Donnersbergkreis Von der Flüchtigkeit des Augenblicks

Rockenhausen. In der Zeit vom 6. September bis 1. November zeigt die Berliner Künstlerin Renata Tumarova im Kahnweilerhaus ihre Werke unter dem Titel „Gatherings“. Zur Eröffnung der Ausstellung lädt der Arbeitskreis Kahnweilerhaus alle Kunstinteressierte am Sonntag ab 11 Uhr ein. Zur Einführung spricht Eva-Maria Günther.
Renata Tumarova wurde 1979 in Sankt Petersburg/Russland geboren, lebt und arbeitet heute in Berlin. Sie absolvierte ihr Studium der Malerei von 1997 bis 2001 an der Akademie der Künste in St. Petersburg und schloss in den Jahren 2002 bis 2007 ein Studium der Freien Malerei an der Universität in Berlin an. Für sie war es ein Zufall, dass sie 2001 nach Deutschland übersiedelte. Hier konnte sie frei experimentieren, sich sowohl der impressionistischen und der expressionistischen Malerei als auch der zeitgenössischen figurativen Kunst widmen. In Berlin und auf ihren Reisen in Europa fand die Künstlerin zahlreiche Motive für ihre Bilder: Sowohl die tägliche Hektik des modernen Großstadtlebens als auch die Einsamkeit der Menschen, die ihr ausgesetzt sind. Die Titel der Gemälde wollen den Betrachter emotional einbeziehen, wollen ihn dazu anregen, etwas über sich selbst herauszufinden. Die Gemälde sind ausgewählte Schnappschüsse und Eindrücke, die eine fragmentarische Sicht des Hauptstadtlebens, der Lichter und Gesichter, der unwiederbringlichen Momente widerspiegeln, sie in kraftvolle Farben auflösen und sorgfältig auf Leinwand komponieren. Das Magazin für Kunst „Art profil“ schrieb im Jahre 2013 unter der Überschrift „Von der Flüchtigkeit des Augenblicks“ über ihre Werke: Was Tucholsky in seinem Gedicht „Augen der Großstadt“ in Worten ausdrückt, hätte er der Künstlerin Tumarova widmen können. Tumarova bringt das mit Ölfarben auf ihre klein- und großformatigen Leinwände: flüchtige Szenen, Momentaufnahmen, gleichsam den Herzschlag der Großstadt oder anders gesagt: Sie hält in der Bewegung befindliche Augenblicke der urbanen Landschaft fest. Ihre Bilder hält sie zunächst mittels Skizzen oder Digitalaufnahmen fest. Die Personen und die Großstadt bilden in ihren Werken eine Art Symbiose, denn durch die spezifische Ausführung verschwimmen diese Komponenten in den kompositorisch durchdachten und gestalteten Werken auf eine faszinierende Art geradezu miteinander. Die Künstlerin erreicht diese Wirkung durch ein für sie charakteristisches Farbenspiel mittels einer speziellen Technik der Ölmalerei, bei der sie die Farben sehr stark verdünnt und schichtweise aufträgt. Weder Gesichter noch Geschlechter oder sonstige markante, topographische Punkte sind bildhaft und gerade deshalb substituierbar. Der Betrachter selbst kann sich in die Werke hinein projizieren, was im Übrigen das erklärte Anliegen der Künstlerin ist. „Ich möchte die Grenzen zwischen dem Betrachter und der Darstellung verwischen, indem ich versuche, ihn emotional in das Bild hineinzuziehen, damit er vielleicht dadurch etwas über sich selbst erfährt“, sagt sie. Ausstellungen in Berlin, in Paris und in Washington D.C., zu denen in aller Regel Kataloge erschienen sowie die Beteiligung an Kunstausstellungen in Frankfurt, Karlsruhe und Köln und etliche Presseartikel haben Renata Tumarova einem breiten Publikum bekannt gemacht. Ihre Gemälde werden in verschiedenen Galerien gezeigt und von vielen privaten Sammlern erworben. Im Jahre 2011 erhielt Tumarova den Dorothea-Konwiarz-Preis in Berlin und 2010 war sie für den Eberhard-Dietzsch-Kunstpreis für Malerei nominiert. 2007/08 wurde ihr das Dorothea-Konwiarz-Stipendium zugesprochen. (bus)