Donnersbergkreis Verschwundene Namensgeberin
«MÜNCHWEILER». Sie hat einer ganzen Straße den Namen gegeben, die „Sankt-Josefs-Kapelle“ auf der „Schnorr“, dem erst im 18. Jahrhundert bebauten Ortsteil auf der rechten Alsenzseite von Münchweiler. 1894 war sie erbaut worden und war durch die schlechte Fundamentierung und auch zum Teil durch Kriegseinwirkungen zu Beginn der 1960er Jahre in einem sehr schlechten baulichen Zustand.
Vor allem Witterungseinflüsse und auch das Eindringen von Regenwasser haben dazu beigetragen, dass dieses Gotteshaus im Laufe der Jahre baufällig geworden war und bald nicht mehr für gottesdienstliche Zusammenkünfte verwendet werden konnte. Eine Renovierung wäre sehr kostspielig geworden. So entschloss man sich zu einem Neubau in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Kapelle, etwas südlich davon und auf der Höhe oberhalb vom Dorf gelegen. Das aus dem Jahre 1765 stammende Ave-Glöckchen wurde von der ehemaligen Kirche mit in die neue „Agnus Dei“, Lamm Gottes genannte, genommen. Das Gemeindesiegel aus dem Jahre 1670 zeigt ebenfalls dieses Lamm mit der Siegesfahne. Am 5. September 1965 wurde diese Kirche durch den Bischof von Speyer eingeweiht. Einen kurzen Einblick in das Gemeindeleben während der Jahre 1934 bis 1944 geben uns Aufzeichnungen von Anna Schmidt, die von 1932 bis 1963 Lehrerin in Münchweiler und auch während der NS-Zeit Organistin in der Kapelle war. Am 1. Juli 1934 nahm der Kapellenverein auf Betreiben von Pfarrer Bettinger, Winnweiler, nach langjähriger Unterbrechung seine Tätigkeit wieder auf. Er verstand sich als Organ der katholischen Aktion in diesem Dorf. Im Frühjahr 1934 war die Kapelle für 520,83 Mark renoviert worden. Im Jahre 1935 wurden ihr allerhand Stiftungen zuteil, vor allem vom Paramentenverein Speyer, aber auch von katholischen Gemeindemitgliedern und von Handwerkern, die auf ihren Lohn für Reparaturarbeiten verzichteten. Im Herbst 1935 stellte sich heraus, dass das Läuten der Glocken für das wurmstichige Gebälk gefährlich und für die Giebelseite schädlich war. Wieder mussten Reparaturarbeiten von katholischen Handwerkern durchgeführt werden, selbstverständlich kostenlos. 1936 musste die Einfriedung des Kapellengartens erneuert werden. Zu den dadurch anfallenden Unkosten von 619 Mark gab das bischöfliche Ordinariat damals einen Zuschuss von 400 Mark. In den Jahren 1937 und ’38 wurde an der Böschung eine Mauer aufgeführt, 40 Schlingrosen setzte man in die Böschung, die ganze Straßenseite wurde mit Stauden angelegt, und insgesamt 100 Sträucher wurden hier neu gepflanzt. Anfangs des 18. Jahrhunderts waren die katholischen Grafen von Wieser in den Besitz der Dörfer Münchweiler und Gonbach gekommen. Graf Ferdinand Andreas von Wieser achtete die hergebrachten kirchlichen Rechte der lutherischen Gemeinde. Unter seiner Herrschaft sind allerdings immer wieder Juden und Katholiken in die Gemeinde eingewandert. Unter der Herrschaft seiner Söhne Carl und Philipp änderte sich das jedoch entscheidend. So forderten sie etwa von der lutherischen Gemeinde, die katholischen Feiertage mitzufeiern. Wenn sie es nicht taten, waren Geldstrafen fällig und wurden auch von Rentmeister Giersen und Schultheiß Nunheim, beide selbstverständlich katholisch, rigoros eingetrieben. Als der lutherische Schulmeister Koch sich weigerte, die katholischen Feiertage einzuläuten, wurde ihm der Kirchenschlüssel mit Gewalt weggenommen und seine Kleider vom Leib weg gepfändet. Außerdem bekam er von den katholischen Mitbürgern kein Glockenkorn mehr, das ihm für das Früh- und Spätgeläute und das Stellen der Uhr eigentlich zustand. Schließlich wurde ein katholischer Schulmeister ins Dorf gesetzt, obwohl damals kaum 50 Katholiken hier lebten. Zu ihm sollten nicht nur die katholischen Eltern ihre Kinder in die Schule schicken, sondern auch die Kinder aus Mischehen mussten dort den Unterricht besuchen. Sie wurden mit Gewalt und bei Androhung von Geld -und Turmstrafen dazu gezwun-gen. Dadurch hat man selbstverständlich die Einkünfte des lutherischen Schulmeisters gehörig beschnitten. Die Katholiken gingen auch bald daran, einen Platz zur Errichtung einer Kapelle und eines Schulhauses zu räumen, die dann beide auch im Jahre 1765 erbaut wurden. Wo dieser Platz lag, wird allerdings in den zeitgenössischen Akten nirgends vermerkt. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass die spätere „Sankt-Josefs-Kapelle“ wieder am gleichen Platz errichtet wurde wie ihre Vorgängerin, da das für die kleine katholische Gemeinde sicherlich die preisgünstigste Lösung war. Noch 1871 wird eine katholische Schule in Münchweiler erwähnt, die meistens von „Schulverwesern“ betreut wurde. Ein besonderes Schulhaus war 1894 beim Bau der neuen Kapelle jedoch nicht mehr erforderlich, denn bereits im Jahre 1879 werden die Münchweilerer Schulen als „confessionell gemischt“ bezeichnet. Dieser Tatsache trug man dadurch Rechnung, dass hier sowohl evangelische als auch katholische Lehrkräfte unterrichteten. Was aus der ersten Kirche in die folgende übernommen wurde, lässt sich nirgendwo mehr feststellen. Doch scheint das auch in die dritte Kirche gekommene Ave Glöckchen, das ja die Jahreszahl 1765 trägt, auf jeden Fall noch aus der ersten katholischen Kirche im Dorf zu stammen.