Donnersbergkreis Warum bleibt nicht Papa zu Hause?

Fünf Verbandsgemeinden im Donnersbergkreis haben mittlerweile Gleichstellungsbeauftragte. In Winnweiler gibt es zumindest eine Kontaktstelle, von wo aus Anliegen an die Gleichstellungsbeauftragte des Donnersbergkreises, Ute Grüner, weitergeleitet werden. Mit dem gemeinsamen Amt, das einige der Frauen schon lang, andere erst seit kurzem neben ihrer eigentlichen Arbeit ausüben, ist der Wunsch nach regelmäßigem Austausch entstanden – und nach gemeinsamen Projekten, wie die Vertreterinnen der Verbandsgemeinden bei einem Treffen in Kirchheimbolanden der RHEINPFALZ erzählten.
Ein Anliegen, das ihnen allen besonders am Herzen liegt, ist, die Gleichberechtigung von Frau und Mann auch im Familienalltag, bei der Betreuung und Erziehung der Kinder, Wirklichkeit werden zu lassen und dafür Beispiele als Ermutigung zum Nachmachen aufzuzeigen. Noch, so schildern sie, sei es auch in unserer Region vor allem die Frau, die nach der Geburt eines Kindes zumindest zeitweise aus dem Berufsleben aussteigt und in Elternzeit geht. Deshalb wollen die Gleichstellungsbeauftragten Männer, die zugunsten der Berufstätigkeit ihrer Frauen diesen Schritt unternahmen, ermuntern, ihnen zu erzählen, welche Erfahrungen sie mit der Elternzeit gemacht haben. Einen ersten Impuls für dieses längerfristige Netzwerk-Projekt bot zur Kulturnacht in Kirchheimbolanden eine Ausstellung im VG-Rathaus, die „Papa – das neue Modell mit vielen Extras“ – durchaus witzig ins Blickfeld rückte. Die Postkarte, auf der ein junger Mann als Ausschneidefigur abgebildet ist, der man unter anderem ein Baby im Tragetuch überziehen kann, soll nachwirken. Sie enthält nämlich die Bitte, mit den Gleichstellungsbeauftragten Kontakt aufzunehmen, ihre Erfahrungen als „neue Papas“ im Guten wie Verbesserungswürdigen zu schildern und „damit künftigen Vätern Mut (zu) machen, diesen Weg auch zu gehen“. Bisher, so räumen die Gleichstellungsbeauftragten ein, ist die Reaktion auf die Postkarten-Aktion verhalten: Ein Vater, berichtet die Gleichstellungsbeauftragte des Donnersbergkreises, Ute Grüner, habe sich bisher bei ihr gemeldet, zwei Väter hat die Rockenhauser Gleichstellungsbeauftragte Petra Greß zum Mitmachen gewinnen können. Einen nächsten kleinen Schritt hin zum großen Ziel können Väter schon in diesem Monat, dem Vorlesemonat November, unternehmen. Zwar hat der Anteil der Väter, die ihren Kindern vorlesen, zugenommen, doch immer noch tut das ein Viertel von ihnen nie oder selten – aus Zeitmangel. Ansporn sollen auch hier Vorleseaktionen mit Papas sein, die in allen Verbandsgemeinden geplant sind, entweder in Bibliotheken oder in Buchläden: Auftakt soll am heutigen Samstag, 11.30 Uhr, in Göllheim sein, am 15. November folgt um 10.30 Uhr die Kirchheimbolander Buchhandlung Sattler, am 21. November, dem eigentlichen bundesweiten Vorlesetag, sind Aktionen in Rockenhausen um 14 Uhr, Eisenberg um 16.30 Uhr und Alsenz, 8.30 Uhr, geplant, den Abschluss bildet Winnweiler am 30. November um 14 Uhr. In der Kirchheimbolander Buchhandlung „Manar“ ist eine Vorleseaktion bereits ausgebucht. Engagiert sind die Gleichstellungsbeauftragten, die bis auf Sabine Schanz aus Eisenberg alle Verwaltungsangestellte sind, in weiteren Projekten, so zum Beispiel während der laufenden Friedenstage mit der Fahnenaktion „Nein zu Gewalt an Frauen – Frei leben ohne Gewalt“; am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen, dem 25. November, wird diese Fahne in Eisenberg gehisst. Danach wird im Sitzungssaal des Eisenberger VG-Rathauses der Film „Aber das Leben geht weiter“ gezeigt, in dem sich die Lebenswege dreier deutscher und polnischer Frauen nach dem Zweiten Weltkrieg kreuzen. Für Rockenhausen verweist Petra Greß auf einen weiteren Aspekt, den integrationsfördernden Austausch, wie er sehr gut mit dem türkisch-islamischen Kulturverein funktioniere. Das biete die Chance, auch diesen Frauen bei Bedarf Hilfestellungen zu geben. Sabine Schanz, erst seit August und damit Jüngste im Amt, arbeitet selbstständig in Projektmanagement und Consulting, bringt aber in die Runde aus Verwaltungsfrauen wertvolle Erfahrung aus fast 30 Jahren Industrie-Tätigkeit ein. Entsprechend schweben ihr unter anderem auch Themen wie „Warum verdienen Frauen weniger?“ oder „Frauen in Führungspositionen“ vor. (bti)