Donnersberger Echo RHEINPFALZ Plus Artikel Von Neujahrsempfängen und närrischen Idealisten – unsere Wochenendkolumne

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Neujahrsempfänge und Fasnachtssitzungen: Davon wird das gesellschaftliche Leben (auch) im Donnersbergkreis im Januar bestimmt. Sind Erstere sinnvoll? Und was machen die Aktiven bei Letzteren, wenn das Publikum weitgehend ausbleibt? Das sind die Themen unserer Wochenendkolumne.

Gleich vorweg: Auch ich hab’s getan. Und zwar gleich zweimal. Am Neujahrsempfang des Donnersbergkreises in Kriegsfeld habe ich ebenso teilgenommen wie an dem des Evangelischen Diakoniewerks Zoar in Rockenhausen. Und das vorweg: Beide haben mir gut gefallen – ich habe nette Gespräche geführt, ein Glas Wein getrunken, viel geflachst und Menschen getroffen, die ich pandemiebedingt teils mehrere Jahre nicht gesehen habe. Normalerweise hätte ich sogar den Hattrick geschafft und wie immer auch den Jahresauftakt in meiner Heimat Rockenhausen besucht – aus dienstlichen Gründen war mir das jedoch nicht vergönnt.

Kurzum: Persönlich empfinde ich Neujahrsempfänge keineswegs als lästige Pflichtveranstaltung. Und es gibt ja gute Argumente dafür: als Gastgeber das eigene Image pflegen, Menschen danken, anderen die Gelegenheit geben, sich zu präsentieren, Pläne für die kommenden Monate vorstellen, neue Kontakte knüpfen beziehungsweise alte wieder auffrischen, Geld für gute Zwecke sammeln, und, und, und. Die Frage ist nur: Steht der Nutzen im Verhältnis zu den Kosten? Da Ersteres nicht messbar ist, lässt sich eine endgültige Antwort darauf kaum geben.

Ludwigshafen sagt ab – und spart 35.000 Euro

Wobei Empfänge von Unternehmen, Vereinen oder Organisationen eine Sache für sich sind: Schließlich bleibt es ihnen überlassen, wofür sie ihre erwirtschafteten Finanzmittel einsetzen. Anders bei Kommunen: Hier darf schon gefragt werden, ob öffentliche Gelder nicht sinnvoller eingesetzt werden könnten – gerade in Zeiten, in denen viele Familien jeden Cent zweimal umdrehen müssen. Die Stadt Ludwigshafen hat wegen ihrer angespannten finanziellen Lage den Empfang abgesagt – 35.000 Euro sollen dadurch gespart werden.

In unserer Region ergibt sich auf Nachfrage ein anderes Bild: Nur rund 2000 Euro hat der Neujahrsempfang des Kreises gekostet. Darin enthalten sind auch Spenden für das musizierende Trio Conzertino und die bewirtenden Kriegsfelder Landfrauen. Und es sind 1250 Euro zugunsten der Tafeln im Kreis gesammelt worden. Die VG Winnweiler rechnet sogar nur mit einem dreistelligen Betrag, der zudem mit der jeweils den Empfang ausrichtenden Ortsgemeinde – in diesem Jahr Lohnsfeld – geteilt wird.

Braucht jede Kommune jedes Jahr einen Empfang?

Das sind Summen, die gegenüber anderen im Haushalt veranschlagten Aufwendungen durchaus zu vernachlässigen sind. Deshalb fällt das genannte Kosten-Nutzen-Verhältnis bei uns sicher auch deutlich positiver aus als in Metropolen wie Kaiserslautern, wo die Teilnahme am Neujahrsempfang mittlerweile Eintritt kostet. Dennoch könnte man ja zumindest darüber nachdenken, ob jede VG (und der Kreis) in jedem Jahr ihre eigene Veranstaltung ausrichten muss. Schließlich ist damit auch für die Verwaltungen ein erheblicher Aufwand verbunden. Denkbar wäre beispielsweise ein Zwei-Jahres-Rhythmus – und in dem Zwischenjahr hätten die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister die Möglichkeit, ihre Ansprachen via Internet zu halten. Eine Variante, die sich in der Pandemie ja durchaus bewährt hat.

Vielleicht könnten sich auch benachbarte Kommunen abwechseln – was den positiven Nebeneffekt hätte, dass die Feiern der Verbandsgemeinden Winnweiler und Nordpfälzer Land endlich mal nicht am gleichen (Freitag-)Abend stattfinden würden. Zumal schon am nächsten Vormittag der Kreis zu seinem Empfang mit teils den gleichen Gästen bittet – bei manchen reicht nicht einmal die Zeit zum Kleiderwechseln ...

Erster Fasnachtsauftritt seit drei Jahren

Ihre Kleider wechseln dürfen nach dreijähriger Leidenszeit endlich wieder die Fasnachter: raus aus den Zivilklamotten, rein in die närrische Kluft. Wir haben in den letzten Tagen schon reichlich in Wort und Bild(ern) über den „Re-Start“ der Karnevalisten berichtet. Dazu eine Anekdote: Am Sonntag haben meine Frau und ich die Seniorenprunksitzung in Kibo besucht. Nein, wir sind nicht von Rockenhausen über den Berg gezogen. Und wir gehören auch nicht der Zielgruppe an – jedenfalls noch nicht. Aber unsere Tochter ist mit ihrer Ballettschule aufgetreten, erstmals seit 2020 wieder bei der Fasnacht. Da wollten wir dabei sein.

Leider im Gegensatz zu vielen anderen: Die Organisatoren waren sich einig, dass die Seniorensitzung noch nie so schlecht besucht war. Gründe gab es mehrere: Der Wintereinbruch auf der einen, die gerade bei der älteren Generation immer noch ausgeprägte Angst vor Corona- (oder sonstigen) Infektionen auf der anderen Seite. Und dann hat es offenbar noch eine Panne beim Verschicken der Einladungen gegeben, die nicht alle Adressaten pünktlich erreicht haben. Zieht man die Aktiven und ihre Angehörigen ab, dann war noch nicht einmal eine dreistellige Zahl an Gästen in der Stadthalle.

Auch für 50 Besucher mit voller Leidenschaft

Davon ließen sich die „Kerchemer“ Narren aber nicht die Laune verderben: Sie haben viereinhalb(!) Stunden lang mit gleicher Leidenschaft und Begeisterung ihr Programm durchgezogen, als wenn sie vor 1000 Zuschauern auf der Bühne gestanden hätten. Und diejenigen, die da waren, sind voll mitgegangen und haben es den Akteuren am Ende mit stehendem Applaus gedankt. Das hat mir imponiert – und ich bin überzeugt, in anderen Orten rund um den Donnersberg hätten es die Fasnachter genauso gemacht. Weil sie, wie unzählige weitere Ehrenamtler in unserem Kreis, Idealisten sind. Ich ziehe jedenfalls vor diesem Engagement meinen Narren-Hut!

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