Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Volkshochschule und Schulen: Zusammen Lernrückstand der Schüler aufholen

Um die Kinder individuell zu unterstützen bietet die KVHS zusätzliche Unterrichtseinheiten an.
Um die Kinder individuell zu unterstützen bietet die KVHS zusätzliche Unterrichtseinheiten an.

Die Corona-Pandemie hat den Unterricht an den Schulen im Kreis stark beeinflusst. Da einige Schüler dadurch doch Lerndefizite haben, gibt es nun eine Kooperation zwischen der Kreisvolkshochschule (KVHS), dem Bildungsministerium und schon einigen Schulen, um Schüler individuell und kostenlos fördern zu können. Wir haben mit KVHS-Leiterin Evangeline Beyer über das additive Lernangebot gesprochen.

Frau Beyer, warum wurden die additiven Lernangebote eingeführt und wie kam die Zusammenarbeit vom Ministerium mit der KVHS Donnersbergkreis zustande?
Die Volkshochschulen in Rheinland-Pfalz bieten schon seit 2009 Feriensprachkurse für Deutsch an. Diese Kooperation wurde nun vom Bildungsministerium ausgebaut, um additive, also zusätzliche, Lernangebote in Zusammenarbeit mit den Schulen anzubieten. Hintergrund ist natürlich die Pandemie. Viele Kinder hatten Homeschooling oder Wechselunterricht, außerdem gab es teilweise lange Schulschließungen. So konnten viele Kinder leider nicht ihr volles Potenzial ausschöpfen, nicht den Lernfortschritt erreichen, den sie eigentlich haben müssten ohne die Pandemie. Und da war die große Frage, was kann man machen, um die Kinder, die tatsächlich noch Unterstützung brauchen, individuell zu betreuen und zu fördern.

Wie genau sehen die additiven Lernangebote aus?
Die additiven Lernangebote sind ein bis zwei zusätzliche 45-minütige Unterrichtseinheiten pro Woche, die direkt in der Schule angeboten werden. Wir sind also im direkten Kontakt mit den Schulen und Lehrkräften, wissen genau, welcher Lernbedarf bei den jeweiligen Kindern besteht. So können wir die Förderung individuell auf die einzelnen Kinder zuschneiden. Dadurch schaffen wir es, den Lernrückstand, der eventuell durch die Krise entstanden ist, wieder aufzuholen.

Wie muss man sich so eine Lerneinheit vorstellen?
Die Kinder werden in Gruppen von sechs bis maximal zwölf Schülern, wenn möglich nach Klassen und Alter aufgeteilt. Die Schule gibt uns Hinweise, zum Beispiel, welche Seite im Buch noch mal nachgearbeitet werden muss. Dann wird aber auch geschaut, welches Kind noch einmal eine extra Erklärung braucht. Das ist im Grunde wie im normalen Unterricht, nur dass wir eben kleinere Klassengrößen haben.

Welche Vorteile hat das?
Neben der bereits genannten Einzelförderung und direkten Absprache mit der Schule, müssen sich die Eltern beispielsweise nicht noch um die Anfahrt und Sonstiges kümmern. Im Gegensatz zur Sommer- und Herbstschule, die wir im vergangenen Jahr wegen der Corona-Problematik angeboten haben, sind die Lerneinheiten nicht zeitlich auf eine Woche begrenzt, sondern in langfristigen Blöcken angelegt. Durch den längeren Zeitraum kennen die Kinder die Lehrkraft und können sich auf sie einstellen. Ein großer Vorteil ist auch, dass sich die Kinder kennen, meist aus der Klassenstufe und/oder zumindest schon vom Sehen, sie kennen den Veranstaltungsort sowie die Gegebenheiten vor Ort.

In welchen Fächern wird das additive Lernangebot angeboten?
Vorrangig in Mathe und Deutsch. Wir haben aber auch Schulen, an denen wir Englisch und Französisch durchführen. Und im Moment suchen wir einen Dozenten für Latein, weil da auch Nachfrage da wäre.

Wer leitet die Kurse?
Für uns ist es im Moment ein bisschen schwierig, passende Kursleiter zu finden, die an die Schulen vor Ort geschickt werden. Da braucht man jemanden, der flexibel ist, für eine oder zwei Unterrichtseinheiten irgendwo hinzufahren. Man spürt auch immer noch eine gewisse Zurückhaltung wegen der Corona-Pandemie. Das ist für uns natürlich verständlich. Dozenten, die Interesse haben, bei uns mitzumachen, können sich gerne melden.

Wie wird das Angebot momentan im Donnersbergkreis genutzt?
Noch relativ wenig. Wir haben bisher vier Schulen, bei denen wir vor Ort sind: Gymnasium Weierhof, Realschule plus Rockenhausen, Grundschule Zellertal und Nordpfalzgrundschule Alsenz. Die eine oder andere Schule hat auch schon angefragt, da sind wir in Gesprächen für eine Kooperation.

Wer trägt die Kosten?
Die Kosten trägt das Ministerium für Bildung.

Wie lange wird es das additive Lernangebot geben?
Noch bis Ende November. Wenn das dann gut läuft, wird es vielleicht noch verlängert. Es besteht jederzeit die Möglichkeit für die Schulen, sich noch zu melden. Momentan haben wir 31 geplante Kurse mit 158 Kindern, es sind aber auch noch nicht alle Kurse voll. Wenn sich genug melden, kann man auch dem Bildungsministerium signalisieren, ob es nicht die Möglichkeit gibt, das fortzuführen.

Info

Wenn jemand als Dozent die additiven Lernangebote unterstützen möchte (das können auch Lehramtsstudenten, Lehrer in Ruhestand oder andere Leute mit Unterrichtserfahrungen sein), kann sich gerne bei der KVHS unter Telefon 06352 710-181 oder per Mail an kvhs@donnersberg.de melden. Auch allgemeine Fragen zum additiven Lernangebot können hier gestellt werden.

KVHS-Leiterin Evangeline Beyer.
KVHS-Leiterin Evangeline Beyer.
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