Turnen
Vereine hoffen auf baldige Rückkehr in die Halle
Dass der zweimalige Olympia-Silbermedaillengewinner Marcel Ngyuen wegen eines Kreuzbandrisses nicht in Tokio starten kann, war der Aufreger in der Turnszene. Knappe Kleidung wurde noch mal Thema durch Elisabeth Seitz, die wegen hautenger Outfits ein Zeichen gegen Sexismus im Sport setzen wollte. Kunstturnerin Sarah Voss fand Beachtung, weil sie einen Ganzkörperanzug trug.
Die Basis aber ist von anderen Problemen geplagt. Der Deutsche Turnerbund (DTB) verweist auf Freiluftaktivitäten, gibt aber Hinweise, wie ein Klub seinen Trainingsbetrieb wieder starten kann. Die Maßgaben orientieren sich an Regeln der Schutzverordnung, sind aber sehr allgemein gehalten. Etwas dünner sind die Informationen beim Pfälzer Turnerbund, der sich für das Impfen stark macht.
Stillstand währt in Winnweiler seit Herbst
Beim TV Winnweiler ist der Vorsitzende Tobias Wendt noch nicht so weit, den Trainingsbetrieb zu starten. „Wir wollen am 7. Juni wieder starten, dann werden wir halbwegs normalen Betrieb haben.“ Wendt stellt aber klar, dass der gut 1000 Mitglieder zählende TV kein typischer Turnverein sei, der in großem Maße an Wettbewerben teilnimmt. „Das klassische Turnen gibt es in meinen Augen ohnehin nicht mehr“, fügt er an. Der TVW habe auch keine Trainer für die klassischen Übungen etwa an Reck und Balken. „Unser Ziel ist es mehr, dass sich unsere Leute fit halten“, verweist er auf umfangreiche Kursangebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. So gibt es beispielsweise auch Yoga, Tanzen und Zumba.
Geturnt wurde in Winnweiler seit 1. November nicht mehr. „Wir haben seit Herbst Stillstand im Verein“, sagt Wendt. Ins Freie gehen wollten er und seine Abteilungsleiter nicht. Training in Zweiergruppen war kein Thema. „Wir haben normalerweise Gruppen von zehn Personen aufwärts“, erklärt Wendt. Kontakt gab es zwischen den Turnern nur in Whatsapp-Gruppen. „Das ist natürlich schwierig, weil wir ein Verein sind, der für das Gesellige steht. Die dritte Halbzeit ist bei uns ganz wichtig“, sagt Wendt.
„Wir haben auch den Sprung auf eine Online-Plattform hinausgezögert“, in der Hoffnung auf Besserung. Nur Zumba und Tanzen gab es im Videotraining“, sagt der Vorstand. Er habe bei der älteren Generation im Umsetzen von Videotraining Schwierigkeiten ausgemacht. „Für unsere Älteren ist Videotraining kaum eine Alternative. Wir haben aber Erwachsenen Kleingeräte zum Trainieren mit nach Hause gegeben“, erklärt Wendt, dem es wichtig ist, durch schnelles, aber bedachtes Handeln wieder zurück in die Halle zu kommen. Bevor es losgeht, werde sich der Vorstand mit den Verbänden in Verbindung setzen. „Wir hatten zuletzt weniger Kontakt mit dem Sportverbänden. Es war auch sinnlos“, erklärt Wendt-
Eltern-Kind-Turnen ruht in Rockenhausen
Nicht nur das klassische Turnen ruht, auch das Eltern-Kind-Turnen. Die VT Rockenhausen, ein Mehrspartenverein, hat Turnen für Kinder von ein bis vier Jahren in seinem Programm, jedoch keine echte Turnabteilung. „Wir haben zuletzt in unseren beiden Turngruppen gar nichts mehr gemacht“, erklärt Übungsleiterin Jasmin Therre.
Sie zeigt auf, dass es mit Kleinkindern nicht die Möglichkeite gebe, allein oder im Freien zu trainieren. „Wir machen in unseren Übungsstunden klassische Bewegungsübungen. Wir wollen Spaß an der Bewegung haben“, sagt Therre. Dies habe weniger mit dem eigentlich Turnsport zu tun. Auch Videotraining sei für die Kleinsten keine Option. „Wir hoffen, dass wir bald wieder anfangen können“, zeigt Therre vorsichtigen Optimismus, denn die Turngruppe sei ein Einfallstor für neue VTR-Mitglieder.