Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel „Und dann war ich plötzlich positiv!“

In der Isolation (hier ein Symbolbild) führt kein Weg nach draußen – nicht einmal zum Spazierengehen mit dem Hund.
In der Isolation (hier ein Symbolbild) führt kein Weg nach draußen – nicht einmal zum Spazierengehen mit dem Hund.

Seit Beginn der Corona-Pandemie müssen wir mit Vorschriften leben, die sich immer mal wieder ändern können. Was allerdings bis heute eisern Bestand hat: Wer positiv ist, muss sich isolieren. Doch was bedeutet das für eine Familie? Wir haben mit einem Betroffenen gesprochen.

Auch nach zwei Jahren Pandemie kennen die meisten von uns die Selbstisolation wegen eines positiven Coronatests nur vom Hörensagen. Steffen Antweiler, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Göllheim, hat sie mitgemacht. Vergangenen März musste sich sein Sechspersonenhaushalt für dreieinhalb Wochen von der Außenwelt absondern.

„Das Ganze kam zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt“, erinnert sich Antweiler, der auch Ortsbürgermeister von Rüssingen ist. „Es war nämlich am Samstag vor der Landtagswahl, und als Ortsbürgermeister war ich dort auch als Wahlleiter vorgesehen. Das Paket mit den Schnelltests für die Wahlhelfer war gerade gekommen, und ich dachte mir noch ich probier so einen Test schnell mal aus, dann kann ich den Helfern auch gleich erklären, wie man den macht. – Und dann war der positiv! Ich konnte es gar nicht glauben, zumal ich völlig symptomfrei war.“

Ersatz-Wahlleiter gesucht

Er habe sich sofort beim Gesundheitsamt gemeldet, und dort sei ihm mitgeteilt worden, dass er einen PCR-Test machen müsse, was aber erst am darauffolgenden Montag möglich sei. In der Zwischenzeit gelte er als positiv und müsse in Quarantäne. „Ab 14 Uhr war ich also ans Haus gefesselt – gemeinsam mit fünf weiteren Familienmitgliedern“, erinnert sich Antweiler. „Ich hab mich dann als erstes ans Telefon gehängt, denn ich musste ja Ersatz für mich als Wahlleiter organisieren.“

Da auch das Ergebnis des PCR-Tests positiv war, musste Antweiler dann tatsächlich in Isolation – gemeinsam mit allen Familienmitgliedern, die sich zu dem Zeitpunkt bei ihm im Haus aufgehalten hatten. Drei von ihnen wurden ebenfalls positiv getestet, zwei weitere dagegen waren negativ, mussten aber mit ausharren. „Da sitzen Sie dann zu sechst in einem Haus, und die Rätselfrage lautet: Wie schützt man jetzt die beiden negativ Getesteten?“, blickt Antweiler zurück.

Zwei bleiben negativ – bis zum Schluss

Zunächst habe man versucht, sich aus dem Weg zu gehen, Küche und Bad zu unterschiedlichen Zeiten zu benutzen, aber schnell habe sich herausgestellt, dass das in der Praxis nicht machbar sei. „Zum Glück haben wir ein großes Haus mit Hof, Nebengebäuden und Garten. Da saßen wir nicht so aufeinander“, so Antweiler. Das Gute bei der Sache: „Trotz allem blieben die beiden bis zum Schluss negativ – und sind es bis heute geblieben.“

Im Übrigen war die Isolation selbst durchaus kein Zuckerschlecken: „Ganz simpel, wir waren an Haus, Hof und Garten gefesselt.“ Einkaufen war verboten. „Wir haben dann im Hof eine Übergabestelle eingerichtet. Meine Schwiegermutter und eine Tochter, die nicht mehr bei uns wohnt, haben eingekauft und die Sachen dort abgestellt. Danach ist von uns ,Gefangenen’ jemand gekommen und hat sie ins Haus getragen.“

Spaziergang? – Streng verboten!

Streng verboten war jeder Gang aus dem eigenen Anwesen heraus. „Selbst ein einsamer Spaziergang war nicht möglich. Nicht einmal um vier Uhr nachts. Man hätte ja theoretisch jemandem begegnen können.“ Da Familie Antweiler außerdem an der sogenannten Britischen Variante (eine aggressivere Mutation der Alpha-Variante) erkrankt war, betrug die Quarantäne dreieinhalb Wochen. „Nach 14 Tagen hatten wir zwar die Gelegenheit uns freizutesten, doch dieser Test fiel noch positiv aus.“ Leichte Krankheitssymptome, vor allem Kopf- und Gliederschmerzen und erhöhte Temperatur hatte Antweiler übrigens dann doch, aber nur wenige Tage lang.

Im Nachhinein eine „spannende Erfahrung“

Da kein Mitglied der Familie einen schweren Verlauf hatte und auch keiner ins Krankenhaus musste, ging das Abenteuer Covid für Familie Antweiler glimpflich aus. „Man kann es als spannende Erfahrung werten“, findet er im Nachhinein. „Allerdings ist das für eine Familie, die auf 75 Quadratmetern wohnt, nochmal eine ganz andere Sache. Oder für jemanden, der allein lebt und dem die Decke auf den Kopf fällt.“

Ein ganz ungewohntes Gefühl war es dann für ihn, als er das erste Mal wieder das Haus verlassen durfte. „Komischerweise hat sich das angefühlt wie wenn man aus einem längeren Urlaub nach Hause kommt. Man hat alles ganz anders wahrgenommen.“

Steffen Antweiler musste sich mit fünf weiteren Personen seiner Familie isolieren.
Steffen Antweiler musste sich mit fünf weiteren Personen seiner Familie isolieren.
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