KIRCHHEIMBOLANDEN Unwetter am Freitag fordert rund 280 Einsatzkräfte
Schwer getroffen wurde die Kupfermühle Bindewald in Bischheim, wo die Einsatzkräfte auch 24 Stunden nach den sintflutartigen Regenfällen noch im Einsatz waren. Ebenso erforderten aufgeschwemmte Diesel- und Heizöltanks rasches Handeln.
Wie Matthias Groß, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Kirchheimbolanden, gestern berichtete, stand im Bischheimer Mühlenbetrieb zunächst der Innenhof mindestens einen halben Meter unter Wasser, das dann in den Silobereich eindrang. Diese Silos seien unterkellert und miteinander verbunden, erläutert Groß, der von etwa 20.000 Kubikmetern eindringenden Wassers sprach. Darüber hinaus habe im Erdgeschoss ein Labor unter Wasser gestanden. Schaden habe das Wasser auch an der Elektronik des Unternehmens verursacht, so Groß.
Ölsperren errichtet
Im Kirchheimbolander Gewerbegebiet Woogmorgen wurde das Gelände eines Busunternehmens zum Krisenort. Dort waren Dieseltanks und Ölabscheider in Mitleidenschaft gezogen worden, laut Wehrleiter Groß flossen mehrere hundert Liter Diesel aus. Hier kam der Gefahrstoffzug des Landkreises zu Hilfe.
Vorsorglich wurden im Leiselsbach, auch im Bereich der Kupfermühle Bischheim, bis auf Weiteres wegen Ölaustritten Ölsperren errichtet und kreisübergreifend bis nach Monsheim der Bachlauf kontrolliert; die Umweltabteilung der Kreisverwaltung entnahm Proben.
Meist Keller unter Wasser
Die Masse der Einsätze, so schildert der Kirchheimbolander Wehrführer Jens Geißler, habe vollgelaufene Keller in Wohn- und Geschäftshäusern betroffen. Der erste entsprechende Einsatz hatte in die Freiheitsstraße geführt, wohin die Floriansjünger danach noch zweimal gerufen wurden, weil stets neue Wassermassen nachdrängten.
Quasi zum Symbolbild des Unwetters wurde die Szenerie im Gewerbegebiet Woogmorgen nahe Autohaus Föller und Jet-Tankstelle, wo die Straße zum See wurde, in dem zwei Autos hilflos ins Schwimmen geraten waren. Deren Insassen wurden durch die Fenster gerettet.
Insgesamt 55 Einsätze vermeldet die Feuerwehr für den Katastrophentag, hauptsächlich in Kirchheimbolanden, aber, neben dem bereits erwähnten Bischheim, auch in Rittersheim, Gauersheim und Bolanden. Letztgenannte Gemeinde war erst am 26. Juni von einem Unwetter heimgesucht worden, bei dem ebenfalls gewaltige 80 Liter auf einen Quadratmeter niedergeprasselt waren.
Hilfe von überall her
Am Freitag lag die Koordinierung der Einsätze bei der Führungsstaffel der VG Kirchheimbolanden. Wehrleiter Groß und Wehrführer Geißler berichten von der großen Hilfs- und Einsatzbereitschaft umliegender Wehren und von Spezialkräften – insgesamt etwa 280 Einsatzkräfte. Unterstützung bekam die Wehr Kirchheimbolanden neben den zahlreichen Ortswehren der VG Kibo von den Feuerwehren der Verbandsgemeinden Winnweiler, Göllheim und Nordpfälzer Land.
Ebenso im Einsatz waren der Gefahrstoffzug Donnersbergkreis, Berufsfeuerwehr und Freiwillige der Feuerwehr Kaiserslautern, das Technische Hilfswerk Alzey und die Technische Einsatzleitung des Landkreises. Nicht zu vergessen: die Schnelleinsatzgruppe Versorgung und Betreuung des Kreises. Sie fuhr, wie Matthias Groß dankbar berichtet, die Einsatzstellen an und versorgte die Helfer mit Essen, Kaffee und Snacks – eine willkommene Stärkung im stundenlangen und kräftezehrenden Ringen um Schadensbegrenzung.
Feuerwehr selbst betroffen
Bis zum Samstagnachmittag waren die freiwilligen Feuerwehren noch mit Pump- und Aufräumarbeiten beschäftigt –, die übrigens auch die eigene Feuerwache in der Edenbornerstraße betrafen, wie Jens Geißler berichtet: Auch dort hatte sich das auf dem Hof angestaute Wasser den Weg in die Halle gesucht, war aber mit wenigen Zentimetern Höhe moderat geblieben. Sandsäcke an den Eingangsbereichen setzten Barrieren.