Donnersbergkreis Wörtlich: Kindheitserinnerungen an eine Dorf-Institution

Bei unserem letzten Luftbild gesucht: Stetten.
Bei unserem letzten Luftbild gesucht: Stetten.
Kurt Büttler, Alzey:

„Bei dem gesuchten Ort handelt es sich um Stetten. Obwohl ich schon seit über 50 Jahren nicht mehr da wohne, habe ich es sofort erkannt. Charakteristisch am ,Oliggarten’, von der Wassergasse, Burgstraße, Borngasse und der Steigstraße begrenzt. Aufgewachsen bin ich in der Steigstraße, die einzige Stelle, wo man in den Oliggarten kann, ohne durch Häuser zu gehen. Dazu prägende Erinnerungen aus meiner Kindheit: Der Oliggarten war tabu für uns. Wenn es uns trotzdem einmal gelang, dort hinein zu kommen, war es fast wie ein Fluch, dass irgendwann eine laute, dominante Stimme erklang, die unüberhörbar Folgendes brüllte: ,Schaffen eich aus em Olichgarte erraus!’ Die Stimme gehörte Emil Stein (,Steinevadder’), dessen Haus in der Steig genau gegenüber dem mit einem Drahttor gesicherten und gut einsehbaren Eingang lag. War Sichtkontakt, sind wir der Aufforderung gefolgt. Aber verpetzt hat er uns nie. ,De Steinevadder’ war eine Institution des Ortes in den 50er Jahren: Ortsschelle, Hühnerhof, Makler und Händler, Vater von neun Kindern und guter Geist im Ortsgeschehen, Besitzer eines Fernsehgerätes und am Abend Treffpunkt der halben Steig.“

Der „gut gesicherte Eingang zum Oliggarten“: Das Foto entstand Ende der 1950er Jahre bei der Hochzeit einer Tochter des „Steinev
Der »gut gesicherte Eingang zum Oliggarten«: Das Foto entstand Ende der 1950er Jahre bei der Hochzeit einer Tochter des »Steinevadders«. Der Junge in kurzen Hosen in der Bildmitte ganz in Weiß ist Kurt Büttler als Elfjähriger.
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