ROCKENHAUSEN RHEINPFALZ Plus Artikel Vorerst letzte Ausstellung im Kahnweilerhaus

Dieter Kränzlein vor einer seiner Arbeiten, die im Kahnweilerhaus gezeigt werden.
Dieter Kränzlein vor einer seiner Arbeiten, die im Kahnweilerhaus gezeigt werden.

„Schlicht, kraftvoll, klar und aufs Äußerste reduziert“: So charakterisiert Laudatorin Betha Maier-Kraushaar die Arbeiten des Bildhauers Dieter Kränzlein, die zur Zeit im Kahnweilerhaus gezeigt werden. Es wird auf unbestimmte Zeit die letzte Ausstellung sein in dem alten Fachwerkgebäude.

Dieter Kränzlein habe sein Handwerk in einer Steinmetzlehre gelernt und sich über die Jahre weitergebildet. „Er ist ein etablierter und angesagter Künstler mit internationalem Ansehen und hat bereits Ausstellungen in der Schweiz, in Frankreich, Hongkong und in den USA gehabt“, erläuterte Maier-Kraushaar.

Zu seinem umfangreichen Oeuvre zählen nach ihren weiteren Ausführungen neben monumentalen Steinskulpturen für den öffentlichen Raum - darunter ein etwa 4,30 Meter hohes Segel für die Gemeinde Neckarwestheim – auch mittlere und kleinere Formate mit einer differenzierten Formensprache“, legte die Kunsthistorikerin vom Stuttgarter Kunsthaus Fischer in ihrer Einführung in die Ausstellung dar.

Arbeit zwischen zwei Polen

Die Arbeit eines Bildhauers erfolge zwischen zwei Polen. Auf der einen Seite stehe das Material selbst, das der Künstler wirken lassen kann, auf der anderen Seite stehe der Wille des Künstlers, seine eigenen Ideen zu verwirklichen und das Material zu verändern, führte die Laudatorin weiterhin aus. „Wir sehen hier also Naturstein, die gebrochenen Kanten, die spröden Details des Natursteins, aber ebenso künstlerisch geschaffenen Oberflächen und prägnant geometrische Formen wie Quader oder Platten. Kränzlein geht sogar noch einen Schritt weiter und raubt dem Stein seinen eigentümlichen Charakter: Der Stein wirkt weich und leicht, fast wie ein Kissen“, sagte die Kunstexpertin.

Dem widerspenstigen Material eine Gestalt abzutrotzen, erfordere handwerkliches Geschick, sehr viel Geduld und Konzentration. Kränzleins Arbeitsinstrument sei vor allem die Flex. Gezeigt werde in der Ausstellung auch eine weitere Werkgruppe, nämlich die Steinschnitte. Es sind Hochdrucke, bei denen die Platte bearbeitet und als erhabene Fläche abgedruckt wird. Als Druckfarbe diene dem Künstler gebundener, gefärbter Marmorsand. Die Linienführungen und kristallinen Oberflächen spiegelten das Licht wieder und verliehen ihnen eine eigentümliche Tiefenwirkung. Es sei, als wolle Kränzlein mit ihrem Schimmern dazu verführen, ins Innere der Arbeiten zu schauen, wo er das Licht in seiner ganzen Strahlkraft eingefangen hat, fügte Maier-Kaushaar an.

Kunst und Natur im Dialog

Zusammenfassend gab die Laudatorin schließlich zu verstehen: „Dieter Kränzleins Arbeiten sind trotz dynamischer Oberflächengestaltung schlicht, kraftvoll, klar und aufs Äußerste reduziert. Sie bestechen durch eine unprätentiöse Einfachheit. Sie zeigen das dialogische Verhältnis von Kunst und Natur und sind Symbole der Vergänglichkeit und Wiedergeburt. Sie sind still und aufregend zugleich, denn mit ihrer haptischen Oberfläche und taktilen Sinnlichkeit sprechen sie sehr unseren Tastsinn an, so dass uns jede der Arbeiten in ihren Bann zieht. Wir wollen sie geradezu begreifen, denn die ästhetische Erfahrung dieser Arbeiten hat für den Betrachter etwas lustvoll Besetztes und endlich Schönes, das die Geschwindigkeit der Zeit für einen Moment ausbremst.“

Die Ausstellung ist bis zum 30. Oktober zu den üblichen Öffnungszeiten donnerstags bis sonntags von 15 bis 17 Uhr zu besichtigen.

Kahnweilerhaus muss dringend saniert werden

Die Kränzlein-Präsentation wird wohl auf unbestimmte Zeit die letzte Ausstellung im Kahnweilerhaus sein. „Das alte Haus muss unbedingt renoviert werden und darf auch nicht mehr beheizt werden, da die Kamine schadhaft sind“, gab Luise Busch vom Arbeitskreis Kahnweilerhaus zu verstehen. Damit endet vorerst ein 36 Jahre währender kontinuierlicher Kunstbetrieb. In dieser Zeit „hat der Arbeitskreis Kahnweilerhaus hier circa 200 Ausstellungen veranstaltet, wobei Malerei, Grafiken, Skulpturen und Installationen zu sehen waren.“

Dafür, dass das in dieser Zeit möglich war, dankte Luise Busch den Mitgliedern des Arbeitskreises für ihr Engagement, „denn ohne sie wäre dies alles nicht möglich gewesen“. Sie möchte die Kunstinteressierte in der Region ermuntern, die zunächst letzte Gelegenheit zum Besuch des Kahnweilerhauses zu nutzen und sich die jetzige Ausstellung anzuschauen.

Der Arbeitskreis bleibt indes weiter am Ball. Seine künftigen Ausstellungen werden im Museum Pachen stattfinden, auch die Dokumentationen aus dem Kahnweilerhaus sollen dorthin verlagert werden. Ob es künftig wieder Ausstellungen geben könne in dem Fachwerkhaus am Marktplatz, sei bislang offen. Busch beruft sich auf Informationen aus einem Gespräch mit Stadtbürgermeister Vettermann . bus

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