Eisenberg
Villa Barwich wird versteigert
Um es gleich vorweg zu sagen: Nein, die Versteigerung ist nicht erzwungen und gleich gar nicht aus finanziellen Gründen. Der Schritt, den Armin und Karl Barwich gehen, ist zwar auch nicht ganz freiwillig, denn als Unternehmer mit der Event-Location Villa Barwich war Armin Barwich überaus erfolgreich. „Da hat man nach Corona das Ding eigentlich gut im Griff und dann schlägt das Schicksal gnadenlos zu“, erzählt Armin Barwich. Während sein Mann Karl in seiner HNO-Gemeinschaftspraxis in Frankenthal stark eingespannt ist, kümmert sich Armin um den gastronomischen Betrieb. Zumindest war das bis Ende August so.
Seit Juli allerdings leidet der 38-Jährige an den Folgen einer Long-Covid-Erkrankung, in deren Folge er sich das bislang wenig erforschte Epstein-Barr-Virus eingefangen hat. Aktuell lässt Armin Barwich sich im Klinikum Ludwigshafen mit einer Chemo-Therapie gegen diese schmerzhafte Krankheit behandeln. „Ich bin total eingeschränkt, kaum noch belastungsfähig, bekomme derzeit maximal 20 Prozent dessen, was ich früher leisten konnte, auf die Kette“, berichtet Armin Barwich. Für ihn bedeutet das: Er kann sich nicht um die Gastronomie kümmern. „Derzeit bin ich quasi arbeitsunfähig und kann noch nicht absehen, wann das wieder anders sein wird“, so Barwich. „Das ist hart, wenn es so von heute auf morgen nicht mehr geht.“
„Habe für die Villa gelebt“
Vor diesem Hintergrund – auch mit dem Wissen, dass eine Heilung fast ausgeschlossen ist – sei die Entscheidung gereift, sich von dem Gastronomiebetrieb in der Villa, die dem Ehepaar auch als Wohnung dient, zu trennen. „Wir haben mit dieser Entscheidung gehadert, aber die Pflege von 240 Quadratmetern Gastronomiebetrieb, 200 Quadratmetern Wohnfläche und fast 14.000 Quadratmetern Park und Wäldchen überfordert uns völlig“, begründen die beiden ihre Entscheidung zum Verkauf. „In den vergangenen Jahren habe ich für die Villa gelebt“, sagt Armin Barwich, der bereits jetzt über Anfragen für Veranstaltungen, Hochzeiten und Feiern bis Ende 2024 verfügt.
„Wir wollen die Villa von der Westdeutschen Grundstücksauktion AG versteigern lassen. Die Versteigerung findet in Köln am 9. Dezember statt.“ Mindestgebot ist 950.000 Euro, so habe das Auktionshaus die Immobilie zunächst eingepreist. „Wir hoffen natürlich, dass die Villa mehr einbringen wird, zumal wir auch bereit sind, das Gesamtpaket mit der Einrichtung abzutreten. Wer hier mit dem Anspruch antreten will, die Event-Gastronomie auf gehobenem Niveau fortzusetzen, der kann sofort einsteigen und auch gerne alle vorbesprochenen Veranstaltungen von mir übernehmen“, betont Armin Barwich.
Was passiert, wenn es nicht klappt?
Die Versteigerung sei der Versuch einer Veränderung, aber kein absolutes Muss. „Geht die Villa nicht weg, dann werden wir unter Umständen hier auch wohnen bleiben und versuchen, mit einem geänderten Konzept eine Lösung zu finden. Wir müssen ja nicht verkaufen, einen Versuch wollen wir jedoch für einen privaten Neuanfang wagen.“
Das Personal hat Armin Barwich bereits Anfang September entlassen müssen. „Heilfroh bin ich, dass das Team komplett neue Jobs gefunden hat, unsere Köche beispielsweise sind als Duo zu einem anderen Betrieb gewechselt. Die wichtigste Kraft des Hauses, die auch organisatorisch viele Fäden zog, hat sogar in die Praxis von Karl gewechselt, wo sie als Quereinsteigerin einen sehr guten Job macht“, berichtet Barwich.
Umgesehen nach einem neuen Wohnsitz haben sich die Barwichs übrigens noch nicht: „Wir lassen das jetzt erst einmal auf uns zukommen. Wenn der Verkauf klappt, dann gehen wir diesen nächsten Schritt. Aber wir werden wohl in der Region bleiben.“