Donnersbergkreis Viele Kulturen – eine Sehnsucht

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Friedensfreunde müssen Geduld haben. Das wurde am Samstagabend im „Blauen Haus“ im Bolander Ortsteil Weierhof aber gern hingenommen bei der dreieinhalbstündigen „Soirée: Viele Kulturen, eine Sehnsucht“, die die 41. Kirchheimbolander Friedenstage eröffnete. In einer revueartigen Abfolge verschiedenster Programmpunkte sollte das so drängende Thema Krieg und Frieden aus den unterschiedlichsten kulturellen und weltanschaulichen Perspektiven beleuchtet werden. Ernst und heiter, nachdenklich bis witzig nach dem Motto: „Das Schwere leicht gesagt“.

Das Publikum – mit Gästen beispielsweise auch aus Syrien und Eritrea – erlebte packende und bewegende Darbietungen. Thematischer Schwerpunkt war Toleranz zwischen den Religionen als Bedingung für Frieden, entsprechend weit die Spannweite der diesbezüglichen Haltungen: Vom areligiösen Standpunkt eines der Akteure – solange Religion als Vorwand für Kriege dient, brauche ich keine Religionen – bis zum aus der Religion gespeisten Pazifismus eines mennonitischen Pfarrers, der den „dritten Weg“ sucht zwischen „Schlagen und Geschlagenwerden“. Die Religionen der Welt könnten sich, meinte Moderator Pit Kaiser, durchaus auf die „Goldene Regel“ einigen: „Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden willst.“ Zu Beginn trug Anissa Kahla ein Gedicht von Sheik Khaled Bentounes, einem geistlichen Führer in Algerien, auf Französisch vor, das auch auf Deutsch, und, von Meriem Allouch ins Arabische übersetzt, von den jungen Syrern Iyad und Salem gesprochen wurde: „La paix – Der Frieden – Salam“. Dem von Pit Kaiser vorgetragenen Antikriegslied „With God on our Side“, begleitet von Jörg Jungmann, folgte ein geistreich-pointierter Beitrag Elmar Funks, des Gründers der Friedenstage vor 41 Jahren. Er zitierte Ringelnatz, Eugen Roth und Kästner. Von Letzterem den Gedanken, dass Archimedes’ Idee, den Erdball von einem Punkt aus den Angeln zu heben, ganz überflüssig sei – die Welt sei längst aus den Fugen. Wichtig sei stattdessen, um sie wieder einzurenken, an vier Punkten anzusetzen: dem Gewissen, Vorbildern, der Kindheit und dem Humor. Sehr konkret wurde es, als der Biedesheimer Bürgermeister Holger Pradella über die Aufnahme von Flüchtlingen in seiner Gemeinde berichtete. Ohne Probleme zu beschönigen, zeichnete er doch ein sehr positives Bild der Aufnahme- und Hilfsbereitschaft. Überhaupt eigne sich die dörfliche Welt besonders gut zur Integration durch die überschaubare, persönliche Begegnung, zumal auch in den Vereinen. Sein Wunsch: Dass die Demokratie aus der derzeitigen „Krise“ gestärkt und nicht geschwächt hervorgehe. Wunderschöne musikalische Intermezzi: Jesse Cernduff mit zwei eigenen Liedern zur Gitarre und das Duo Josefina und Gregor Dittmer mit Geige, Gitarre und Folksongs aus Schottland und Irland. Versteigert wurde ein modernes Kunstobjekt, eine dreifarbige, aus sich selbst hervorwachsende Pfeilkonstruktion. Geschaffen wurde sie von Gregor Dittmer und einem Schüler an der Hermann-Nohl-Schule. Das Kunstwerk soll an einen sich öffnenden Farn erinnern: Symbol der gleichberechtigten Entfaltung aller Menschen als Prinzip des Friedens. Die Pause stand unter dem Motto „Genießen für den Frieden“. Hadda Fadel hatte mit Helfern ägyptische Spezialitäten vorbereitet. Valery Rüb und Genady Sidel sorgten im Hintergrund für akustische Untermalung mit Klezmer-Musik. Unvergängliche Friedenslieder wie Bob Dylans „Blowing in the wind“ (Bodo Sontheimer und Thomas Rott) oder John Lennons „Imagine“ (Aaron Kaufmann) gehörten zum zweiten Teil. Da wurde schmerzlich die traurige Aktualität der alten Lieder bewusst, auch bei der Ballade „Der Werber“, in neuer Komposition von Sontheimer und Rott gestaltet. Anissa Kahla las das Gedicht „Der Schläfer im Tal“ von Rimbaud, dazu veranlasst durch das Foto eines toten Flüchtlingskindes am Strand, das vor einigen Wochen die Öffentlichkeit erschütterte. Außerdem den „Deserteur“, ein Antikriegslied von 1954, der Zeit des französischen Indochina- und des beginnenden Algerienkrieges. Zum Thema Religionstoleranz verweist sie auf Lessings „Ringparabel“ vom Vater, der seinen drei Söhnen drei gleichberechtigte Ringe (Religionen) hinterließ, die sie schon als Germanistikstudentin überzeugt hat. Beiträge des „Ensembles Blaues Haus“ oder ein skurriles Menschenrechte-Quiz, durchgeführt von Jamill Sabbagh – die Zeit vergeht, aber im Flug. Und dann als Finale intonieren alle Akteure zusammen die Beatles-Hymnen: „All you need is love“ und „Give peace a chance“! (hbo)

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