Kirchheimbolanden RHEINPFALZ Plus Artikel Warum 16 Bürger 1379 Briefe von der Stadt erhalten haben

Viele Einladungen für die Seniorensitzung wurden verschickt – aber an nur wenige Kerchemer.
Viele Einladungen für die Seniorensitzung wurden verschickt – aber an nur wenige Kerchemer.

Die Rahmenbedingungen, Wetter und Corona, waren schwierig. Es gibt aber noch einen weiteren Grund dafür, dass die Seniorensitzung der Fasnachter in der Kleinen Residenz nicht so gut besucht war wie gewohnt. Und dafür, dass sich 16 Postempfänger verwundert die Augen gerieben haben.

Ja, noch immer sind gerade die vulnerablen Gruppen dazu aufgerufen, sich nicht ungehemmt den Risiken einer Infektion mit dem Coronavirus auszusetzen. Und ja, die Witterungsverhältnisse waren alles andere als ideal am ersten großen Sitzungswochenende der Fasnachtssession: Am Tag vor der Seniorensitzung in Kibo, dem 21. Januar, hatte der Wettergott den Donnersbergkreis in eine weiße Winterlandschaft verwandelt. Aber nein, das waren offenkundig nicht die einzigen Gründe dafür, dass die traditionelle Fasnachtsveranstaltung so ungewohnt wenige Besucher angezogen hat. Vielmehr spielt auch eine Panne beim Versenden der Einladungen eine Rolle, die vom einen oder anderen Kirchheimbolander bereits augenzwinkernd als „Kerchemer Datenleak“ gebrandmarkt wurde.

Panne beim Serienbrief-Programm

Nur ganze 16 der 1379 älteren Bürger, die auf dem Postweg eingeladen werden sollten, haben im ersten Versuch ihren Brief erhalten. Genauer muss man sagen: Briefe. 15 Senioren haben nämlich 90 Schreiben bekommen und eine(r) deren 29. Was war passiert?

Die Stadt wollte die 1379 Einladungen logischerweise an 1379 Adressaten verschicken. Dafür kam eine Dienstleistung der Post namens „ePostBox“ zum Einsatz. Mit dieser können die Briefe vollständig elektronisch anhand von Serienbriefen erstellt werden. Bei der Post werden diese dann ausgedruckt, kuvertiert und versandt. Aufgrund eines Bedienfehlers wurden diese 1379 Briefe jedoch in riesigen Päckchen zusammengefasst und an 16 Bürger verschickt. Diese 16 Kirchheimbolander beziehungsweise Kirchheimbolanderinnen erhielten also große Kuverts mit einer Vielzahl von Anschreiben – eines, das tatsächlich an sie gerichtet war, und 89 Einladungen, die für andere Kerchermer bestimmt waren.

Umschläge im Stadtgebiet eingesammelt

Nachdem sich einer dieser Vielfach-Empfänger irritiert an die Stadt gewandt hatte, habe diese umgehend reagiert, schildert Stadtbürgermeister Marc Muchow. Zum einen: Es wurden neue Einladungen rausgeschickt. Diesmal mit viel Bedacht – alles ging gut, alle Briefe sind an ihrem Bestimmungsort angekommen. Laut Muchow, der etliche Gespräche geführt hat, allerdings erst frühestens ein bis zwei Tage vor der Sitzung – und: „Ich weiß leider auch von Leuten, die die Einladung erst nach dem Wochenende erhalten haben.“ Also nach der Sitzung.

Reaktion Nummer zwei: In Zeiten, in denen das Thema Datenschutz allenthalben ganz groß geschrieben wird, musste diesem nun – so weit noch möglich – Genüge getan werden. Denn 16 Bürger hatten eine Vielzahl von Adressen erhalten, die sie, mal ganz überspitzt formuliert, durchaus als Grundstock zur Gründung eines eigenen Direktvertriebs für seniorengerechte Produkte hätten verwenden können.

Meldung an Landesdatenschutzbeauftragten

Daher seien die 16 informiert worden, die Umschläge doch bitte nicht zu öffnen, falls noch nicht geschehen. Die Großkuverts seien im gesamten Stadtgebiet eingesammelt worden, „und sie waren größtenteils auch noch verschlossen“, berichtet Muchow. Bei jenen Kuverts, die bereits geöffnet worden waren, gehen jeweils Schreiben an die 89 Adressaten der innenliegenden Einladungen: mit dem Hinweis, dass ihre Anschrift Teil des „Kerchemer Datenleaks“ ist.

Zudem wurde der Landesdatenschutzbeauftragte Dieter Kugelmann informiert, wie Muchow und Tristan Werner, der Büroleiter der VG-Verwaltung, unisono erläutern. Laut Kugelmann hat Kibo keine Konsequenzen aus der Datenpanne zu erwarten. Natürlich handele es sich um eine Verletzung des Datenschutzes, aber in der Folge sei das Vorgehen der Verantwortlichen vorbildlich gewesen. „Zunächst mal wurde die Datenpanne innerhalb der vorgegebenen Frist gemeldet“, erläutert Kugelmann auf RHEINPFALZ-Nachfrage. „Wir schauen dann, ob einfach ein Fehler passiert ist oder ob strukturell etwas schief läuft“, es also Probleme mit dem Datenschutzmanagement gibt. Letzteres sei definitiv nicht festzustellen gewesen.

Panne könnte Thema bei nächster Fasnacht werden

„Zudem handelt es sich bei den Einladungen und Adressen nicht um besonders sensible Daten“, sagt Kugelmann. „Die Panne stellt daher kein besonders hohes Risiko für die Privatsphäre dar.“ Wären nun Gesundheitsdaten oder Steuerbescheide falsch verschickt worden, hätte die Sache anders ausgesehen. Dass nun sogar die letztendlich tatsächlich Betroffenen informiert würden, sei in diesem Fall gar nicht erforderlich. „Aus unserer Sicht ist das Verfahren beendet“, sagt Kugelmann.

Laut Tristan Werner hat es auch schon gleich weitere Schulungen für den Umgang mit „ePostBox“ gegeben, und ein Vier-Augen-System wurde eingeführt. Im nächsten Jahr sollte also alles glatt gehen – gut möglich aber, dass das „Kerchermer Datenleak“ dann Einzug in manch Büttenrede halten wird.

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