Donnersbergkreis Wahlanalyse im Donnersbergkreis: AfD will die Hochburg
47.266 Wählerinnen und Wähler aus dem Donnersbergkreis gaben bei der Bundestagswahl ihre Stimme ab. Das entsprach 81,9 Prozent der Wahlberechtigten und sorgte allerorts vor allem für positive Reaktionen. „Das ist eine sehr gute Zahl, ich bin ja generell eher für eine Wahlpflicht, weil ich es für sehr wichtig halte, dass man seine Stimme abgibt“, erklärte beispielsweise der wiedergewählte Landrat Rainer Guth. Eher kontrovers wurde hingegen über das Wahlergebnis im Landkreis diskutiert. Auch wenn die AfD im Donnersbergkreis mit 25,7 Prozent der Zweitstimmen noch knapp hinter der CDU (26,0) zweite Kraft wurde, sah das im gesamten Wahlkreis Kaiserslautern anders aus. Dort siegte die AfD bei den Zweitstimmen mit 25,9 Prozent vor der CDU (24,9) – der hiesige Wahlkreis ist damit neben Gelsenkirchen der einzige in den westdeutschen Bundesländern, den die AfD gewinnen konnte.
Für Jaqueline Rauschkolb, Kreisvorsitzende der SPD, bedeutete dieses Ergebnis neben dem Abschneiden der eigenen Partei den härtesten Dämpfer am Wahlabend. „Erschreckend“, nannte sie den Zuwachs der AfD, die im Donnersbergkreis 2021 noch bei 12,1 Prozent lag. Während die rechtspopulistische Partei nun aber ihr Ergebnis mehr als verdoppeln konnte, verlor die SPD im Vergleich zur letzten Wahl selbst 12,4 Prozentpunkte, rauschte von der früher fast schon obligatorischen Spitzenposition im Landkreis auf den dritten Rang ab – mit nur noch 20,5 Prozent. Analysieren will sie das nun gemeinsam mit ihrer Partei – auch für die kommenden Aufgaben auf Landesebene die richtigen Schlüsse ziehen, wie das Vertrauen der Wähler zurückgewonnen werden könnte. Diese setzten im Donnersbergkreis, wie auch auf Bundesebene, mehrheitlich auf die AfD und die CDU. Während in den Verbandsgemeinden Kirchheimbolanden und Eisenberg die Rechtspopulisten vorne lagen, hatten die Christdemokraten im Nordpfälzer Land und den Verbandsgemeinden Winnweiler und Göllheim die Oberhand. Frank Burgdörfer, CDU-Kreisvorsitzender, wertete das Ergebnis vor allem deshalb als „historisch“, weil man damit eine eigentliche Hochburg der SPD eingenommen habe. „Die kamen uns aber quasi entgegen, haben viele Stimmen verloren“, äußerte sich Burgdörfer am Wahlabend. Auch er will den Fokus künftig aber darauf legen, die Menschen vor Ort wieder stärker von den Werten der Demokratie zu überzeugen – „und mit Inhalten“, wie er betonte.
AfD will auch ohne Wahlkampf nahbar bleiben
Die AfD zeigte sich mit ihrem Ergebnis ebenfalls zufrieden. „Wir hatten schon ein Ergebnis oberhalb der 20 Prozent erwartet“, sagt Damian Lohr, stellvertretender Kreisvorsitzender der Partei. Bereits bei der Europawahl im vergangenen Jahr hatte sich das Kreisergebnis um einige Prozentpunkte oberhalb des Bundesdurchschnitts bewegt. Das wiederholte die AfD nun. Wird die Region also zur blauen Hochburg? „Wir wollen das schon gerne ausbauen und auch weiterhin präsent, nahbar und greifbar bleiben. Auch wenn keine Wahlen sind“, sagt Lohr, der unter anderem die vielen Infostände und Großveranstaltungen als Gründe für das gute Wahlergebnis im Kreis sieht.
Ein Blick auf die Resultate im Kreis offenbart allerdings keineswegs nur schwarze und blaue Punkte. In einigen Ortsgemeinden – wohl gemerkt sind bei den Ergebnissen auf Gemeindeebene aber die Briefwahlstimmen nicht mit eingerechnet – gewinnt die SPD bei den Zweitstimmen. Im Nordpfälzer Land, eigentlich traditionell eher sozialdemokratisch geprägt, ist dies noch in sechs Gemeinden der Fall. Einzige weitere Ausreißer sind Falkenstein, Steinbach (beide VG Winnweiler) und Mörsfeld (VG Kirchheimbolanden), wo ebenfalls die SPD vorne steht. Ansonsten dominiert die AfD bei der Urnenwahl – und das mitunter deutlich. In Wartenberg-Rohrbach beispielsweise kommt die Partei auf 47,6 Prozent, während die CDU mit 18,3 zweitstärkste Partei ist. In Albisheim (39,4), Göllheim (39,1) und Biedesheim (38,3) ist es an der Urne ebenfalls deutlich. Letztlich ist das aber auch ein Indiz dafür, dass bei der Briefwahl generell eher andere Parteien vorne standen.
Grüne Überraschung im Nordpfälzer Land
Für einen an diesem Wahlabend eher unerwarteten Ausreißer sorgte die kleine Gemeinde Schönborn in der VG Nordpfälzer Land, die knapp 100 Einwohner zählt. Dort lagen die Grünen (23,9 Prozent) überraschend vorne und auch die Linke (17,4) erreichte ein für den Kreis ungewöhnlich hohes Ergebnis. In Bennhausen (VG Kirchheimbolanden), wo zuletzt öfter die Grünen gewannen, reichte es diesmal aber nicht. Mit 26,2 Prozent lagen die Grünen dort aber ebenfalls auf dem zweiten Platz und deutlich über ihrem Kreisergebnis.
