Kirchheimbolanden
Warum der Gasspeicher unter Kibo trotz drohender Notzeiten nicht gefüllt wird
Der Krieg in der Ukraine, die bereits deutlich gedrosselten Gasmengen, die ihren Weg aus Russland nach Deutschland finden, die Befürchtungen, es könne sogar zu einem Lieferstopp kommen – die Angst geht um, es könne nicht genügend Gas zur Verfügung stehen, um wie gewohnt durch den Winter zu kommen. Die Bundesregierung hat bereits die Alarmstufe ausgerufen. An jedermann wird appelliert, unbedingt Energie zu sparen, damit wir mit prall gefüllten Gasspeichern in die kalte Jahreszeit gehen können.
Die meisten der großen deutschen Gasspeicher sind im Nordwesten des Landes angesiedelt. Mit hoher Priorität wird daran gearbeitet, sie zu befüllen. Dass auch im Kirchheimbolander Untergrund die – theoretische – Möglichkeit besteht, Gas zu speichern, das ist beiläufig wieder in Erinnerung gerufen worden, als über mögliche Areale für den neuen Standort der Feuerwehr gesprochen wurde. Eines davon, beim Grundlosen Brunnen, ist eben auch in direkter Nähe zu einer solchen unterirdischen Anlage.
Seit 2017 außer Betrieb
Und diese Anlage muss dann in diesen Zusammenhang schon zur Sprache kommen, auch wenn sie längst in Vergessenheit geraten ist. Und tatsächlich: „Ein solcher Netzpuffer existiert in Kirchheimbolanden“, bestätigt Dominik Nagel, Sprecher des Wormser Energieversorgers EWR. Der Netzpuffer bestehe aus vier Druckbehältern, die zeitlich versetzt in den Jahren 1993 bis 1997 gebaut und in Betrieb genommen worden seien. Der Zweck: Der Netzpuffer diente dazu, Lastspitzen zu vermeiden, also „akut hohe Nachfrage abzufedern“, wie Nagel erläutert.
Seither aber habe sich die Gesetzeslage verändert: „Als Netzbetreiber dürfen wir rechtlich keinen Gasspeicher betreiben, das untersagt uns das Energiewirtschaftsgesetz aus Entflechtungsgründen“, sagt der EWR-Sprecher. Netz und Vertrieb dürften heute nicht mehr unter einem Dach angesiedelt sein, und somit besitze der Energieversorger gar keine Betriebsgenehmigung mehr für den Netzpuffer. Folglich sei dieser seit 2017 außer Betrieb. Zumal der Puffer ohnehin kaum noch eine Bedeutung hätte, wie Nagel erläutert: „Lastspitzen spielen für Netzbetreiber heute keine große Rolle mehr.“
Verwendung in anderem Kontext
Es sei allzu verständlich, dass beim einen oder anderen nun die Frage aufkomme, ob sich in dem Puffer nicht eine Reserve für Kibo anlegen lasse, befindet der EWR-Sprecher – denn noch immer ist kaum vorhersehbar, wie es bis zum Winter aussehen wird mit den Gasvorräten. „Aber dazu muss man wissen, es ist ein vergleichsweise kleiner Netzpuffer, der aus der Historie heraus besteht. Das ist kein Gasspeicher im eigentlichen Sinne.“ Zum Vergleich: Jeder der vier Druckbehälter im Boden der Kleinen Residenz fasst 224.000 Liter. Diese Menge habe keinerlei Relevanz für die flächendeckende Versorgung eines Gebietes, sagt Nagel. Vereinfacht umgerechnet entspräche das Fassungsvermögen 90.000 Kilowattstunden, „was dem jährlichen Gasbedarf von rund vier durchschnittlichen Haushalten entspricht“.
Der Netzpuffer bleibt außer Betrieb. Warum er bislang nicht ausgebaut wurde und weiter im Kirchheimbolander Untergrund seines unbefüllten Daseins fristet? Zunächst mal verursachten die Anlagen keinen Schaden für die Umwelt und würden regelmäßig überprüft, sagt Nagel. Zum anderen könne EWR nicht ausschließen, „dass eine spätere Verwendung, zum Beispiel im Kontext Wasserstoff, sinnvoll sein könnte“.