Donnersberger Echo
Von stillen Fans und starken Helfern
Fußball-EM: Nichts getroffen
Hören Sie? Sie hören nichts! Zumindest war es bei uns in Rockenhausen in den vergangenen drei Wochen so: Kein Gegröle durch feiernde Fans, die in größerer Runde die Spiele verfolgen. Keine akustische Unterstützung für das (Ex-)Team von Jogi Löw wie beispielsweise 2010, als bei der WM in Südafrika jedes Tor unserer Mannschaft auf dem benachbarten Balkon mit der Vuvuzela sozusagen in die Welt hinausposaunt wurde – und wir aus der Terrassentür auf gleiche Weise geantwortet haben. Keine Autokorsos und Hupkonzerte, mit denen sonst nicht nur Deutsche, sondern auch Italiener, Türken, Kroaten oder Russen den Einzug in die nächste Runde zelebriert haben. Nichts.
Klar, auf der Arbeit oder beim Einkaufen ist König Fußball immer mal wieder Gesprächsthema, hier und da hatten sich auch ein paar Fähnchen in Vorgärten oder auf Autos verirrt – die nun nach dem enttäuschenden Aus gegen ebenfalls biedere Engländer kleinlaut wieder abmontiert werden mussten. Aber sonst? Von Sommermärchen keine Spur – man hatte den Eindruck, in der Nordpfälzer Öffentlichkeit war die EM auch vor dem Ausscheiden der Nationalmannschaft nie angekommen.
Dazu passt, dass wir von der Donnersberger Rundschau keine einzige Ankündigung für eine öffentliche Übertragung oder eine Art „Mini-Public-Viewing“ bekommen haben, die ja in gewissem Rahmen und unter Einhaltung der gängigen Hygieneregeln schon möglich gewesen wären. Und man fragt sich, was nun ausschlaggebend für die Zurückhaltung der Nordpfälzer ist: Das mäßige, teils indiskutable Auftreten unserer Elite-Kicker in der jüngeren Vergangenheit – oder doch die Aus- und Nachwirkungen von Corona?
Wie so oft ist es vermutlich von beidem ein bisschen. Denn entgegen der Forderung ihres (zu) lange amtierenden Übungsleiters hat unsere Nationalelf in der jüngeren Vergangenheit häufig nicht nur „högschde Konzentration“, sondern auch Leidenschaft, Biss und bei allem Potenzial auch fußballerische Klasse vermissen lassen. Das hat aber Menschen in anderen Landstrichen (und Ländern!), vorwiegend in Ballungszentren, in den letzten Wochen nicht davon abgehalten, das ein oder andere EM-Event zu starten. Wobei mir persönlich trotz der Mut machenden Entwicklung der Infektionszahlen Bilder von größeren Menschenansammlungen, die sich jubelnd in den Armen liegen, momentan noch unpassend erscheinen. Es braucht halt viel Geduld, bis Covid-19 endgültig in die Knie gezwungen ist.
Insgesamt verfestigt sich jedenfalls der im Laufe der Pandemie entstandene Eindruck, dass die Donnersberger – von wenigen, hier nicht wieder aufgewärmten Ausreißern abgesehen – sehr verantwortungsvoll mit der Situation umgegangen sind. Und dass sie bei aller Freude über Lockerungen ein Gespür dafür haben, dass es (noch) nicht die Zeit für Massenzusammenkünfte ist.
Was umgekehrt nicht bedeutet, dass sie sich in den heimischen vier Wänden verkriechen: Dass die Tische bei Gastronomen wieder gefüllt sind, dass die Besucher in Freibädern – in der VG Winnweiler demnächst sogar Kita-Kinder in kostenlosen Kursen – ihre Bahnen ziehen dürfen, dass an diesem Wochenende die Veranstaltung „Kibo l(i)ebenswert“ so großen Anklang findet: All das ist eine wunderbare Sache. Und obwohl ich grundsätzlich Fußball lieber im kleinen Kreis schaue, hupende Autos zu nächtlicher Stunde nerven und viele, die da durch die Straßen tanzen, vom Spiel selbst wenig Ahnung haben: Ich hoffe, dass es künftig (nicht gerade bei der unsäglichen Winter-WM in Katar!) bei großen Turnieren auch wieder Public Viewing und Autokorsos geben wird. Einfach, weil es wieder möglich ist!
Unwetter: Hart getroffen
Nicht möglich war es vielen Feuerwehrleuten, am Dienstagabend das Spiel der deutschen Mannschaft gegen England zu verfolgen. Weil sie genau in dieser Zeit zum wiederholten Male während der vergangenen Wochen im Einsatz waren, um im östlichen Kreisteil Unwetter-Folgen zu beseitigen. Zwar wird der beziehungsweise die eine oder andere angesichts des Ausgangs im Nachhinein froh gewesen sein, das Spiel verpasst zu haben. Aber es ist einmal mehr ein Beleg dafür, wie zahlreiche ehrenamtliche Rettungskräfte – nicht nur im Bereich der Feuerwehr – ihre persönlichen Befindlichkeiten hintanstellen, um anderen Menschen in ihrer Not zu helfen. Auch wenn es schon oft gesagt wurde: Ihnen kann für ihr Engagement nicht genug gedankt werden!
Unser Mitgefühl gilt aber natürlich den von den Wassermassen betroffenen Familien – allen voran den „Sterrern“ –, die teils zum dritten Mal binnen kurzer Zeit Haus, Hof und Gemeinde von Flüssigkeit und Dreck befreien mussten. Sicher: Die Hauptsache ist, dass keine Personen zu Schaden gekommen sind. Aber die Erfahrungen des verheerenden Hochwassers im und um das Moscheltal im Jahr 2014 zeigen: Wer einmal hilflos mit ansehen musste, wie Naturgewalten das eigene Hab und Gut beschädigen oder zerstören, bei dem sitzt die Furcht vor einer Wiederholung tief. Zumal, wenn diese Angst kurz darauf erneut befeuert wird. Menschen im Westkreis erzählen, dass bis heute bei ihnen sofort der Puls nach oben schnellt, wenn es stärker zu regnen beginnt.
Umso wichtiger ist es, nach solchen Ereignissen genau zu analysieren, was an Vorsorge möglich ist. Ein solches Konzept wird in Stetten gerade in Angriff genommen – gut so! Im Alsenztal hatte sich beispielsweise nach heftigen Überschwemmungen in den 1990er und 2000er Jahren diesbezüglich viel getan, etwa durch das Anlegen von Retentionsräumen. Schlauchboote auf dem Alsenzer Marktplatz hat es zum Glück schon lange nicht mehr gegeben. Hoffen wir, dass dies nicht nur dort so bleibt.
Ein Wochenende mit möglichst wenig Regen – vor allem ohne Unwetter! – wünscht Ihnen Rainer Knoll