Wartenberg-Rohrbach
TV Wartenberg-Rohrbach feiert 100. Geburtstag
„Es wurde nur Fußball gespielt“, erzählt die erste Vorsitzende des TV Wartenberg-Rohrbach, Cindy Eichenauer, von den Anfangstagen des Vereins. 15 junge Männer gründeten am 2. Juli 1921 den „Sportverein Bavaria Wartenberg-Rohrbach“. In seiner Geschichte wurden beim Verein zahlreiche Sportarten angeboten – nur Fußball konnte sich nicht recht durchsetzen.
Die anfängliche Begeisterung für das runde Leder hielt nur kurz. Nach zwei verlorenen Testpielen wurde bei der Jahreshauptversammlung am 21. Januar 1922 kurzerhand auf Turnen umgesattelt, und aus dem SV wurde ein TV. „Fußball war nicht für jeden“, sagt Eichenauer. Neben dem Sport stand auch schon zu dieser Zeit das gesellschaftliche Miteinander im Fokus. So wurde an der Kerwe mitgewirkt, und es wurden Spielfeste und Kinderfasching veranstaltet.
Material ging an die Volksschule
1937 kam das Vereinsleben dann zum Erliegen. Der damalige Vorsitzende Rudolf Wuttke lud am 9. Januar zur vorerst letzten Mitgliederversammlung. Die genauen Umstände sind heute unklar. „Sicher ist, dass der Verein pausiert hat“, sagt Eichenauer. Mehrere Gegenstände des TV Wartenberg-Rohrbach gingen an die Volksschule. Darunter Reck, Barren und ein Sprungbrett.
21 Unterschriften sorgten dafür, dass der Verein 1955 wieder aus der Versenkung auftauchte. Mit von der Partie waren auch zwei Frauen. Knapp einen Monat später, am 24. Oktober, wurde der Turnbetrieb wieder aufgenommen – jedoch vorerst nur für Erwachsene. 1958 wurde das Angebot auf Kinder und ein Jahr später das Repertoire auf Prellball ausgeweitet.
Turnhalle in Eigenleistung gebaut
Ein echter Kraftakt folgte in den 1970er Jahren: in Eigenleistung wurde die Vereinsturnhalle gebaut. Vom Beginn der Arbeiten im Oktober 1973 bis zur Fertigstellung im Mai 1975 vergingen rund eineinhalb Jahre.
Ab 1974 wurde auch das Sportprogramm ausgedehnt. Auf Frauenturnen folgte 1984 „Jedermanns Turnen“, später ging hieraus die Volleyballmannschaft hervor. Nicht alle Sparten konnten sich jedoch über die Jahre hinweg behaupten. „Viele moderne Sportarten kommen und gehen“, sagt Eichenauer. „Leider.“ Neben Volleyball gab es auch Karate und Basketball im Programm. „Das waren ein paar Jungs, die das gemacht haben“, erzählt Eisenauer über die Korbjäger des TV. „Drei hatten sogar einen Übungsleiterschein gemacht.“
Wie bei vielen anderen Sparten habe das Interesse am Angebot wieder nachgelassen. „Viele machen dann eine Ausbildung oder gehen studieren“, sagt die erste Vorsitzende. „Da bleibt dann keine Zeit.“
Auch nach 75 Jahren kein Fußball
Auch der Fußball wurde in Wartenberg-Rohrbach noch einmal Thema. Anlässlich des 75. Vereinsjubiläums sollte ein „Rückspiel“ des letzten Testspiels gegen Langmeil ausgetragen werden. Während das „Hinspiel“ 1921 mit 0:1 verloren gegangen war, fanden sich für die Neuauflage nicht ausreichend Spieler.
Neben dem Turnen hat sich über die Jahre auch Prellball behauptet. Obwohl das Team nur noch aus wenigen Spielern besteht, nimmt die Mannschaft an Wettkämpfen auf Landesebene teil. „Viele wissen gar nicht wie das funktioniert“, sagt Eisenauer über den dem Volleyball ähnlichen Sport. Heute können sich die 121 Vereinsmitglieder zudem in Leichtathletik, Tischtennis sowie Tanz und Fitness betätigen.
Anlässlich des 100. Jubiläums war für Dezember 2021 eigentlich eine Feier angesetzt. Diese wurde jedoch auf den 5. März 2022 verschoben. „Wegen der drohenden vierten Corona-Welle“, so Eisenauer zur Begründung. „Für den Moment steht das auf jeden Fall fest“, fügt sie mit Blick auf die schwankenden Fallzahlen hinzu.