Kirchheimbolanden
Warum Jamill Sabbagh den Grünen den Rücken kehrt
Nach elf Jahren ist das Kapitel Grüne für Jamill Sabbagh beendet. Den Grünen-Fraktionen in Kreistag und Stadtrat hat er mitgeteilt, dass er seine Mitgliedschaft aufgegeben hat. Auf den folgenden Gesprächsbedarf der Ex-Parteikollegen ist er eingegangen, aber es war klar, dass sich an seiner Entscheidung nichts mehr ändern würde. Denn Sabbagh, zugleich Vorsitzender der „Donnersberger Initiative für Menschen in Not“, sagt: „Ich kämpfe seit Februar mit mir, konnte morgens im Bad nicht mehr in den Spiegel sehen.“
Seine Kritik zielt ausschließlich auf die Bundespartei, das betont der Stadtbeigeordnete. Und auf den Umgang der Parteispitze mit dem Ukraine-Krieg. „Wir sind die größten Kriegstreiber der Republik geworden“, befindet der 64-Jährige – er sagt im Gespräch ab und an noch „wir“, wenn er von den Grünen redet, meint es aber offenkundig nicht mehr so.
Viel zu früh habe „seine“ Außenministerin Annalena Baerbock „den Pfad der Diplomatie verlassen“, wodurch „wir jetzt schon ein Teil dieses Krieges geworden sind“. Er ist sich sicher: „Mir geht es bestimmt nicht alleine so.“ Gut möglich, dass die Regierungsrolle die Grünen weitere Austritte an der Basis, im Bereich der Kommunalpolitik, kostet.
Keine Ämter in der Kommunalpolitik mehr
Dass er all die bundespolitischen Entwicklungen bei den Grünen nicht mehr mittragen könne, „ändert nichts an meinen kommunalpolitischen Einstellungen“. Da will Sabbagh den Kontakt zu den Grünen-Fraktionen pflegen. Er selbst wird aber von nun an parteilos sein. Und das findet er gar nicht mal so schlecht. „Es ist doch eigentlich eine tolle politische Position, freier kann man in den Entscheidungen ja gar nicht mehr sein“, befindet der Lehrbeauftragte am Geografischen Institut der Uni Mainz.
Mit 64 Jahren brauche er auch keine neue Partei mehr. Weder die SPD, die er einst nach 20 Jahren Mitgliedschaft wegen der Hartz-IV-Regelungen verlassen hatte, noch die Grünen noch irgendeine andere: „Welche Partei wollte die militärischen Einsätze denn nicht?“ Und da er im kommenden Jahr in Rente gehe, sei es so langsam auch an der Zeit, in der Kommunalpolitik Platz für neue Köpfe zu schaffen – nach mehr als 35 Jahren. Bis zum Ende der Legislaturperiode im Jahr 2024 will Jamill Sabbagh als doppelter Beigeordneter noch weitermachen, dann ist Schluss: „Lieber freiwillig von selbst aufhören.“