Donnersbergkreis Wörtlich: Panorama-Blick, Wasserscheide und der gute Orbiser „Quetscheschnaps“
Ein Blick auf das neue Foto sagte mir gleich: Das kann nur Orbis sein! Warum? Vor einigen Wochen machte ich zusammen mit weiteren neun Wanderfreunden eine Wandertour von der Quelle der Selz über Morschheim, Mauchenheim bis nach Weinheim in Rheinhessen, allerdings in zwei Etappen. Zunächst machte ich als Wanderführer die „Vortour“. (...) Die Selz, ein kleiner Bach, entspringt hier an einer kleinen mit Bäumen und Sträuchern umgebenen parkähnlichen Stelle und fließt dann Richtung Morschheim, Alzey weiter, bis sie in Ingelheim in den Rhein mündet. Parallel zur Selz verläuft praktisch der Wanderweg, der sogenannte Geschichtsweg, übrigens sehr zu empfehlen. Bei dem Gebäude an der Selzquelle handelt es sich um das ehemalige Milchhäuschen, hier diente das kühle Wasser der Selz (immer zirka sieben Grad) zum Kühlen der Milch und der Butter, also man dachte damals schon sehr praktisch. Auf der einen Seite von Orbis blickt man zum Donnersberg, auf der anderen Seite Richtung Alzey, wo man schon die Talbrücke bei Weinheim (Autobahnbrücke) sehr gut erkennen kann. Gerhard und Sylvia Hager, Alsenbrück-Langmeil: Der gesuchte Ort mit „Panorama-Blicken“ zum Donnersberg und ins Selztal lautet: Orbis. (...) Als Ausflugsziel von Orbis wäre eine Wanderung zum Napoleonstein beim ehemaligen Forsthaus Vorholz möglich. Der „Stein“ wurde zur Erinnerung der Hochzeit von Napoleon im April 1810 mit der Erzherzogin von „Oestreich“, Maria Louise, errichtet. Claus Becker, Mauchenheim: Orbis oder Orwis, wie das Dorf von den Bewohnern der umliegenden Dörfern genannt wird, hat diesen Namen nicht von ungefähr. Denn 1421 hieß das Dorf Orwiße, neben mehr als einem Dutzend anderer Namen im Laufe der Geschichte. Also hat sich dieser Name im Langzeitgedächtnis der nachfolgenden Generationen eingeprägt. Weil der Zwetschgenbaum in der Gemarkung besonders gut gedeiht, werden die Orbiser mit dem Zusatz „Quetsche“ bedacht, was dazu führte, dass Orbis die Quetschekerwe feiert und auch eine Quetschekönigin gekürt hat. Aber auch den Quetscheschnaps durfte man trinken, wenn einst Familienfeste stattfanden oder man die „Mäd“ in Orbis besuchte. (...) Der Koppelberg am südlichen Rande von Orbis, auf dem Bild nicht zu sehen, war Jahrzehnte mit einer Radarstation von den Amerikanern „besetzt“. Diese Erhebung hatte militärische Bedeutung, denn von dieser Höhe hat man eine gute Fernsicht bis nach Frankfurt. So wurde die Anhöhe in ein großes Kaisermanöver vor dem ersten Weltkrieg mit einbezogen. Diese Überlieferung stammt von meinem Großonkel, der bei den Kaiserlichen gedient hatte. Werner Siebold, Mauchenheim: Orbis grüßt von oben, auf einer Wasserscheide. Gleich in drei Richtungen fließt es davon: Erstens ist da die Selzquelle, außerdem Richtung Wiesbach und auch noch zur Pfrimm hin und jeweils schnurstracks gen Rheinhessen. Wen wundert’s jetzt, dass Orbis außerdem nur einen Steinwurf vom höchsten Punkt Rheinhessens, dem 358 Meter hohen Kappelberg im Vorholz, entfernt ist?