Waldgrehweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Vor 150 Jahren gepflanzt: Die Friedenslinde als grünes Mahnmal der Geschichte

In der Waldgrehweilerer Dorfmitte, am Zusammenfluss von Ransenbach und Moschel, steht die Friedenslinde. Am 5. März vor 150 Jahr
In der Waldgrehweilerer Dorfmitte, am Zusammenfluss von Ransenbach und Moschel, steht die Friedenslinde. Am 5. März vor 150 Jahren wurde sie gepflanzt.

In der Dorfmitte, am Zusammenfluss von Moschel und Ransenbach, steht eher unbeachtet als lebendes Mahnmal der Geschichte die Waldgrehweilerer Friedenslinde. Am Freitag, 5. März, jährt sich ihre Pflanzung, die zum Ende des deutsch-französischen Krieges vorgenommen wurde, zum 150. Mal.

Dem Streben nach der Vorherrschaft in Europa und als Reaktion auf die „Emser Depesche“ folgte am 19. Juli 1870 Frankreichs Kriegserklärung an Preußen. Die Nordpfalz spielte in diesem Krieg eine nicht unbedeutende Rolle. Bereits 1868 war der Chef des preußischen Generalstabs Helmuth Graf von Moltke mit Gefolge zu Besuch und befand das Terrain beim Donnersberg als ideales Schlachtfeld. Längs der Kaiserstraße sollten die feindlichen Truppen empfangen und in einer Flankenstellung von Alsenz über Kirchheimbolanden und Marnheim bis Eisenberg von 200.000 Soldaten in die Zange genommen werden. Diese militärische Idee blieb zum Glück nur Fantasie. Zwar begannen die Kampfhandlungen am 2. August 1870 mit einem französischen Vorstoß auf Saarbrücken, doch die Front verlagerte sich schließlich auf französischen Boden.

Zwei Jahre zuvor hatten die Bayern wieder eine Wehrpflicht eingeführt, nun folgten Rekrutierungen. Während man im Elsass kämpfte, bezog der preußische Prinz mit seinem Stab sein Nachtquartier im Forstamt Winnweiler. Ständig rückten neue Truppen nach und durchzogen die Nordpfalz in Richtung Frontlinie. Der Finkenbacher Pfarrer notierte: „Die ersten Truppen zum Krieg gegen Frankreich marschieren in Richtung Südwesten: brandenburgische Armeekorps. Eine halbe Kompanie, die vor dem Dorfe Rast macht, wurde mit Lebensmitteln versorgt.“ Es folgten Einquartierungen: eine Batterie Oldenburger vom 10. Artillerie Regiment und zwei Kompanien vom 78. Infanterie-Regiment.

Oldenburger in der Nordpfalz

In Waldgrehweiler lagen drei Kompanien Oldenburger Infanteristen. Es folgten Teile des 57., 52. und 16. Regiments, alle mit Ziel Reichshofen im Elsass. In Haide dauerten die Einquartierungen über 14 Tage an, zuerst kamen Hessen, dann Preußen, Magdeburger Dragoner, „braune Husaren“ und die sächsische Armee mit Kronprinzen. Die durchnässten und unterkühlten Soldaten trotzten dem Dauerregen, erhielten warmen Kaffee, Wein und Essen. Kirchheimbolanden durchzogen in den ersten Kriegstagen über 20.000 Mann mit hunderten Kanonen, Pulverwagen, Sanitätskutschen, Brückenwagen und Gulaschkanonen.

Mit der Bahn aus dem Nahetal zugeführt, marschierten tausende Soldaten durch das Alsenz- und Glantal Richtung Süden und Südwesten. Ihnen wurde Wasser mit Essig aus großen Holzbütten gereicht, um den Durst zu löschen. Allerorts requirierte das Militär Pferde und Gespanne zum Gepäck- und Munitionstransport. Die Finkenbacher trugen große Vorräte an Leinen, Bett- und Leibwäsche zusammen und zupften sonntagnachmittags im Schulsaal Garn. Die Sippersfelder schickten Kompressen und Charpie (Watte), Binden, Dörrobst, Schweinefleisch, Eier, Wein, Branntwein und Zigaretten.

Am 4. August atmeten die Pfälzer auf: Weißenburg war in deutscher Hand, die Einmarschgefahr gebannt. Mit Siegeshymnen, großem Glockengeläute, wehenden Fahnen und Freudenfeuern wurden die Siegesnachrichten aus Wörth, Metz und Sedan gefeiert. Am 2. September 1870 kapitulierte Frankreich, die Belagerung von Paris dauerte jedoch an.

Nachdem kurz zuvor die Friedensbotschaft eintraf, feierten die Finkenbacher und Waldgrehweilerer am 5. März 1871 gemeinsam ein großes Friedensfest mit Gesang, Freudenschüssen und Reden. Im Anschluss wurden in Finkenbach-Gersweiler zwei und in Waldgrehweiler eine Friedenslinde gepflanzt. Nur Letztere hat die anderthalb Jahrhunderte überdauert – die beiden Finkenbacher haben aus nicht überlieferten Gründen im wahrsten Wortsinn das Zeitliche gesegnet.

Eisenbahnen als Fortschritt

Die Armeen Napoleons III. waren geschlagen, der französische Kaiser gefangen genommen und die Hauptstadt Paris besetzt. In der Folge kam es zur Annexion von Elsass-Lothringen, Repressionen sowie zur Deutschen Reichsgründung in Versailles. Die Erbfeindschaft erreichte einen neuen Höhepunkt. Die Eröffnungen der kriegsstrategischen Alsenztal- und Donnersbergbahn nach Kriegsende sorgten für bessere Anbindungen und begünstigten den industriellen Fortschritt in unserer Region. Krieger- und Militärvereine sowie Frauenvereine des Roten Kreuzes wurden gegründet. Erst Jahre später wurden Fuhrleute und Landwirte mit minimalen Zahlungen für ihre Nachschubfahrten entschädigt. Über 180.000 Soldaten kamen ums Leben, mehr als 230.000 wurden verwundet.

Heute erinnern uns nur noch einige Kriegerdenkmäler, Friedenslinden und der Adlerbogen am Donnersberg an diesen Krieg.

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