Sporthelden der Corona-Krise Vikings Muay Thai: Übungs-DVD und Münzjagd gegen Bewegungsfaulheit

Marc Wagner ist mit seinen Thaiboxern gut durch die Zeit der Pandemie gekommen. So wurde beispielsweise das Training umgestellt
Marc Wagner ist mit seinen Thaiboxern gut durch die Zeit der Pandemie gekommen. So wurde beispielsweise das Training umgestellt und eine DVD gedreht.

Die Thaiboxer der Vikings Muay Thai haben das Corona-Jahr genutzt, sich immer wieder Neues einfallen lassen. Sogar ihre geplanten Veranstaltungen konnten sie durchziehen. Und am Ende machte Marc Wagner sie alle zu Münzsammlern.

Sie wollen eigentlich immer in Bewegung bleiben: die Thaiboxer der Vikings Muay Thai. Das spürt man im Gespräch mit ihrem Vorsitzenden Marc Wagner schnell. Vom Virus wollten sie sich nicht in die Knie zwingen lassen. Mit seinem Team setzte Wagner alles daran, nicht nur mit einem veränderten Trainingskonzept, sondern auch mit Hygienekonzepten das übliche Programm weitgehend aufrecht zu erhalten. „Wir konnten eigentlich alle unsere Vereinsveranstaltungen durchziehen, hatten dabei dank guter Hygienekonzepte auch kein Superspreading-Event.“ Da war das Sommerfest im Juni, das unter Einhaltung der Regeln im Freien stattfand, es folgte der Jugend-Cup im August in der Marnheimer Sporthalle, das XXL Thai-Box-Camp, „das dann nicht mehr ganz XXL war“, und der Vikings Cup Anfang November.

Für jede der Veranstaltungen mussten nicht nur neue Konzepte erdacht werden, sondern auch in der Organisation neue Wege gefunden werden. „Wir haben sehr umfangreiche Hygienekonzepte erstellt und sie immer wieder angepasst, weil sich ja auch die Regeln immer wieder geändert haben. Das war eine wahnsinnige Arbeitsleistung, da haben mehrere Mitglieder Tage dran gesessen“, berichtet Wagner. So durften beim Jugend-Cup beispielsweise keine Zuschauer dabei sein, die Vikings engagierten eine Firma, die die Wettkämpfe auf den Youtube-Kanal des Vereins live überträgt. Bis zu 500 Zuschauer seien in den Spitzenzeiten gleichzeitig dabei gewesen, als die nationalen Nachwuchstalente aus Belgien, den Niederlanden, Luxemburg und Deutschland im Ring gestanden haben, erzählt der Thaibox-Chef.

Organisationstalent und Flexibilität bewiesen

Statt der XXL-Variante des Jugend-Camps im Oktober mit sonst 200 Sportlern, wurde es 2020 deutlich verkleinert, konnte „damit und durch eine coronataugliche Lüftungsanlage in der neuen Marnheimer Sporthalle aber immerhin stattfinden“. Und ein besonderer Kniff ermöglichte dann sogar selbst im Spätherbst noch den geplanten Vikings-Cup. „Das war eine Meisterleistung von uns, dass wir die Ausrichtung durch die Verlegung vom 7. auf den 1. November hinbekommen haben“, erzählt Wagner. Denn wenig später hieß es wieder: Lockdown.

Kampfrichter und Ringärzte waren für den ursprünglichen Termin bereits gebucht, an dem etwa eine Woche früheren Termin hatten sie dagegen keine Zeit. Die Vikings mussten auf Plan B umstellen, fanden schließlich andere Ärzte und Kampfrichter, legten beim Basteln der Pokale noch eine Schippe drauf, damit alles rechtzeitig fertig wurde. Für Wagner eine starke Teamleistung, die die Vikings auch sonst auszeichne.

Übungs-DVD ersetzt Khan-Prüfungen

„Das einzige, was wir im vergangenen Jahr absagen mussten, waren die Khan-Prüfungen im Dezember“, erzählt er. Sie sind vergleichbar mit den Gürtelprüfungen im Judo oder Karate. Konnte nach dem ersten Lockdown im Frühjahr das kontaktlose Training noch nach draußen verlegt und durch einige Radfahr- und Laufeinheiten ergänzt werden, ging ab November erst einmal nichts mehr. Die Alternative: eine knapp 45-minütige, selbst produzierte Khan-DVD mit Übungen zum Nachmachen. Gemeinsam mit seinen Kindern, die ebenfalls im Gym der Vikings trainieren, zeigt Wagner Übungen wie den Wai Khru, eine Art Tanz, der zu Beginn eines Kampfes aufgeführt wird, um unter anderen den Trainern Respekt zu zollen. „Das war richtig aufwendig, wir haben auch in Zeitlupen gefilmt, alles wird kommentiert und die Begriffe erklärt.“ Doch durch die DVD, die zusammen mit einem schokoladigen Gruß kurz vor Weihnachten zu den Kindern daheim ausgeliefert wurde, habe der Verein sogar einige Neumitglieder gewonnen. Etwa 170 sind es derzeit insgesamt. „Und die Eltern waren wahnsinnig dankbar, dass ihre Kids mit den Videos auch in den Ferien und im Lockdown trainieren können“, erzählt Wagner.

Aus der Hoffnung, nach den Feiertagen wieder vor Ort gemeinsam zu trainieren, wurde dagegen nichts. „Wir machen stattdessen seit 1. März dreimal pro Woche ein Online-Training. Das kann uns keiner nehmen.“ Nicht nur Kinder, Jugendliche und Erwachsene trainieren dabei zuhause, sondern auch die Frauen, die an einem Selbstverteidigungskurs teilnehmen. „Wir bieten das seit vier Jahren an, werden dafür jetzt auch als Stützpunktverein im Programm ,Integration durch Sport’ ausgezeichnet.“ Denn in dem Kurs, der auch im vergangenen Jahr trotz Corona, wenn auch die meiste Zeit kontaktlos, stattfand, üben in erster Linie Migrantinnen. „Wir hatten eigentlich keine Nachteile durch Corona und konnten alles durchboxen. Vielleicht ist das auch ein Vorteil von uns Thaiboxern, dass wir es gewohnt sind, getreten zu werden und dann aber auch wieder aufzustehen“, berichtet Wagner.

Online-Training und Coin-Jagd etabliert

Doch damit nicht genug, weil auch im Frühjahr erst mal noch nicht an „normales“ Training zu denken ist, reifte in Wagner eine weitere Idee: Eine Münz-Jagd für Mitglieder und für jedermann im Donnersbergkreis. Wagner ist in der rheinland-pfälzischen Initiative „Land in Bewegung“ auch als Bewegungsmanager tätig, stößt kostenlose Bewegungsprojekte für alle Generationen an.

Monatlich wird nun an einem neuen Standort ein Säckchen mit Münzen deponiert. Diese können gesammelt werden, wer ein Foto davon einsendet, nimmt Ende des Jahres an einer Verlosung teil. „Das ist explodiert. Statt der von uns erwarteten 50 Leute, haben sich schon in den ersten vier Wochen über 1000 Teilnehmer registriert.“ Sein Ziel sei von Beginn an gewesen, die Menschen zum Spazieren oder Wandern zu animieren, oder dazu, sich das Fahrrad zu schnappen und so gerade in der Corona-Zeit aktiv zu bleiben. „Und am Ende gibt es mit der Münze eine Belohnung.“

Die Wahl zum Donnersberger Sporthelden der Corona-Krise

Zehn Kandidaten stehen zur Wahl und können „Donnersberger Sportheld der Corona-Krise“ werden. Von 6. bis 16. April stellen wir jeden Tag einen Kandidaten im Porträt vor. Die Texte sind auch auf der lokalen Facebookseite der RHEINPFALZ zu finden, verbunden mit einem Video, das jeden Verein genauer vorstellt. In der RHEINPFALZ-Ausgabe am Samstag, 17. April, werden alle Kandidaten noch einmal auf einer Übersichtsseite präsentiert. Diese Übersicht ist ab dann auch auf der Homepage der RHEINPFALZ zu finden, verbunden mit dem Aufruf zur Wahl. Denn diese startet ab 17. April. Online und per Coupons, wie bei der sonst üblichen Sportlerwahl, können Leserinnen und Leser dann bis Sonntag, 9. Mai, für ihren Lieblingsverein abstimmen. Die Helden werden mit Geldpreisen der Sparkasse Donnersberg und Greiner Schaltanlagen belohnt. Auch wer abstimmt, kann gewinnen: Die RHEINPFALZ verlost ein Tablet.