in Eisenberg, Kerzenheim und Ramsen keinerlei Papier- oder Kopiergeld – eine Ausnahme. An der IGS Rockenhausen wurde das sogenannte Materialgeld zum neuen Schuljahr von acht auf zehn Euro erhöht, während Eltern an der Gutenberg Realschule plus mit Fachoberschule in Göllheim weiterhin 15 Euro jährlich zahlen; beide Schulen sammeln die Beiträge klassisch in bar ein.

Auch an den Grundschulen der Verbandsgemeinde Göllheim wird ein Beitrag erhoben. Ermäßigungen für Geschwisterkinder oder einkommensschwache Familien sind nicht vorgesehen. Nach Angaben der Verwaltung zahlen Eltern dort seit vielen Jahren pro Kind und Schuljahr fünf Euro Papier- beziehungsweise Kopiergeld – sowohl an der Grundschule in Göllheim als auch in Zellertal. Zusätzlich kommen pro Kind noch zwei Euro für das „ABC der Lebensmittel“ hinzu. Bisher wurde das Geld in bar eingesammelt, zum Schuljahr 2025/26 ist es in Zellertal auf Überweisung umgestellt. „Für unsere Schule ist das Überweisen die einfachste Methode“, sagt Schulleiterin Kerstin Becker von der Grundschule Zellertal.

Von klassisch bis digital

Das Nordpfalz-Gymnasium (NPG) in Kirchheimbolanden nutzt inzwischen vollständig die digitale „Klassengeld“-Lösung. „Wir waren von Anfang an dabei und haben schon in der Pilotphase des Programms mitgewirkt – das ist wirklich eine große Erleichterung“, berichtet der stellvertretende Schulleiter Marco Meisenzahl, der seit 1. August im Amt ist. Wie Schulleiter Thilo Franke, der sich gegen den begriff „Kopiergeld“ wehrt, ergänzt, wird insgesamt ein Jahresbeitrag von 20 Euro erhoben. Dieser verteile sich zu gleichen Veriteln auf den Wasserspender, die Präventionsarbeit mit Referenten, Kanzleipapiert zur Unterstützung der Arbeiten sowie – mit einem Anteil von fünf Euro – auf die Bibliothek. „Da im Unterricht immer häufiger Tablets zum Einsatz kommen, erwarten wir künftig geringere Kopierkosten. Der Beitrag könnte dann auch wieder reduziert werden“, sagt Meisenzahl. Die Umstellung auf das digitale System bringe aber zunächst auch mehr Arbeit mit sich: „Jeder Schüler bekommt eine eigene ID, und ich muss alle Daten persönlich einpflegen, weil meine Kollegen mit der Software noch nicht vertraut sind.“

In den Schulen in Trägerschaft der Verbandsgemeinde Winnweiler wird das Papiergeld weiterhin klassisch eingesammelt, auf ein Verwahrkonto eingezahlt und anschließend für Papier- und Bastelmaterialien verwendet. Bürgermeister Rudolf Jacob: „Das sogenannte Papiergeld gibt es bei uns seit Jahrzehnten – auch schon in Zeiten, als die Kommunen besser ausgestattet waren.“ Die Schulleitungen legten die Höhe fest, meist seien es fünf Euro pro Kind und Schuljahr. Für die Grundschule Sippersfeld mit etwas über 100 Schülern ergebe das beispielsweise maximal eine Gesamtsumme von 600 Euro pro Jahr. „Man muss das ins Verhältnis setzen. Bei einem sechsstelligen Schulbudget sind das wirklich keine großen Beträge“, betont Jacob. Wichtig sei der Verwaltung dabei, dass kein Kind Nachteile habe, wenn Eltern den Beitrag nicht zahlen könnten.

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