Rockenhausen
Warum die Wasserrinne in der Innenstadt seit drei Jahren trocken ist
Bis 2019 hat man es in den Sommermonaten bei offenem Fenster vor der Rockenhausener RHEINPFALZ-Redaktion leise, aber stetig plätschern hören. Denn direkt davor steht der Stein, aus dem die Rinne in der Luitpoldstraße mit Wasser gespeist wird. Besser gesagt wurde – denn seit drei Jahren herrscht Ruhe. Grund für die Abschaltung sind die zu hohen Wasserverluste, teilte Stadtbeigeordneter Werner Dietz auf Anfrage mit.
So seien 2019 während des fünfmonatigen Betriebs für die rund 150 Meter zwischen den Einmündungen Speyer- und Schlossstraße umgerechnet sieben Kubikmeter Frischwasser pro Tag benötigt worden. Und das, obwohl es sich bei diesem Abschnitt um einen von sechs geschlossenen Kreisläufen in der Altstadt handelt. Das heißt, die Flüssigkeit wird am Ende der Rinne unterirdisch per Rohre und Pumpen wieder zu ihrem Ausgangspunkt zurückgeleitet – einen kompletten Austausch gibt es nur von Zeit zu Zeit bei Verunreinigungen, etwa durch Algenbildung.
Im Vorjahr weiteren Wasserlauf abgeschaltet
„Bis zu einem gewissen Grad sind Verluste, allen voran durch Verdunstung, völlig normal. Aber dieser Wert war doch deutlich zu hoch“, sagte Dietz. Das gilt in etwas abgeschwächtem Maße für einen zweiten Wasserlauf, der sich in der „oberen“ Luitpoldstraße zwischen den Ecken Allee- und Kreuznacher Straße befindet: Der war bis 2020 noch in Betrieb – nach einem Verbrauch von im Schnitt 1,74 Kubikmetern täglich ist dann im Vorjahr auch diese 200 Meter lange Passage vom Netz genommen worden.
Zum Vergleich: Bei drei weiteren Ringsystemen – den Brunnen an der Linde im Mühlweg, vor dem Kahnweilerhaus und am St.-Theodor-Platz – betrug der durchschnittliche Abgang im Vorjahr zwischen 14 und 154 Litern, also maximal 0,154 Kubikmeter pro Tag. Daneben gibt es nur eine einzige Rinne, die derzeit befüllt wird: das nur etwa 15 Meter lange Stück auf dem Marktplatz, das an dem 2007 errichteten begehbaren Brunnen des Künstlers Stefan Engel endet. Zwar ging auch hier in den beiden vergangenen Jahren mit im Schnitt 1,21 beziehungsweise 1,02 Kubikmetern relativ viel Wasser verloren. Aufgrund der exponierten Lage habe man aber entschieden, diesen Kreislauf weiter zu befüllen, so der Beigeordnete.
VG-Werke empfehlen Sanierung der Rinne
Die Ursache für die genannten negativen Ausreißer in der Luitpoldstraße sehen die Fachleute der VG-Werke laut Dietz in der Beschaffenheit der Rinne. „Das Pflaster sieht zwar schön aus, begünstigt aber offenbar ein stetiges Versickern des Wassers. Empfohlen wird daher eine Umgestaltung oder Sanierung des Unterbaus, ehe die Anlage wieder in Betrieb genommen wird.“ Eine solche Erneuerung werde im Zuge des gerade angelaufenen Förderprogramms zur Fortsetzung der Altstadtsanierung angegangen. „In diesem Zusammenhang möchten wir auch dieses Problem genauer untersuchen und beheben lassen.“
Das bedeutet aber auch: Bis dahin wird die „Grad Gass“, wie die Luitpoldstraße im Volksmund bis heute genannt wird, kein Wasser herunterlaufen. Was übrigens nicht jeder vermissen wird: Gerade für Passanten mit Kinderwagen oder Rollatoren stellte das Nass neben der Fahrbahn aufgrund der ohnehin beengten Verhältnisse ein nur schwer zu überwindendes Hindernis dar. Und wenn Autos mal ein bisschen zu weit nach links beziehungsweis rechts geraten sind, haben Fußgänger schon mal einen kräftigen Schutt abbekommen. Bis auf Weiteres bleiben also in der Rockenhausener Innenstadt alle Füße trocken ...