Donnersbergkreis Und plötzlich blühen die Papierblumen
Seit knapp einer Woche nehmen sich in der protestantischen Kirche Rockenhausen Menschen Zeit. Genauer: Zeit für Kirche. Das gilt nicht nur für Erwachsene, sondern auch für viele Kinder und Jugendliche. Seit Montag machen Kindergartengruppen und Schulklassen vormittags Halt in dem Gotteshaus – um gemeinsam Geschichten zu hören, zu spielen und zu erzählen.
„Hallo, hallo, schön, dass du da bist!“ Pfarrerin Urd Rust singt – und rund 60 Kinder tun es ihr nach. Manche aus vollem Hals, andere noch etwas schüchtern. Aber der Chor aus Kindergarten-, Grund- und Förderschulkindern aus Dielkirchen, Höringen und Rockenhausen wirkt doch recht vergnügt an diesem Vormittag. Erst vor wenigen Minuten sind die Kinder mit ihren Lehrern und Erziehern in der protestantischen Kirche eingetroffen. Nun sitzen sie im Kreis um Rust herum. „Heute habt ihr die Möglichkeit, die Kirche zu entdecken“, sagt Rust. Die kleinen Gäste fangen schon einmal damit an. Ihre Blicke wandern durch die Kirche, bleiben an Luftballons, Spielzeug, Puppen, einem Brunnenaltar oder Kerzen hängen – es gibt viel zu sehen. Zum Entdecken werden sie in den kommenden zwei Stunden noch genügend Gelegenheit haben. Während Zeit-für-Kirche-Mitorganisator Matthias Klein die Kinder in fünf Gruppen aufteilt, machen sich seine Helfer schon einmal bereit. An fünf Stationen werden sie die jungen Gäste gleich willkommen heißen: Im Bistro, im Raum der Stille oder auch auf der mit Spieltischen bestückten Empore. Für Klein sind die Vormittage mit den Kindern die Höhepunkte der einwöchigen Aktion. Von Montag bis Freitag empfangen er und seine Helfer je zwei Gruppen. „Manchmal sind es 40 bis 50 an einem Vormittag, manchmal auch bis zu 100“, sagt er. Heute seien es besonders viele. Vom Kindergartenkind bis zum Berufsschüler dürfen alle kommen. Für die Helfer beim Vormittagsprogramm ist das eine Herausforderung. „Am schwierigsten sind die Kindergartenkinder. Die sind so schnell abgelenkt“, weiß Klein. Beim Geschichtenerzählen legt sich der Jugendreferent auch daher besonders ins Zeug. Gerade blickt Klein in die gespannten Gesichter einiger Jungen und Mädchen. „Das hier“, sagt er und deutet auf eine Puppe in seiner Hand, „ist der Abi. Das ist ein Spitzname. Eigentlich heißt er Abraham.“ Ob auch eines der Kinder einen Spitznamen hat? „Tobi“, sagt ein Junge, und auch einige andere Kinder beginnen zu erzählen. Von Scheu keine Spur, die Kinder folgen gespannt der Erzählung. Während Klein für seine lebhaft erzählte Geschichte spontanen Beifall seiner jungen Zuhörer bekommt, drängen die Kindergartenkinder aus Höringen, Dielkirchen und Rockenhausen schon zur „Heiligen-Station“. Die kleinen Besucher haben es eilig, einen Platz auf den kleinen Bänken zu ergattern. Was ein Heiliger ist, davon haben sie noch keine rechte Vorstellung. Trotzdem: Einige kennen sie bereits. „Sankt Martin“, ruft ein Kind. „Der Nikolaus“, ein anderes. „Und der Weihnachtsmann!“, ergänzt ein Junge. „Der ist kein Heiliger“, sagt ihre Gruppenleiterin und schmunzelt. Wie wäre es aber mit der heiligen Barbara? Gewöhnlich werden für sie Barbarazweige geschnitten, die in der Weihnachtszeit blühen sollen. Die Kinder legen stattdessen gefaltete Papierblumen in eine Wasserschale. Als diese sich langsam entfalten, geht ein Raunen durch die Runde. „Meine blüht auf!“, ruft ein Mädchen, während ein Junge verblüfft die Hände vor dem Mund zusammenschlägt. Bei Kindern, Lehrern und Erziehern kommt das Programm gut an. „Ich bin überrascht, wie gut die Kinder zuhören“, sagt Simone Debus, Erzieherin an der integrativen Kindertagesstätte Regenbogen. Tatsächlich: Obwohl sich die Kinder auch wegen des hohen Geräuschpegels sehr konzentrieren müssen, bleiben sie bei der Sache – und finden Gefallen an den Erzählungen. „Die Weihnachtsgeschichte fand ich schön“, sagt die 13-jährige Selina. Ihrer Schulkameradin Laura gefällt der Raum der Stille am besten. Hier schirmt ein schwerer schwarzer Stoffvorhang Lärm und Licht ab. Einige Teelichter tauchen den Raum in warmes Licht, während Johanna Görzen die Geschichte von Elija erzählt. Die elfjährige Laura hört ebenso wie die anderen Kinder gespannt zu. „Es ist schön, dass es da so ruhig ist“, findet sie. „In meiner Klasse sind die Jungs normalerweise etwas aufgedreht. Im Raum der Stille wurden sogar sie etwas leiser.“ (kth)