Donnersbergkreis „Unsere Helfer sind keine Traumtänzer“

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Seit Sommer sind sie ein fester Bestandteil des Göllheimer Ortsbildes: Menschen, die nach Deutschland kamen, weil sie auf der Flucht sind vor Krieg und Not, vielleicht auch vor Armut, und sich in Deutschland ein besseres Leben erhoffen. Um ihnen den Einstieg in ihr neues Leben zu erleichtern, hat sich im vergangenen Herbst ein Helferkreis gegründet. Er organisiert Deutschkurse, lädt einmal wöchentlich ins Flüchtlingscafé, betreibt eine Kleiderkammer, und einige der Helfer sind mehr oder weniger rund um die Uhr als „Paten“ im Einsatz.

In den Räumen der Dornbusch-Gemeinde sitzen 15 bis 20 Erwachsene an hufeisenförmig aufgestellten Tischen. Sie kommen aus Afghanistan, Pakistan, Ghana, Eritrea und vom Balkan. Sie schauen gebannt zur Tafel, wo Stefanie Stricker versucht, ihnen die Grundbegriffe des Lesens und Schreibens beizubringen. Ihre Schüler sind alle Analphabeten. Dass die Unterrichtssprache Deutsch ist, macht die Sache noch schwieriger. An die Tafel hat sie kleine Bildchen gezeichnet. Ein F steht für Fuß, ein B für Baum, ein H für Haus. „17 Buchstaben haben wir schon gelernt“, sagt Stricker. Ihre Schüler schreiben alles fleißig ab. „Wir haben derzeit einen Alphabetisierungskurs, einen Anfängerkurs Deutsch und einen für Fortgeschrittene“, erklärt Ortsbürgermeister Dieter Hartmüller. Die Unterrichtenden, insgesamt sechs, sind alle Lehrer, aktiv oder im Ruhestand, deren Einsatz von Roland Peters koordiniert wird. „Die Kurse werden sehr gut angenommen, es sind nur ganz wenige, die wir nicht erreichen“, sagt Hartmüller. Die Kurse laufen inzwischen über das Volksbildungswerk, was bedeutet, dass die anfangs rein ehrenamtlich tätigen Kursleiter nun eine kleine Aufwandsentschädigung bekommen. „Viele spenden das aber gleich wieder“, so Hartmüller. Im protestantischen Gemeindehaus am alten Marktplatz treffen sich jeden Donnerstag um 16 Uhr Flüchtlinge und einheimische Helfer um Pfarrer Peter Rummer zum Flüchtlingscafé. Die Besucher trinken Kaffee oder Tee, essen Kuchen und Gebäck und unterhalten sich miteinander und mit den Helferinnen und Helfern. Es werden Erfahrungen ausgetauscht, manch einer fragt die Deutschen um Rat, wenn es etwas zu erledigen gibt oder wenn er Hilfe braucht, und dazwischen rennen und spielen die Kinder. Alle Flüchtlinge, die in Göllheim leben, wurden der Gemeinde von der VG-Verwaltung zugeteilt, die ihr Kontingent wiederum über den Kreis bekam. Sie sind entweder im Asylverfahren oder im Besitz einer zeitlich begrenzten Duldung. Viele der Männer arbeiten bei der Beschäftigungsgesellschaft des Kreises in Marnheim. Allen gemeinsam ist, dass ihnen Deutschland, die Sprache, die Mentalität der Menschen und die Kultur fremd ist. „Wir haben gesehen, wie hilflos die Leute waren, als sie hier ankamen“, sagt Hartmüller. Und so habe es nicht lange gedauert, bis, vor allem auf Initiative von Karlfried und Karin Heinz, die ersten Freiwilligen beschlossen hätten, dass etwas getan werden müsse. Inzwischen kümmert sich ein Stamm von rund 40 Alt-Göllheimern um aktuell 68 Neu-Göllheimer. Hauptherkunftsland ist zur Zeit Pakistan, gefolgt von Afghanistan. Drittgrößte Gruppe bilden Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien und aus Albanien. Mittlerweile steht die Flüchtlingshilfe in Göllheim auf drei stabilen Säulen: Sprachkurs, Flüchtlings-café und Kleiderkammer. Denn, wie Hartmüller sagt: „Die Verwaltung gibt ihnen Wohnung und Geld. Alles andere ist nicht mehr in ihrer Verantwortung.“ Dazu kommen noch sogenannte Paten, Bürger, die mehr oder weniger rund um die Uhr für ihre Schützlinge ansprechbar sind, ihnen in kleineren und größeren Nöten wie Arztbesuchen, Einkäufen oder Behördengängen zur Seite stehen. Weil die Sprachbarriere derzeit das größte Problem darstellt, müssen hier, in der Regel per Mobiltelefon „zugeschaltet“, meist Dolmetscher helfen. Oft handelt es sich bei ihnen um Zuwanderer, die schon ein wenig länger in Deutschland leben. Einige von ihnen lassen sich auch regelmäßig im Flüchtlingscafé sehen. Der 16-jährige Mehrshad Tajik beispielsweise, der mit seinen Eltern und fünf Geschwistern aus Kunduz in Afghanistan geflohen ist. In Deutschland lebt die Familie seit knapp viereinhalb Jahren. Mehrshad besucht die achte Klasse der Gutenbergschule und will unbedingt einen Abschluss machen. „Wenn es klappt vielleicht auch Abitur“, sagt er. Als Berufswunsch gibt er Anwalt an. Sein Deutsch ist schon sehr flüssig, und weil er freundlich und hilfsbereit ist, sind seine Dienste als Übersetzer gefragt. Während im Café hauptsächlich Mitglieder der protestantischen Kirchengemeinde aktiv sind und die Räume für die Sprachkurse unter anderem von der freikirchlichen Dornbusch-Gemeinde zur Verfügung gestellt werden, ist die Kleiderkammer im Nepomukhaus in katholischer Hand. Hier kümmert sich eine Gruppe Frauen um Birgit Baqué-Stuppy aus Rüssingen darum, dass die Neuankömmlinge ordentliche, vor allem warme, Kleidung haben. Auch die Flüchtlinge selbst, sagt Hartmüller, seien bestrebt, den Helfern ihre Dankbarkeit zu zeigen und ihren Schicksalsgenossen Unterstützung zukommen zu lassen: Vor drei Wochen habe ein Afghane im Gemeindehaus für 50 Personen gekocht. Und ein Syrer sei Friseur und schneide den Flüchtlingen kostenlos die Haare. „Wir kommen im Moment sehr gut zurecht“, sagt Hartmüller zum Schluss. „Wir sind gut organisiert, und unsere Helfer sind keine Traumtänzer, sondern Leute, die im Leben stehen. Viel mehr Menschen können wir aber nicht aufnehmen. Wenn dieses Jahr wieder eine Million kommt, schaffen wir das nicht mehr.“ Info Eine Homepage des Helferkreises, die von Dieter Schott betreut wird, soll demnächst online gehen.

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