KIRCHHEIMBOLANDEN
Unterwegs mit dem neuen Fahrzeug für Katastrophenschutz
Außen hat das frische Feuerwehrrot die militärische Vergangenheit des Trumms auf acht Rädern inzwischen übertüncht. Innen allerdings ist das Olivgrün der Bundeswehr, in deren Diensten er früher stand, noch präsent. Auch manches andere Detail erinnert daran, etwa die kreisrunde Luke im Kabinendach. Ein Notausstieg, erklärt Brand- und Katastrophenschutzinspekteur Eberhard Fuhr, aber bei der Bundwehr sei da bei manchen dieser Modelle auch ein Maschinengewehr montiert gewesen, fügt er an.
Fuhr steuert den hochbeinigen, über zehn Meter langen Brummer mit der auffallend kastenförmigen Kabine, die an das Design von Kranlastern erinnert, locker und flüssig durch den Kirchheimbolander Stadtverkehr und hat daran sichtlich Spaß. Wer ruppiges Traktorfeeling erwartet, liegt falsch. Ruhiger als man erwarten mag, schiebt der luftgekühlte Deutz-Motor mit seinen 350 Pferdestärken die 16 Tonnen, die das Dickschiff leer auf die Waage bringt, voran. Der Motorenlärm ist auch erträglich, bedenkt man, dass der Diesel unmittelbar hinter der Kabinenrückwand werkelt. Bei der Bundeswehr sei man in der Lage, den Motor von dort aus innerhalb von nur zwei Stunden zu wechseln, erzählt Fuhr, der mit solchen Fahrzeugen bestens vertraut ist und auch deshalb diese im Kreistag erstmal umstrittene Anschaffung mit großem Nachdruck empfohlen hat.
Fuhr: Robuste Analogtechnik hat Vorteile
Der Kauf dieses vierachsigen MAN Kat 1 und eines weiteren, zweiachsigen Modells dieses Typs, das in Winnweiler steht, stand vor allem wegen ihres Alters in der Kritik. Die 40 Jahre, die sie auf dem Buckel haben, sind für Fuhr aber kein Argument – gerade wegen der militärischen Auslegung und der entsprechend verstärkten, robusten und besonders langlebigen Konstruktion. Hinzu kommt die geringe Laufleistung – 22.000 Kilometer beim Vierachser, und nur 5000 beim Zweiachser, der in Winnweiler steht. Außerdem seien die Fahrzeuge bei der Bundeswehr aufwendig gewartet worden. „Solche Fahrzeuge werden dort alle zehn Jahre bis auf die letzte Schraube zerlegt und wieder zusammengebaut“, gibt er zu bedenken.
Auch in der einfachen, älteren Analogtechnik sieht er Vorteile gegenüber neueren Fahrzeugen mit viel anfälliger Elektronik – zumal bei Einsatzzwecken, die das Operieren in tieferem Wasser vorsehen. „Wenn da Wasser reinläuft, macht man hinterher die Tür auf, lässt es abfließen, und das wars“, schmunzelt der Chef des Donnersberger Katastrophenschutzes. Bis 1,2 Meter tief kann der MAN ins Wasser, mit ein paar kleinen Vorkehrungen auch bis 1,6 Meter, sagt Fuhr und zeigt am Führerhaus, bis wohin das reicht.
Größter Teil des Kreises hochwassergefährdet
Der vierachsige KAT 1, der in Kirchheimbolanden steht, kostete den Kreis, wie Fuhr bilanziert, rund 63.000 Euro, weitere 30.000 wurden fällig für die Umrüstung und Restaurierung – da ging es um die Umlackierung, die Signalanlage, zusätzliche Beleuchtungselemente, Funk, die Erneuerung des Ladebodens, eine Rückfahrkamera, neue Reifen und ähnliche Details. Eine hydraulische Ladebordwand soll noch hinzukommen sowie zwei rasch umladbare Behälter für je fünf Kubikmeter Wasser – zehn Tonnen Zuladung kann der Laster auf der offenen Ladefläche aufnehmen. Die Ersatzteilversorgung sei völlig unproblematisch. Ein Neufahrzeug dieses Zuschnitts würde laut Fuhr gut und gerne 450.000 Euro kosten.
Fuhr ist überzeugt, dass solche Fahrzeuge unschätzbare Dienste leisten können bei Hochwasser-Katastrophen – etwa um Menschen evakuieren zu können. Fuhr erinnert an die Erfahrungen, die bei der Hochwasserkatastrophe im vergangenen Jahr beim Evakuieren eines überfluteten Altenheims mit dem watfähigen Unimog der Feuerwehr Gehrweiler gemacht werden konnten. 90 Prozent der Orte im Donnersbergkreis seien auf der Starkregenkarte mit der Farbe Rot markiert, gibt er zu bedenken. Im Moscheltal oder vor Kurzem in Stetten hat man längst erfahren, was das mitunter bedeuten kann.
„Die Einzigen in Rheinland-Pfalz“
Mit diesen Anschaffungen ist der Donnersberger Katastrophenschutz umliegenden Landkreisen ein Stück voraus. „Wir sind damit die Einzigen in Rheinland-Pfalz“, sagt Fuhr, erst in Bonn und Duisburg seien Berufsfeuerwehren damit ausgestattet. Auf entsprechend großes Interesse sei die Anschaffung bei Feuerwehren im Umland gestoßen. Die offizielle Indienststellung der beiden Fahrzeuge steht noch aus, sie soll im September erfolgen. Vereinzelt seien sie auch schon im Einsatz, etwa beim Schreinerei-Großbrand kürzlich in Bolanden sei der Kirchheimbolander MAN für Zubringerdienste gebraucht worden. Er ist nicht beschränkt auf Hochwassereinsätze, sondern vielfältig nutzbar – bei trockenen Sommern wie dieses Jahr etwa, um Wasser in den Wald zu bringen, wenn es dort brennen sollte.
Gefahren werden die Laster von Feuerwehrleuten, die einen Lkw-Führerschein haben und geschult sind für diesen Typ – in Kibo können etwa zehn Wehrleute aus der VG ans Steuer, in Winnweiler ist es ähnlich.