Winnweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Wahlnachlese: Rudolf Jacobs gallische Dörfer

Am unteren Bildrand zu sehen: Rudolf Jacob hatte sicherheitshalber einige Bier kaltgestellt.
Am unteren Bildrand zu sehen: Rudolf Jacob hatte sicherheitshalber einige Bier kaltgestellt.

Für Helena Gomes Oester war die Wahl eine Familienunternehmung. Sonja Schäfer-Reisch hatte ein anderes Ergebnis erwartet. Und Rudolf Jacob scheiterte mal wieder an einem gallischen Dorf. Die Nachlese zur Bürgermeisterwahl in Winnweiler.

Schon bei der vorhergehenden Bürgermeisterwahl im Jahr 2015 war es Rudolf Jacob gelungen, die politische Karte der Verbandsgemeinde schwarz einzufärben – allerdings nicht in Gänze. Damals hatte sich Wartenberg-Rohrbach als gallisches Dorf entpuppt, in dem die damalige SPD-Bewerberin Stephanie Kloos zwölf Stimmen mehr als Jacob einheimste. Diesmal lag der Amtsinhaber dort mit einem Stimmenanteil von 67,7 Prozent sogar leicht besser als bei seinem Gesamtergebnis. Und sicherte sich, als gemeinsamer Kandidat von CDU und FWG, tatsächlich 17 Erfolge in 17 Stimmbezirken.

Gedanken zur Wahlbeteiligung

Allerdings machte wiederum ein einziger Stimmbezirk einen kleinen Strich durch die aus Jacobs Sicht so erfolgreiche Rechnung: Wäre da nicht der nur knappe Erfolg in Alsenbrück-Langmeil gewesen (mit 45,8 Prozent der Stimmen), dann hätte die Statistik sogar 17-mal die absolute Mehrheit ausgewiesen. „Ein kleiner Schönheitsfehler“, kommentierte der Wahlsieger schmunzelnd. So bleibe ein Ziel für die nächste Wahl, die allerdings in ferner Zukunft liegt: Die neue Amtszeit beginnt 2024, dauert bis März 2032. Über die nächste Wahl könne man sich daher frühestens „in fünf, sechs Jahren Gedanken machen“, sagte Jacob.

Das eindeutige Wahlergebnis in Winnweiler – für Jacob auch eine Bestätigung seiner Entscheidung aus dem Jahr 2021, das Thema Berlin ad acta zu legen. Damals war er einer von drei Bewerbern um die CDU-Direktkandidatur bei der Bundestagswahl. Wenige Tage vor der Abstimmung aber erklärte er seinen Rückzug und überließ Xaver Jung und Michael Littig das Feld. Die Delegierten kürten schließlich Jung, der bei der Wahl jedoch an SPD-Mann Matthias Mieves scheiterte.

Jene Bundespolitik – wie auch die Landespolitik – macht Jacob mitverantwortlich für die schwache Wahlbeteiligung von 47,5 Prozent – nochmal geringer als bei der Bürgermeisterwahl in Göllheim im März. Er sieht bei den Menschen stetig wachsende Unzufriedenheit mit den Ampelkoalitionen, aber auch mit der „schwachen Performance“ der CDU in Mainz und Berlin, wie er einräumt.

Unterlegene unterschiedlich gut drauf

Schon am Wahlabend hatte Sonja Schäfer-Reisch die geringe Wahlbeteiligung zum Thema gemacht. Ob sie ihrem erklärten Ziel, eine Stichwahl zu erzwingen, denn bei höherer Wahlbeteiligung näher gekommen wäre? Zumindest habe sich ihre Partei zuletzt in Bund und Land „nicht mit Ruhm bekleckert“, sagte die SPD-Kandidatin. Das könne schon den einen oder anderen Stammwähler abgehalten haben. Hinzu komme, dass Rudolf Jacob deutlich mehr im Wahlkampf investiert habe und dass es sie womöglich auch Stimmen gekostet habe, dass in Helena Gomes Oester eine zweite Frau angetreten ist, mutmaßte Schäfer-Reisch. Dass sie mit einem Stimmenanteil von 23,9 Prozent ihr Ziel so deutlich verpasst habe, darüber sei sie schon überrascht, gestand sie. „Ich hatte im Wahlkampf mit vielen Bürgern geredet und viel Zuspruch bekommen.“

Ganz anders die Gefühlswelt bei Einzelbewerberin Gomes Oester, auch am Tag nach der Wahl. „Mein Wahlkampfteam bestand aus Familie und ein paar Freunden – insgesamt sechs Leute“, schilderte sie. „Zudem hatte ich mich ja erst ganz kurzfristig entschlossen, den Hut in den Ring zu werfen.“ Ein Ergebnis im zweistelligen Prozentbereich sei mehr, als sie habe erwarten dürfen. 10,2 Prozent waren es am Ende. „Das sollte auch anderen Mut machen, als Einzelbewerber in ihrer Kommune anzutreten“, sagte Gomes Oester.

So wurde in den Ortsgemeinden gewählt

Börrstadt: Jacob 63,7 Prozent; Schäfer-Reisch 25,9; Gomes Oester 10,4; Wahlbeteiligung 47,6 Prozent

Breunigweiler: Jacob 70,0 Prozent; Schäfer-Reisch 21,7; Gomes Oester 8,3; Wahlbeteiligung 50,7 Prozent

Falkenstein: Jacob 50,7 Prozent; Schäfer-Reisch 33,3; Gomes Oester 16,0; Wahlbeteiligung 46,4 Prozent

Gonbach: Jacob 64,2 Prozent; Schäfer-Reisch 27,8; Gomes Oester 8,0; Wahlbeteiligung 52,0 Prozent

Höringen: Jacob 72,2 Prozent; Schäfer-Reisch 19,6; Gomes Oester 8,3; Wahlbeteiligung 49,9 Prozent

Imsbach: Jacob 65,6 Prozent; Schäfer-Reisch 16,5; Gomes Oester 18,0; Wahlbeteiligung 54,5 Prozent

Lohnsfeld: Jacob 72,0 Prozent; Schäfer-Reisch 18,4; Gomes Oester 9,7; Wahlbeteiligung 44,9 Prozent

Münchweiler: Jacob 69,8 Prozent; Schäfer-Reisch 21,9; Gomes Oester 8,4; Wahlbeteiligung 46,5 Prozent

Schweisweiler: Jacob 76,7 Prozent; Schäfer-Reisch 14,4; Gomes Oester 8,9; Wahlbeteiligung 34,8 Prozent

Sippersfeld: Jacob 69,4 Prozent; Schäfer-Reisch 21,6; Gomes Oester 9,0; Wahlbeteiligung 47,9 Prozent

Steinbach: Jacob 74,7 Prozent; Schäfer-Reisch 18,1; Gomes Oester 7,1; Wahlbeteiligung 40,7 Prozent

Wartenberg-Rohrbach: Jacob 67,6 Prozent; Schäfer-Reisch 21,1; Gomes Oester 11,3; Wahlbeteiligung 40,1 Prozent

Winnweiler: Jacob 61,1 Prozent; Schäfer-Reisch 28,7; Gomes Oester 10,2; Wahlbeteiligung 48,5 Prozent

Alles zur Wahl in Winnweiler finden Sie in unserem Liveblog.

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