Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Urplötzlich schlägt Gundersweiler im Aufstiegsduell mit Waldmohr zu

Akrobatischer Ballkontakt: Sascha Steffes vom SV Gundersweiler (rechts) lässt Erik Bernhard vom VfB Waldmohr nur die Zuschauerro
Akrobatischer Ballkontakt: Sascha Steffes vom SV Gundersweiler (rechts) lässt Erik Bernhard vom VfB Waldmohr nur die Zuschauerrolle.

Am Ende jubelt und feiert der SV Gundersweiler den Aufstieg in die Bezirksliga Westpfalz. Doch erst in einem furiosen Finish drehte er in dieser entscheidenden Aufstiegspartie gegen den VfB Waldmohr einen 0:2-Rückstand in einen 3:2-Sieg. Dabei schoss Michael Hammerschmidt den wichtigsten Elfmeter seines Lebens.

So bitter, so gemein kann auch Amateur-Fußball sein. Bis zur Schlussphase des dritten Relegationsspiels um den Aufstieg in die Bezirksliga-Westpfalz war der VfB Waldmohr am Donnerstagabend vor rund 700 Zuschauern die bessere Mannschaft. Doch die 2:0-Führung reichte nicht, denn der SV Gundersweiler schlug doch noch rechtzeitig zu und drehte die Partie zu seinen Gunsten. Spielertrainer Michael Hammerschmidt avancierte in seiner wohl letzten Partie zum gefeierten Matchwinner.

Ziemlich bedröppelt, ins Leere starrend, saßen die Spieler des VfB auch noch lange nach Spielende vor der Kabine. Ärger und Enttäuschung standen dem Vizemeister der A-Klasse Kusel-Kaiserslautern ins Gesicht geschrieben, hatte er doch das Spiel, vor allem aber den Gegner bis zu 78. Minute völlig im Griff gehabt. Die Defensive um die Innenverteidiger Philip Kürzel und Marius Homberg agierte aufmerksam resolut - und nach vorne wurde in regelmäßigen Abständen zielstrebig Druck ausgeübt. Einen von zahlreichen Eckbällen im ersten Durchgang nutzte Waldmohr dann auch folgerichtig zur Führung – Homberg traf aus dem Getümmel, nachdem SVG-Keeper Heske den Ball nicht richtig weggefaustet hatte (30.).

Drehschuss bringt die Wende

Unmittelbar nach dem Seitenwechsel erhöhten die Gäste auf 2:0. Erik Bernhards Einwurf verlängerte Daniel Koslow, und Gundersweilers Abwehrmann Jochen Gress lenkte die Kugel unglücklich über die eigene Linie (46.). Weitere gute Möglichkeiten zum 3:0 blieben ungenutzt. Der Treffer von Zeshan Abbas wurden wegen vermeintlicher Abseitsposition nicht anerkannt. Da Gundersweiler weiterhin blass blieb und vieles vermissen ließ, steuerte Waldmohr klar Richtung Aufstieg. Bis zur 78. Minute. Dann: Ein langer Ball, dieses Mal präzise, von Innenverteidiger Patrick Traub fand doch noch einen Abnehmer. Hammerschmidt, bis dahin völlig abgemeldet und mit keinerlei Bindung zum Spiel, weckte per Drehschuss urplötzlich wieder alle Aufstiegshoffnungen.

Dieses Tor rüttelte seine Elf auf, die fortan auf den Ausgleich drängte. Der eingewechselte Rico Strohm zielte Millimeter am Pfosten vorbei. Auf der Gegenseite verhinderten Heske und Kapitän Bastian Steer den Knock-out. Waldmohr verpasste die große Doppelchance zum 3:1. Das rächte sich.

Die reguläre Spielzeit war schon vorüber als Gundersweilers ansonsten blasser Marcel Weiß mit seiner einzigen gelungenen Aktion einen Elfmeter rausholte. VfB-Akteur Luca Kram holte ihn ungestüm von den Beinen. Hammerschmidt verwandelte den wohl wichtigsten Elfmeter seiner Vita trocken und verschwand kurz darauf in einer Jubeltraube. Doch noch waren einige Minuten zu spielen. Waldmohr warf alles nach vorne, forderte im Gemenge Handelfmeter. Doch Schiedsrichter Enrico Demir aus Haßloch ließ weiterlaufen, und Sajoscha Basalyk vollendete ins verwaiste VfB-Tor zum 3:2. Abpfiff. Aufstieg.

„Einfach unglaublich“

Hochstimmung, Trommelwirbel und Pyrotechnik in Rot. Der SVG spielt in der nächsten Saison nach 2018/2019 zum zweiten Mal in der Bezirksliga. „In meinem letzten Spiel dieser Erfolg, das bedeutet mir unheimlich viel. Einfach unglaublich. Wir waren stehend k. o., nichts hat funktioniert, und Waldmohr hat es sehr gut gemacht. Doch auf einmal hat jeder von uns daran geglaubt. Wenn man sich die Runde betrachtet, war es mehr als verdient. Ich bin stolz auf jeden Einzelnen“, betonte ein gerührter SVG-Coach Hammerschmidt, der aufgrund eines Knorpelschadens seine aktive Laufbahn beenden wird. „Da bin ich jetzt konsequent.“

Gäste-Spielertrainer Jens Kirchen, der mit seiner Einwechslung noch ein paar Bälle festmachen wollte, aber direkt wieder verletzt raus musste, fühlte sich wie im falschen Film: „Da machst du 80 Minuten ein super Spiel, lässt hinten nichts zu, und am Ende stehst du mit leeren Händen da.“ Eine Portion Wut aufgrund der vergebenen Chancen und der Schiedsrichterentscheidungen war auch mit dabei. Kein Trost, aber seine Truppe konnte erhobenen Hauptes die Heimfahrt mit dem Bus antreten und nimmt in der kommenden Runde einen neuen Aufstiegsanlauf…

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